Diabetiker verursachen im Straßenverkehr nicht häufiger Unfälle als Personen ohne Diabeteserkrankung. Eine erhöhte Unfallrate durch Diabetiker konnte in Studien nicht allgemein bestätigt werden.

Welche Risiken bestehen?

Treten Unterzuckerungen während des Autofahrens auf, kann die Fahrfähigkeit durch das eingeschränkte Reaktionsvermögen sowie nachlassende Aufmerksamkeit und Konzentration vorübergehend beeinträchtigt sein. Das kann im Straßenverkehr gefährlich werden und geht bis hin zur Fahrunfähigkeit. Alkohol verstärkt die Unterzuckerungsgefahr noch zusätzlich.

Es sind aber nicht alle Diabetiker gleichermaßen gefährdet. Betroffen ist vor allem, wer Insulin spritzt oder Tabletten einnimmt, welche die körpereigene Insulinausschüttung fördern (zum Beispiel Sulfonylharnstoffe). Die typischen Warnzeichen der Unterzuckerung sind Nervosität, Schweißausbruch, Zittern, Blässe, Hungergefühl und Herzrasen. Diese Beschwerden können schon bei milden Unterzuckerungen auftreten.

Bei einem weiteren Abfall des Blutzuckers machen sich die Folgen der Minderversorgung des Gehirns bemerkbar und es kommen Sehstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Sprachstörungen und/oder ein Kribbeln beziehungsweise Taubheitsgefühl hinzu. Bei einigen Diabetikern stellt sich die Unterzuckerung so plötzlich und ohne typische Warnzeichen ein, dass der Betroffene nicht mehr rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen kann. Er wird schlagartig handlungsunfähig, das heißt die Fahrtauglichkeit ist nicht mehr gegeben.

Ein weiteres Risiko ist die diabetische Retinopathie (Netzhautschaden), die mit einer Beeinträchtigung des Sehvermögens einhergehen kann. Deshalb sind gegebenenfalls eine gesonderte verkehrsmedizinische Begutachtung und eine regelmäßige Überprüfung der Sehfähigkeit erforderlich.

Auch Folgeerkrankungen eines Diabetes mellitus wie bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen können die Fahrtauglichkeit einschränken. Im Zweifelsfall sollte man immer den Arzt fragen, ob etwas dagegen spricht, Auto zu fahren.

Fahrerlaubnis

Insulinpflichtige Diabetiker, die einen Führerschein machen wollen, müssen sich durch einen Verkehrsmediziner untersuchen lassen. Die Fahrtauglichkeit wird bescheinigt, wenn sie regelmäßige Stoffwechselkontrollen und eine intensive Schulung nachweisen können. Wegen der möglichen Unterzuckerungen müssen Diabetiker jedoch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen einhalten (zum Beispiel immer Traubenzucker oder Ähnliches griffbereit haben).

Lediglich für Kraftfahrzeuge der Klasse II (Lastwagen, Omnibusse und andere Fahrzeuge zur Personenbeförderung) erhalten insulinpflichtige Diabetiker in der Regel keine Fahrerlaubnis. Für insulinpflichtige Diabetiker, die zu schweren Unterzuckerungen neigen, besteht ein generelles Fahrverbot. Sinnvoll ist die Teilnahme an einem Blutzucker-Wahrnehmungstraining. Diabetiker, die erfolgreich gelernt haben, Unterzuckerungen zu erkennen, können ihre Fahrerlaubnis aufrecht erhalten beziehungsweise wiedererlangen.

Wer bereits eine Fahrerlaubnis besitzt und erst dann einen Diabetes entwickelt, muss seinen Führerschein nicht abgeben. Es besteht auch keine Verpflichtung, die Krankheit der Behörde zu melden. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass Ihr Stoffwechsel gut eingestellt ist. Denken Sie daran, dass Sie bei einer Unterzuckerung die Kontrolle über Ihr Fahrzeug verlieren und einen Unfall verursachen könnten. Auf das Autofahren verzichten sollten Sie allerdings, wenn Ihr Arzt Ihnen davon abrät, zum Beispiel wegen starker Blutzuckerschwankungen oder bei häufig auftretenden Unterzuckerungen.

Gesetzesbestimmungen

Die aktuellen Gesetzesbestimmungen zur Kraftfahreignung von Diabetikern sind in der sechsten Auflage der Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahrereignung (2009) festgelegt. Hier heißt es unter anderem:

  • Wer als Diabetiker zu schweren Stoffwechselentgleisungen mit Hypoglykämien mit Kontrollverlust, Verhaltensstörungen oder Bewusstseinsbeeinträchtigungen oder Hyperglykämien mit ausgeprägten Symptomen wie zum Beispiel Schwäche, Übelkeit, Erbrechen oder Bewusstseinsbeeinträchtigungen neigt, ist nicht in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen beider Gruppen gerecht zu werden.
  • Wer nach einer Stoffwechseldekompensation erstmals oder wer überhaupt neu eingestellt wird, ist so lange nicht in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen beider Gruppen gerecht zu werden, bis die Einstellphase durch Erreichen einer ausgeglichenen Stoffwechsellage (inklusive der Normalisierung des Sehvermögens) abgeschlossen ist.
  • Bei ausgeglichener Stoffwechsellage sind im Umgang mit der Erkrankung informierte Diabetiker, die mit Diät, oralen Antidiabetika oder mit Insulin behandelt werden, in der Lage, Kraftfahrzeuge der Gruppe 1* sicher zu führen.
  • Wer als Diabetiker mit Insulin behandelt wird, ist in der Regel nicht in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 2** gerecht zu werden. Ausnahmen setzen außergewöhnliche Umstände voraus, die in einem ausführlichen Gutachten im Einzelnen zu beschreiben sind. Neben regelmäßigen ärztlichen Kontrollen sind Nachbegutachtungen im Abstand von höchstens zwei Jahren erforderlich.
  • Diabetiker, die mit oralen Antidiabetika vom Sulfonylharnstofftyp behandelt werden, sind in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen der Gruppe 2 gerecht zu werden, wenn vor der Genehmigung eine gute Stoffwechselführung ohne Hypoglykämien über etwa drei Monate vorlag. Nachbegutachtungen sind im Abstand von höchstens drei Jahren erforderlich.

* Fahrzeuge der Klassen A, B, B + E (Motorräder und PKW)

** Fahrzeuge der Klassen C, C + E, D, D + E (Lkw, Omnibusse und Fahrzeuge zur Fahrgastbeförderung und Anhänger)