Danach gefragt, was ihr Leben am nachhaltigsten beeinflusst und sie glücklich sein lässt, antworten die meisten Menschen: "meine Gesundheit." Im Umkehrschluss bedeutet das für chronisch kranke Menschen wie COPD-Patienten, dass sie körperlich und seelisch einer starken Belastung ausgesetzt sind.

COPD hat jedoch nicht nur Folgen für das Leben der Erkrankten, sondern wirkt sich auch auf Partnerschaft, Familie und Freunde aus. Der Alltag der Betroffenen unterliegt oft körperlichen Einschränkungen: Husten und Atemnot sind ständige Begleiter, sie fühlen sich erschöpft. Hinzu kommt die Angst vor plötzlichen Verschlechterungen, sogenannten "Exazerbationen". Das alles beschäftigt nicht nur die COPD-Patienten, sondern auch ihre Angehörigen. Untersuchungen zufolge bewerten sie ihre eigene Lebensqualität mitunter schlechter als die des Erkrankten. Ein gutes Leben mit COPD ist deshalb eine Gemeinschaftsleistung, die von allen Beteiligten Mut und Offenheit verlangt.

Wissen schafft Sicherheit

Sie kennen den besorgten Blick, den Ihnen Menschen in Ihrem Umfeld manchmal zuwerfen? Denken Sie nicht, das ist nur Mitleid oder Überbesorgnis - es ist vor allem das Gefühl der Hilflosigkeit, das Ihren Angehörigen und Freunden zu schaffen macht. Miterlebte Atemnotanfälle drücken auch ihnen förmlich die Luft ab. An erster Stelle sollte deshalb die Frage stehen: Sind Sie derzeit bei Ihrem behandelnden Arzt in guten Händen? Denn nur wenn das der Fall ist, kann auch Ihr Umfeld beruhigter sein.

Ein paar Fragen reichen aus, um sich ein Bild von der Behandlungsqualität zu machen. Sie sollten diese Fragen alle mit einem klaren "Ja" beantworten können. Ansonsten sprechen Sie Ihren Arzt bitte aktiv auf die Punkte an, die Ihnen fehlen.

  • Hat der Arzt Ihnen und Ihren Angehörigen Ihre Krankheit und deren Verlauf erklärt?
  • Hat er die Wirkungsweise der Medikamente erläutert?
  • Wurde Ihnen der richtige Umgang mit dem Inhalationsgerät gezeigt und wird dieser in der Praxis von Zeit zu Zeit kontrolliert?
  • Hat Ihr Arzt Sie über die Möglichkeit und die Vorteile des Lungensports informiert?
  • Haben Sie einen Notfallplan an die Hand bekommen?

Im angesprochenen Notfallplan trägt Ihr Arzt die Medikamente ein, die Ihnen bei einem Atemnotanfall am schnellsten helfen. Gehen Sie die Aufzeichnungen mit den Menschen in Ihrem Umfeld durch, damit sie Ihnen als "Ersthelfer" zur Seite stehen können. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass Ihre Angehörigen wissen, wie Sie richtig inhalieren. Zudem sind dort Körperhaltungen vermerkt, die Ihnen helfen, wieder besser Luft zu bekommen. Auch die Telefonnummer des Arztes muss auf dem Plan stehen. Wer im Notfall weiß, was er tun kann, ist nicht hilflos und ängstigt sich weniger. Das gilt für Sie als Patient genauso wie für Ihre Familie.

Mehr Selbstständigkeit - mehr Lebensqualität

Neben der Angst belastet die Angehörigen vor allem auch die anhaltende Erschöpfung der Betroffenen, die diese "untätig" werden lässt. Wenn Ihnen Alltägliches wie die Körperpflege oder das Anziehen schwerfallen, helfen schon kleine Veränderungen, damit Sie diese Dinge wieder ohne Hilfe bewältigen können. Verwenden Sie beispielsweise einen Badehocker zum Duschen. Ziehen Sie sich im Sitzen an. Tragen Sie Schuhe, in die Sie einfach hineinschlüpfen können, statt sie zubinden zu müssen.

Überdenken Sie auch Ihre Wohnsituation. Hindern Sie Treppen daran, das Haus zu verlassen? Sind Geschäfte oder öffentliche Verkehrsmittel nicht fußläufig erreichbar? Wenn ja, denken Sie gemeinsam über einen Wohnungswechsel nach. Je mehr Sie eigenständig erledigen können, desto mehr nehmen Sie am sozialen Leben teil. Das ist nicht nur wichtig für Sie, sondern auch für Ihr Umfeld. Versuchen Sie deshalb auch weiterhin, gemeinsam mit Ihrer Familie und Freunden etwas zu unternehmen.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Offenheit ist etwas, was vor allem Paaren nicht immer leichtfällt - oft in der guten Absicht, den anderen zu schützen. Die Belastung wird dadurch jedoch nur größer. Diskutieren Sie deshalb alltägliche Erlebnisse und Bedenken rund um Ihre Erkrankung und versuchen Sie, die Position des jeweils anderen zu verstehen. Vielleicht hilft Ihnen auch der Austausch in einer Selbsthilfegruppe - in manchen organisieren sich auch Angehörige, um ihre Sorgen zu besprechen.