Noch vor 30 Jahren galt das Thema Schwangerschaft und Geburt für Diabetikerinnen als weitgehend tabu. Der Grund hierfür waren die vielfältigen Risiken für Mutter und Kind, die oft nur schwer in den Griff zu bekommen waren.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich dies durch neue medizinische Erkenntnisse und verbesserte Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten grundlegend gewandelt. Heutzutage kann eine Diabetikerin wie jede andere Frau gesunde Kinder zur Welt bringen.

Voraussetzung, um Komplikationen bei der Mutter und Fehlbildungen beim Kind zu vermeiden, ist allerdings, dass bereits in den drei Monaten vor und während der gesamten Schwangerschaft eine sorgfältige Überwachung und optimale Einstellung des Glukosestoffwechsels erfolgen. Daher ist es wichtig, dass Frauen mit Diabetes ihre Schwangerschaft möglichst planen. Allein die schwangerschaftsbedingten Veränderungen der Hormonspiegel machen es schwieriger, den Blutzucker konstant zu halten.

In dieser Zeit ist es wichtig, Medikamente (Insulin), Ernährung und sportliche Aktivitäten immer wieder neu anzupassen. Bei einer guten Stoffwechsellage ist die Komplikationsrate beim Kind von einer Diabetikerin nicht höher als von einer Nicht-Diabetikerin. Bei erhöhten Blutzuckerspiegeln steigt jedoch das Risiko für Komplikationen beim Kind, darüber hinaus auch das Risiko für Fehlbildungen sowie für Früh- und Totgeburten.

Auch die Mutter ist während der Schwangerschaft einem erhöhten Risiko ausgesetzt: Bei Diabetikerinnern kommt es häufiger zu Bluthochdruck, Erkrankungen von Herz und Gefäßen, der Augen, der Nieren, der Nerven und der Schilddrüse.

Wichtig ist deshalb vor allem, dass sich die Diabetikerin während der gesamten Schwangerschaft nicht nur gynäkologisch, sondern gleichzeitig auch diabetologisch betreuen lässt.

Im günstigsten Fall setzt eine Diabetikerin ihren betreuenden Arzt frühzeitig von ihren Schwangerschaftsplänen in Kenntnis, damit dieser bereits vor Eintritt der Schwangerschaft die Therapie anpassen und die Überwachung intensivieren kann. Ideal ist es, wenn die Frauen in den drei Monaten vor Beginn der Schwangerschaft normale Blutzuckerspiegel haben; diese sind der beste Schutz für die Entwicklung des Kindes.

Grundsätzlich wird geraten, die Verhütung erst bei guter Stoffwechsellage abzusetzen, das heißt bei einem Blutzuckerlangzeitwert (HbA1c) unter 7 Prozent, noch besser unter 6,5 Prozent. Nieren, Augen, Nerven und Schilddrüse sollten untersucht werden. Eine regelmäßige Einnahme von Folsäure und Jod sollte, wie mit dem Arzt besprochen, erfolgen.

Damit das Kind während und nach der Geburt eine optimale Versorgung bekommt, sollten Diabetikerinnen ihr Kind auf jeden Fall in einer Geburtsklinik mit einer Intensivstation für Neugeborene zur Welt bringen.

Bei manchen bisher gesunden Frauen tritt ein Diabetes erstmals während der Schwangerschaft auf. In diesem Fall spricht man von einem Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes). Auch Gestationsdiabetikerinnen benötigen, genauso wie andere Diabetes-Patientinnen, eine konsequente Behandlung und regelmäßige Überwachung. Nur so lassen sich Risiken für das Kind und die Mutter minimieren.

Stillen

Stillen hat viele Vorteile für die Mutter und das Kind. Die Zeiten, in denen das Stillen bei Frauen mit Diabetes noch problematisch gesehen wurde, sind lange vorbei. Heute wird Diabetikerinnen das Stillen über einen längeren Zeitraum sogar ausdrücklich empfohlen.

Muttermilch ist die beste Form der Säuglingsernährung, auch bei Diabetikerinnen. Sie fördert die Entwicklung der kindlichen Immunabwehr und verringert die Wahrscheinlichkeit von späterem Übergewicht oder einer Diabetes-Erkrankung beim Kind.

Die Zuckerkrankheit beeinflusst die Qualität der Muttermilch übrigens in keiner Weise. Für die Mutter hat das Stillen ebenfalls Vorteile. Die niedrigen Östrogenspiegel und der erhöhte Energiebedarf während der Stillzeit wirken sich günstig auf den Glukose- und Fettstoffwechsel aus. Hierdurch sinkt oft der Insulinbedarf der Mutter. Diabetikerinnen sollten also stillen - davon profitieren sowohl das Kind als auch die Mutter.