Wird heute körperliche Aktivität schon begleitend zur Therapie empfohlen, ist sie erst recht ein Muss in der Rehabilitation und bei der Rückkehr in den Alltag. Dabei können körperliche Aktivität und Sport wichtige Probleme, unter denen viele Frauen nach Ende der Akutbehandlung leiden, bessern, zum Beispiel Erschöpfung (Fatigue), Schlafstörungen und Armsymptome.

Viele Frauen berichten selbst Jahre nach der Krebsdiagnose, dass die dauernde Erschöpfung für sie das am meisten einschränkende und belastende Symptom ist - oft schlimmer als die erlebten Nebenwirkungen der Therapie. Die Fatigue hindert Betroffene in vielfacher Weise daran, ein normales Alltagsleben zu führen.

Raus aus der Erschöpfungsfalle

Wer sich dauernd erschöpft fühlt, hat es besonders schwer, zu mehr Aktivität zurückzufinden. Doch neben einer bewussten Einteilung der Kräfte sind gerade bei Fatigue Bewegung im Alltag und körperliches Training wichtig.

Empfohlen wird ein mäßig intensiv ausgeführter Ausdauersport. Der Gewinn an Muskelkraft und Fitness hilft langsam wieder aus dem "Loch" heraus. Am besten machen Sie feste Termine mit anderen Betroffenen oder Bekannten aus. Dann fällt es leichter zu beginnen, man sagt weniger leicht ab, ist motivierter durchzuhalten und es macht auch mehr Spaß.

Fragen Sie im Sportverein vor Ort, suchen Sie sich eine Krebssportgruppe in Ihrer Nähe, einen Lauftreff oder ein Fitnessstudio, das Ihnen zusagt, oder verabreden Sie sich einfach regelmäßig zu einer Walkingrunde mit einer Freundin.

Besser schlafen

Es ist paradox: Viele Frauen, die eine Brustkrebsbehandlung hinter sich haben, fühlen sich tagsüber total müde und erschöpft und können nachts nicht schlafen. Das geht an die Substanz. Körperliche Aktivität hilft nicht nur gegen Fatigue, sondern auch gegen Schlafprobleme. In einer Studie schliefen Frauen besser, wenn sie vor dem Abendessen einen halbstündigen flotten Spaziergang machten. Damit sie sich daran hielten, führten sie darüber ein Tagebuch.

Machen auch Sie sich einen Stundenplan, wann und wie lange Sie aktiv sein wollen, und haken Sie ab, wenn Sie es geschafft haben. Das motiviert und macht zufrieden. Auf Dauer spüren Sie es: Sie sind fitter am Tag und ruhiger in der Nacht.

Anspannung - Entspannung

Bewegung kann helfen, das innere Gleichgewicht wieder herzustellen. Umgekehrt kann ein Ausgleichen von seelischer Unruhe, Unausgeglichenheit und Nervosität auch den Körper stärken. Deshalb wird begleitend zur Krebstherapie nicht nur körperliche Aktivität empfohlen, sondern auch Aktivitäten zur Stressbewältigung.

Für einige Möglichkeiten ist der günstige Effekt sogar wissenschaftlich erwiesen:

  • Eine auf Stressreduktion ausgerichtete Achtsamkeitsmeditation verbessert die Lebensqualität, verringert Stress und Depression.
  • Yoga kann den Schlaf und die Lebensqualität verbessern und Stress, Angst und Depressionen verringern.
  • Qigong wirkt sich günstig auf Lebensqualität, Fatigue und Stimmung aus.

Das Leben leben

Auch wenn ein Brustkrebs nicht mehr heilbar ist, geben heute eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten doch noch eine weitere Lebensperspektive.

Hier konnte inzwischen gezeigt werden, dass bei den in dieser Situation meist ambulant durchgeführten Behandlungen ein regelmäßiges Bewegungsprogramm, zum Beispiel in Form einer Sitzgymnastik, das Wohlergehen, die körperliche Fitness und die Kontrolle der Beschwerden verbessern kann. Viele Betroffene haben auch gute Erfahrungen mit Radfahren auf dem Heimtrainer/Ergometer gemacht.