Stammzellen sind Körperzellen, die noch nicht voll entwickelt sind. Sie sind "totipotent", das heißt sie haben das Potenzial, sich zu verschiedenen Zellen zu entwickeln (Differenzierung). Stammzellen sind die Vorläufer der spezialisierten Zellen des Körpers wie zum Beispiel Blutzellen, Zellen der Immunabwehr, Hautzellen, Leberzellen oder auch ganzer Organe wie den Pankreasinseln.

Die Arbeit mit Stammzellen ist noch ein relativ junges Forschungsgebiet. Bringt man geeignete Vorläuferzellen in kranke Gewebe und Organe ein, können sich vor Ort wieder neue gesunde Zellen bilden. Diese verrichten dann ihre spezialisierten Aufgaben, zum Beispiel die Herstellung von Insulin in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse.

Der Mechanismus, wie sich diese Zellen in andere Gewebe umwandeln, ist bisher allerdings noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass die Stammzelle vom umliegenden Gewebe so beeinflusst wird, dass sie sich zu einer Zelle mit spezialisierten Aufgaben weiterentwickelt.

Durch den Einsatz von Stammzellen erhofft man sich für die Zukunft neue Behandlungsmöglichkeiten bei einer ganzen Reihe von Krankheiten. Im Mittelpunkt der Forschungsbemühungen stehen unter anderem Morbus Parkinson, Diabetes mellitus und die Alzheimer-Erkrankung.

In einer im Jahr 2006 veröffentlichten Studie haben Forscher diabetischen Mäusen mesenchymale Stammzellen aus dem Knochenmark von Menschen gespritzt. Mesenchymzellen sind Vorläuferzellen mit einer hohen Teilungsfähigkeit, die sich in unterschiedlichste Zellen und Gewebe differenzieren können. Neben dem Knochenmark lassen sich solche mesenchymalen Stammzellen auch aus dem Nabelschnurblut von Neugeborenen gewinnen.

Drei Wochen, nachdem die diabetischen Mäuse die Vorläuferzellen aus dem Knochenmark von Menschen erhalten hatten, wurden die Tiere untersucht. Das Ergebnis: In der Bauchspeicheldrüse war die Zahl der Betazellen deutlich angestiegen und die Blutzuckerwerte der Mäuse hatten sich entsprechend verbessert. Die verabreichten Stammzellen hatten offenbar geschädigte Betazellen durch neue gesunde insulinproduzierende Zellen ersetzt.

Eine im Jahr 2007 veröffentlichte kleine Pilotstudie zeigte erstmals auch Erfolge einer Stammzelltherapie bei Menschen, die mit eigenen Stammzellen aus dem Knochenmark behandelt wurden. Bei 14 von 15 neu diagnostizierten Typ-1-Diabetikern schlug die Stammzelltherapie an. Bereits nach wenigen Tagen kamen die 14- bis 31-Jährigen zumindest vorübergehend (bis zu ein Jahr lang) ohne ihre täglichen Insulingaben aus. Die Stammzelltherapie ging aber mit erheblichen Nebenwirkungen (zum Beispiel Fieber, Lungenentzündung, schwere Muskelerkrankungen) einher, weil vor der Stammzelltransplantation eine Chemotherapie notwendig ist.

Außerdem wird mit Stammzellen aus Nabelschnurblut experimentiert. Auch diese können sich zu insulinproduzierenden Zellen umwandeln.

Fazit

In ersten Ansätzen ist es zwar gelungen, die Leistungsfähigkeit der insulinproduzierenden Zellen zu verbessern. Dennoch ist eine Heilung des Typ-1-Diabetes mithilfe einer Stammzelltherapie bisher nicht möglich. Der Weg bis zur breiten Anwendung ist noch lang. Es sind noch viele Fragen zu klären: Wie steht es um die Sicherheit der Behandlung? Tauschen die Betroffenen Insulinspritzen gegen eine lebenslang dauernde Therapie mit das Immunsystem unterdrückenden Medikamenten (Immunsuppressiva)? Zudem ist es notwendig, auch die möglichen Nebenwirkungen wie das Krebsrisiko besser in den Griff zu bekommen.