Stoffwechselentgleisungen lassen sich so frühzeitig erkennen und therapieren. Wichtige Bestandteile der Selbstkontrolle sind:

  • Prüfen des Urins auf Aceton
  • Kontrolle des Blutzuckers oder des Zuckers im Urin
  • Kontrolle des Blutdrucks (bei Bluthochdruck besonders wichtig)
  • Regelmäßige Gewichtskontrolle (bei Übergewicht häufiger als bei Normalgewicht)
  • Regelmäßige Fußinspektion (auf Druckstellen, Wunden oder Verletzungen)
  • Bei jeder Fußverletzung ist der Arzt aufzusuchen. 

Durch das Beobachten und Dokumentieren dieser Werte lassen sich Krisensituationen erfahrungsgemäß sehr viel leichter beherrschen. Außerdem erhält der Arzt wichtige Entscheidungshilfen für die Betreuung seines Patienten.

Urinkontrolle

Steigt der Blutzucker auf Werte über 160 bis 180 mg/dl, wird Zucker (Glukose) über die Nieren mit dem Harn ausgeschieden. Diesen Mechanismus macht sich die Methode der Urinzuckermessung zunutze.

Teststreifen, die kurz in den Urin getaucht werden, verfärben sich je nach Zuckermenge im Harn. Findet sich hier in größerer Menge Glukose, ist dies ein wichtiger Hinweis darauf, dass der Blutzuckerspiegel viel zu hoch ist.

Manche Typ-2-Diabetiker, bei denen sich zum Beispiel aufgrund von Alter und Begleiterkrankungen nur bescheidenere Ziele für die Stoffwechseleinstellung festsetzen lassen, werden mit Diät oder Tabletten behandelt. Bei ihnen ist eine regelmäßige Urinzuckerkontrolle manchmal ausreichend. Ein Nachteil der Methode ist, dass sie geringgradige bis mäßige Blutzuckererhöhungen nicht erfasst.

Kontrolle des Urins auf Aceton

Die Untersuchung des Urins auf Aceton ist für das Erkennen von Stoffwechselentgleisungen wichtig. Aceton entsteht, wenn statt der Kohlenhydrate Fette zur Energiegewinnung genutzt werden. Dies ist der Fall beim Fasten und bei starkem Insulinmangel. Für die Acetonbestimmung gibt es spezielle Teststreifen.

Blutzuckerkontrolle

Ein dauerhaft zu hoher Blutzucker schädigt die Gefäße und Organe. Diese Schäden können zu schweren Folgeerkrankungen wie Durchblutungsstörungen, Nierenversagen, Erblinden, Impotenz, Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Eine gute Einstellung des Blutzuckers lohnt sich also!

Blutzuckerselbstkontrollen können hierbei eine wertvolle Hilfe sein. Für Diabetiker, die Insulin spritzen, ist es außerdem wichtig, sich vor Unterzuckerungen (Hypoglykämien) zu schützen. Durch das regelmäßige Messen des Blutzuckers lernt der Patient, wie sich die Lebensführung auf seine Blutzuckerwerte auswirkt. Drohende Unterzuckerungen lassen sich besser einschätzen und der Betroffene kann rechtzeitiger gegensteuern.

Wichtig: Die gemessenen Werte sollten immer dokumentiert werden (mit Datum und Uhrzeit)!

Blutzucker regelmäßig kontrollieren

Wie oft die Blutzuckerselbstmessung notwendig ist, richtet sich nach individuellen Faktoren und der Art der Insulintherapie.

Typ-1-Diabetiker sollten ihren Blutzucker mindestens viermal täglich messen. In besonderen Situationen, zum Beispiel nach intensiver körperlicher Aktivität, nach einer Unterzuckerung, bei Krankheit, vor und während einer Schwangerschaft und auf Reisen sollten die Blutzuckermessungen sogar noch öfter erfolgen.

Auch Typ-2-Diabetiker mit Insulinbehandlung sollten regelmäßige Blutzucker-Selbstkontrollen durchführen. Patienten, die eine intensivierte Insulintherapie durchführen, sollten mindestens drei bis vier Messungen täglich durchführen, da sie die Insulindosen an den aktuellen Blutzucker, die geplante Kohlenhydratzufuhr und die Intensität der körperlichen Betätigung anpassen müssen.

Bei einer konventionellen Insulintherapie reichen meist ein bis zwei Messungen täglich. Patienten mit stabiler Stoffwechseleinstellung und konstanter Ernährung kommen oftmals mit noch weniger Messungen aus. Bei Kombinationstherapie mit Insulingabe vor dem Schlafengehen und blutzuckersenkenden Tabletten reicht meist eine Blutzuckermessung morgens (nüchtern) aus.

Wie erfolgt die Blutzucker-Selbstkontrolle?

Bei der Blutzucker-Selbstkontrolle kommen Teststreifen zum Einsatz, auf die ein Tropfen Blut aus dem seitlichen Rand der Fingerbeere aufgetragen wird. Der Teststreifen wird anschließend in ein spezielles Messgerät eingelegt, das den Blutzuckerwert abliest und anzeigt.

Um die Blutglukosekonzentration mit einer ausreichenden Genauigkeit bestimmen und mögliche Handhabungs- und Ablesefehler korrigieren zu können, müssen Diabetiker im Umgang mit den Teststreifen geschult sein.

Einmal pro Jahr oder aber bei Auftreten von Problemen mit der Blutzuckermessung sollte der Arzt prüfen, wie der Patient mit der Handhabung der Blutzuckermessgeräte und Teststreifen zurechtkommt und mit ihm Möglichkeiten der eigenständigen Therapieanpassung besprechen.

Blutdruckkontrolle

Gerade Typ-2-Diabetiker sind oft gleichzeitig von einem behandlungsbedürftigen Bluthochdruck betroffen. Mithilfe der Selbstmessung kann der Patient Blutdruckentgleisungen rasch feststellen und gegensteuern.

Tipps für die Blutdruckselbstmessung:

  • Vor dem Messen einige Minuten im Liegen oder Sitzen entspannen.
  • Den Blutdruck möglichst immer zur gleichen Tageszeit messen.
  • Grundsätzlich ist es egal, an welchem Arm die Messung erfolgt. Vorher sollte aber einmalig der Blutdruck an beiden Armen verglichen werden.
  • Die Manschette sollte so angelegt sein, dass sich der Arm mit der Manschette in Herzhöhe befindet.
  • Bei Oberarmmessgeräten muss die Messmembran fingerbreit von der Ellenbeuge entfernt über der Armarterie am Oberarm liegen. Handgelenksmessgeräte werden auf der Innenseite des Handgelenks angelegt, dort, wo der Puls fühlbar ist.
  • Sowohl bei der Blutdruckbestimmung am Oberarm als auch bei der Messung am Handgelenk sollte man den Arm so halten, dass sich das Messgerät auf Herzhöhe befindet.
  • Beim Messen sollte man sich nicht bewegen und nicht sprechen.
  • Die Messwerte sollten auf jeden Fall mit Datum und Tageszeit notiert werden.

Gewichtskontrolle

Insbesondere beim Typ-2-Diabetes ist die regelmäßige Gewichtskontrolle wichtig, denn das Körpergewicht hat einen zentralen Einfluss auf die Stoffwechsellage.

So können Übergewichtige von einer Gewichtsabnahme erheblich profitieren. Die Insulinresistenz geht zurück und Blutzucker, Fettwerte und Blutdruck verbessern sich.

Fußinspektion

Diabetiker sollten ihre Füße regelmäßig, am besten täglich, selbst untersuchen. Dabei sollten sie auf Verletzungen und Druckstellen achten, die sie möglicherweise aufgrund einer Nervenschädigung nicht spüren. Ziel ist, Wunden rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, um die Entwicklung eines diabetischen Fußsyndroms zu verhindern.

Durch regelmäßige Selbstkontrolle erlangen Diabetiker mehr Sicherheit im Alltag, die  Erkrankung lässt sich besser steuern und Wohlbefinden und Lebensqualität nehmen zu. Und vor allem kann so den gefürchteten Folgeschäden.am Herz-Kreislauf-System, an Augen, Nieren und Füßen am besten vorgebeugt werden.