Die Diagnose Brustkrebs ist für die meisten Frauen ein großer Schock und kann in ihrer Seele tiefe Spuren hinterlassen. Sie sind oftmals auch ein Jahr nach überstandener Krankheit noch spürbar, zeigt eine Langzeitstudie des Brustzentrums der Frauenklinik der LMU München mit 160 Brustkrebspatientinnen. Demnach wiesen 82,5 Prozent der untersuchten Frauen bereits vor der Behandlung Symptome der PTBS auf. Ständige, nicht unterdrückbare Gedanken an den Krebs, Gefühle emotionaler Taubheit, verstärkte Reizbarkeit und Wutgefühle sowie eine übermäßige Schreckhaftigkeit sind typische Symptome.

Zwar hatten in der Untersuchung nach einem Jahr nur zwei Prozent der Krebspatientinnen eine voll ausgeprägte PTBS entwickelt, doch 57 Prozent litten unter posttraumatischen Symptomen.

Die Psyche reagiert manchmal verzögert

Ist die Behandlung des Brustkrebses beendet, denken viele Frauen und Menschen aus dem näheren Umfeld, das Schlimmste sei überstanden. Manch eine Frau entwickelt aber verzögert psychische Beschwerden. Die Psyche reagiert also ganz individuell, und einige Patienten mit Brustkrebs haben länger an der Diagnose "zu knabbern" als andere. Das belegen die Ergebnisse einer aktuellen Langzeitstudie der National University of Malaysia in Kuala Lumpur mit 469 Krebspatienten, darunter auch Brustkrebspatientinnen. 

Frauen mit Brustkrebs fielen besonders dadurch auf, dass sie sechs Monate nach der Diagnose seltener an einer PTBS litten als Patienten mit anderen Krebskrankheiten. Nach vier Jahren aber kam die Störung genauso häufig vor wie bei Menschen, die eine andere Krebskrankheit überlebt hatten.

Erst später auftretende psychische Beschwerden führten die Forscher darauf zurück, dass Frauen im Rahmen der Brustkrebs-Behandlung intensiv betreut würden und sich die Symptome der PTBS deshalb erst nach der Therapie bemerkbar machten, wenn die intensive Betreuung endete.

Traumatherapie hilft Frauen mit Brustkrebs

Ob früh nach der Diagnose oder erst später, ob während oder nach der Behandlung: Die PTBS lässt sich erfolgreich behandeln, wenn sie erkannt wird. Professionelle Hilfe ist wichtig, denn unbehandelt kann die Störung sich auch auf den Therapiererfolg der Krebskrankheit auswirken. Etwa dadurch, dass Frauen Arzttermine verspätet oder gar nicht wahrnehmen, weil diese sie an die Krankheit erinnern. Je eher die Symptome der PTBS behandelt werden desto besser sind die Erfolgsaussichten, wieder ein seelisches Gleichgewicht zu finden.

Nicht jeder Psychotherapeut ist geeignet, eine PTBS zu behandeln. Spezialisierte Therapeuten setzen verschiedene traumaspezifische Verfahren ein, um das Trauma gezielt zu bearbeiten und zu bewältigen. Kognitive Verhaltenstherapie oder EMDR (Eye Movement Desensitization and Processing) im Rahmen einer ambulanten Psychotherapie sind häufig eingesetzte erfolgversprechende Methoden der Traumatherapie. Werden sie von einem Therapeuten mit Kassenzulassung durchgeführt, ist eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen möglich. Vor Beginn einer Behandlung muss ein Antrag gestellt werden. Keine Angst: Die Behandlungen, deren Dauer individuell festgelegt wird, lassen sich meist ambulant durchführen.