In Deutschland tritt Gestationsdiabetes bei etwa vier Prozent aller Schwangerschaften auf. Mit der Entbindung normalisieren sich die Zuckerwerte zunächst meist wieder. Allerdings besteht ein hohes Risiko, dass die betroffenen Frauen später definitiv an einem Diabetes erkranken.

Wann wird untersucht?

Der Test erfolgt in der Regel in der 25. bis 28. Schwangerschaftswoche.

Bei Frauen mit erhöhtem Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes erfolgt bereits vor der 25. Schwangerschaftswoche eine Messung des Blutzuckerwerts. Risikofaktoren sind unter anderem ein Alter ab 45 Jahren, starkes Übergewicht, Diabetes während einer früheren Schwangerschaft, Vorkommen von Diabetes in der Familie, Bluthochdruck und die Geburt eines über 4,5 kg schweren Kindes.

Die Messung des Blutzuckerwerts erfolgt bei diesen Frauen unabhängig davon, ob sie vorher etwas gegessen haben. Besteht aufgrund eines erhöhten Blutzuckerwerts der Verdacht auf einen Schwangerschaftsdiabetes, muss eine zweite Blutzuckermessung oder ein oraler Glukosetoleranztest folgen.

Wie erfolgt die Diagnose?

Die Diagnose erfolgt über ein zweistufiges Verfahren. Jeder Schwangeren wird zunächst ein Vortest angeboten, der unabhängig davon durchgeführt werden kann, ob sie vorher etwas gegessen hat. Hierbei trinkt die Schwangere eine 50 g Glukoselösung. Nach einer Stunde wird der Glukosewert aus Blut bestimmt, das ihr  aus einer Armvene entnommen wird anstatt wie früher aus der Fingerkuppe gemäß neuer Erkenntnisse. Bei unauffälligem Blutzuckerwert ist der Test beendet.

Bei einem auffälligen Messwert erfolgt zeitnah ein aufwändigerer Glukosetoleranztest. Dabei wird der nüchternen Schwangeren (mindestens acht Stunden keine Nahrung vorher) jeweils eine Stunde und zwei Stunden nach der Gabe einer 75g Glukoselösung Venenblut entnommen. Sind auch hier die Blutzuckerwerte auffällig und die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes wird gestellt, sollte die weitere Betreuung der Schwangeren in enger Zusammenarbeit mit einem diabetologisch qualifizierten Arzt erfolgen.

Was tun bei positivem Befund?

Wenn ein Schwangerschaftsdiabetes vorliegt, sollte eine straffe Stoffwechseleinstellung erfolgen. Die Stoffwechselziele sind hierbei die gleichen wie bei einer schwangeren Diabetikerin. Eine Frau, die an einem Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) erkrankt ist, sollte unbedingt um eine optimale Stoffwechseleinstellung bemüht sein, um das Risiko für sich und das ungeborene Kind so niedrig wie möglich zu halten. Je nach Gewicht beziehungsweise Gewichtszunahme der Schwangeren ist es unter Umständen notwendig, eine gezielte Diät einzuhalten. Die Betroffenen müssen ihr Körpergewicht langfristig normalisieren.

Dabei helfen körperliche Bewegung und eine gesunde Ernährung unter Anleitung durch geschulte Ernährungsberater. Regelmäßige Blutzuckerkontrollen dienen der Überprüfung der Stoffwechseleinstellung und geben frühzeitig Auskunft darüber, ob eine Insulintherapie notwendig ist. Daher sollten die Betroffenen lernen, ihren Blutzuckergehalt selbst zu bestimmen und diese Werte auch protokollieren. Ärztliche Untersuchungen in regelmäßigen Abständen sind bei Schwangerschaftsdiabetes besonders wichtig.

Ein Schwangerschaftsdiabetes kann auch für das Kind schwerwiegende Folgen haben, zum Beispiel können innere Organe vergrößert, aber unreif sein.

Um eine optimale Versorgung des Kinds zu gewährleisten, sollten Frauen mit Insulintherapie auf jeden Fall in einer Geburtsklinik mit einer Intensivstation für Neugeborene entbinden. Auch für andere Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ist dies empfehlenswert.

Nach Beendigung der Schwangerschaft muss sich die Betroffene darüber im Klaren sein, dass sie ein erhöhtes Diabetesrisiko hat. Daher sind Nachfolge-Untersuchungen im Abstand von zwölf Monaten, auch im Hinblick auf eine weitere Schwangerschaft, zu empfehlen. Außerdem sollten die Frauen einen gesunden Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger körperlicher Aktivität und normalem Gewicht anstreben.

Zur Verhinderung des Schwangerschaftsdiabetes sind bisher keine wirksamen Maßnahmen bekannt.

Bleibt ein Schwangerschaftsdiabetes unbehandelt, steigt das Risiko für Folgeschäden und die Sterblichkeitsrate der Kinder erhöht sich sowohl vor als auch nach der Geburt.

Eine konsequente Behandlung kann jedoch drohende negative Folgen für das Kind und die Mutter verhindern.