Die Chemotherapie ist eine wirkungsvolle Waffe gegen Brustkrebs, die immer häufiger zur Heilung beiträgt. Doch die Behandlung mit den hochwirksamen Medikamenten hat teilweise auch unerwünschte Wirkungen: Es kann in Folge der Behandlung zu Nervenschäden in Armen oder Beinen, sogenannten Chemotherapie-bedingten peripheren Neuropathien kommen. 

Jede fünfte Frau ist betroffen 

In einer Studie von portugiesischen Wissenschaftlern wurden 506 Frauen mit Brustkrebs beobachtet. Von den Teilnehmerinnen hatten etwa 60 Prozent vor oder nach der Operation des Tumors eine Chemotherapie bekommen. Alle anderen Frauen erhielten zusätzlich oder alternativ eine Hormontherapie oder eine Bestrahlung. 

Es zeigte sich, dass bei knapp jeder fünften Brustkrebspatientin infolge der Chemotherapie Nerven geschädigt waren: 17 Prozent litten unter der sogenannten Chemotherapie-induzierten peripheren Neuropathie. In Summe führten alle Therapien bei 30 Prozent der Patientinnen zu Nervenschmerzen. 17 Prozent nahmen Phantombrustschmerzen nach der Entfernung der Brust wahr und acht Prozent zeigten sich geistig weniger leistungsfähig. 

Taubheitsgefühl in Fingern und Zehen sind typisch

Die Chemotherapie-bedingte periphere Neuropathie beginnt typischerweise mit Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder Schmerzen in den Fingerspitzen und/oder Zehen. Diese können sich im Verlauf der Chemotherapie handschuhartig oder strumpfförmig ausbreiten. Ebenfalls möglich sind ein unsicherer Gang, Krämpfe in Händen und Füßen, unangenehmer Juckreiz oder Kreislaufstörungen. Auch die Feinmotorik kann beeinträchtigt sein, ebenso die Blase und die Verdauung. 

Bestimmte Chemotherapie-Medikamente verursachen häufiger Probleme, darunter Platinverbindungen, Taxane oder Vincaalkaloide sowie der Wirkstoff Eribulin. Diese Substanzen können häufig bis sehr häufig Nervenschäden auslösen. Das Risiko der Schädigung peripherer Nerven hängt auch davon ab, welche Dosis eingesetzt wird, wie lang die gesamte Behandlung dauert und wie lang die Infusionen pro Therapiesitzung laufen müssen.

Individuelle Risikofaktoren wichtig

Ein höheres Risiko für Nervenschäden haben Menschen mit weiteren Erkrankungen wie Diabetes, Nierenschwäche oder Unterfunktion der Schilddrüse. Weiterhin können Erkrankungen des Bindegewebes, entzündlich-rheumatische Erkrankungen häufiger Alkoholgenuss, die Einnahme anderer, potentiell nervenschädigender Medikamente, ein Vitaminmangel (vor allem B1, B6, B12) oder eine HIV-Infektion das Risiko steigern. Zudem sind chemotherapiebedingte Nervenschäden mit zunehmendem Alter häufiger und wahrscheinlicher. 

Um die Belastung durch die Chemotherapie zu senken, ist es deshalb besonders wichtig, auf frühe Anzeichen einer möglichen Nervenschädigung zu achten. Der behandelnde Arzt kann dann die Chemotherapie verändern, indem er etwa die Dosis verringert oder das Medikament wechselt. Sport-, Ergo- oder Physiotherapie sowie physikalische Therapien können helfen, die Beschwerden zu bessern. Auch bestimmte Medikamente können Beschwerden lindern.