Bei Diabetikern sind psychische Beschwerden sehr häufig. Etwa zwölf Prozent aller Diabetiker leiden unter Depressionen. Dieser Anteil ist etwa doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung. Weitere 18 Prozent leiden unter depressiven Symptomen wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Resignation und Zukunftsangst.

Depressionen bei Diabetikern bleiben in vielen Fällen unerkannt oder werden unterschätzt beziehungsweise unzureichend behandelt. Oft wird der Diabetes für die depressive Stimmungslage verantwortlich gemacht. In einigen Fällen ist das psychische Leiden aber schon lange vor der Diabetes-Erkrankung vorhanden. Wird die Depression erfolgreich behandelt, verbessert sich in der Regel auch die Diabeteseinstellung.

Wissenschaftler haben sich in der Vergangenheit die folgende Frage gestellt: Ist der Diabetes die Ursache der Depression oder erkranken depressive Menschen einfach häufiger an einem Diabetes? Nach heutiger Kenntnis kann beides zutreffen. Natürlich neigen Diabetiker, die bereits von schweren Folgeschäden betroffen sind, eher zu einer depressiven Stimmungslage. Bei Personen mit Typ-2-Diabetes kann aber auch die umgekehrte Variante vorkommen.

In einer großen Studie mit fast 3.500 Personen aus den USA ging die Depression dem Diabetes in vielen Fällen bereits um Jahre voraus. Schwere Depressionen im jungen/mittleren Erwachsenenalter sind ein Risikofaktor für das spätere Auftreten eines Typ-2-Diabetes.

Wie es zur Verbindung von Depression und Diabetes kommt, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Zum einen scheint für beide Erkrankungen das familiär gehäufte Auftreten eine Rolle zu spielen. Zum anderen gibt es einige biologische Gemeinsamkeiten zwischen Depression und Diabetes. Dazu gehört zum Beispiel die veränderte Ausschüttung verschiedener Hormone wie Kortisol, Noradrenalin und Serotonin und eine erhöhte Entzündungsbereitschaft der Blutgefäße.

Welche Folgen haben Depressionen?

Depressive Patienten haben ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken und Folgeerkrankungen des Diabetes zu entwickeln. Ist ein Diabetiker von Depressionen betroffen, wirkt sich dies oft negativ auf den Umgang mit der Diabetes-Erkrankung aus.

Patienten mit schweren Depressionen halten sich deutlich weniger an Ernährungsvorgaben und nehmen häufig auch ihre Medikamente nicht regelmäßig ein. Darunter leidet die Blutzuckereinstellung erheblich. Auch Folgeerkrankungen kommen häufiger vor.

Umgekehrt zeigen Diabetiker, bei denen eine Depression behandelt werden kann, meist auch eine deutliche Verbesserung der diabetischen Stoffwechsellage. Vor allem leichte Depressionen lassen sich auch durch eine Diabetikerschulung lindern.

Was hilft Diabetikern, aus einer Depression herauszukommen?

Ihnen helfen dieselben Maßnahmen, die auch depressiven Menschen, die nicht an Diabetes erkrankt sind, helfen. Je nach Schwere der Depression sind das therapeutische Gespräche, eine medikamentöse Therapie mit sogenannten Antidepressiva oder eine Kombination aus beiden Behandlungsmethoden. Depressionen können bei Diabetes als einer zusätzlichen Belastung stärker ausgeprägt sein. Dies ist bei der Therapie von depressiven Diabetikern zu berücksichtigen. Betroffene haben die Möglichkeit, sich psychotherapeutisch auch von speziell ausgebildeten „Fachpsychologen Diabetes“ oder einem "Psycho-Diabetologen" behandeln zu lassen. Diese Fachkräfte geben Unterstützung bei der Entwicklung von Strategien, um besser um mit dem Diabetes umzugehen.