"Ich rauche ja nicht viel" oder "Heute habe ich nur eine Zigarette geraucht" sind Sätze, mit denen sich Raucher selbst beruhigen und die Auswirkungen ihrer Sucht gerne herunterspielen. Der Markt bietet Rauchern eine Vielzahl an Entwöhnungshilfen. Dennoch greifen viele immer wieder zur Zigarette und schränken ihren Konsum höchstens ein. Viele nehmen an, dass sie ihrem Körper damit weniger oder sogar gar keinen Schaden zufügen.

Eine Metaanalyse fasste nun 141 Studien zusammen, in denen Wissenschaftler die Effekte eines niedrigen Zigarettenkonsums auf die Gefäßgesundheit und das Schlaganfallrisiko untersuchten. Die Forscher beachteten Studien zwischen 1946 und 2015, die das Risiko von Rauchern für Gefäßkrankheiten und Schlaganfälle gegenüber Nichtrauchern verglichen. Zudem unterschieden die Forscher drei Gruppen von Rauchern, um die Risiken je nach Höhe des Zigarettenkonsums vergleichen zu können. Sie ermittelten die Zahlen für Raucher, die eine, fünf oder 20 Zigaretten am Tag rauchten. 

Auch ein niedriger Konsum schadet den Gefäßen

Die Ergebnisse sind überraschend und sollten auch Raucher, die nur wenig konsumieren, alarmieren: Gegenüber Rauchern, die 20 Zigaretten am Tag konsumierten, hatten Personen, die nur eine Zigarette rauchten nur ein um 50 Prozent geringeres Risiko eine koronare Herzkrankheit oder einen Schlaganfall zu bekommen. Anders verhält es sich Studien zufolge beim Lungenkrebs: Hier verhält sich das Risiko proportional zum Zigarettenkonsum. Wer nur eine statt 20 Zigaretten am Tag raucht, hat demzufolge ein um 95 Prozent geringeres Risiko an Lungenkrebs zu erkranken.

Auch das Geschlecht scheint bei den Auswirkungen des Rauchens eine Rolle zu spielen. Vor allem bei Frauen sind die Risiken eines niedrigen Zigarettenkonsums vergleichsweise hoch. 

Gesund ist nur das Nichtrauchen

Egal, ob es um COPD, Gefäßkrankheiten oder Lungenkrebs geht: Wer möglichst lange gesund bleiben möchte, sollte auf das Rauchen gänzlich verzichten. Allerdings ist das für viele Raucher einfacher gesagt als getan. Während der körperliche Entzug bei einer Nikotinsucht nur rund 48 Stunden beträgt, ist die psychische Abhängigkeit weitaus stärker. 

Schon 2007 wies David Nutt in einer Studie zur Auswirkung von Drogenmissbrauch nach, dass die psychische Abhängigkeit von Rauchern verglichen mit anderen Suchtkranken hoch ist. Lediglich Heroin- und Barbituratabhängige haben es noch schwerer, von ihrem Stoff loszukommen. 

Vor allem, wer auf eigene Faust versucht aufzuhören, erleidet häufig einen Rückfall in alte Muster. Nikotinersatzpräparate und Verhaltenstherapien können Rauchern dabei helfen, in ein dauerhaft rauchfreies Leben einzusteigen. Doch trotz aller Hilfestellungen erfordert die Entwöhnung ein hohes Maß an Disziplin und Selbstbeherrschung.