Unbehandelt schädigt Bluthochdruck auf Dauer Herz und Blutgefäße - ebenso wie ein schlecht eingestellter Blutzucker. Menschen mit Diabetes sollten deshalb ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren. Dies gilt umso mehr, als sie häufiger als andere an einer Hypertonie leiden.

Neue Studien haben nun gezeigt, dass viele Menschen von einer stärkeren Blutdrucksenkung profitieren könnten, als bisher praktiziert wurde. Aber gilt dies auch für Menschen mit Diabetes? Diese Frage beschäftigt die Forschung derzeit. Die Deutsche Hochdruckliga rät in der Zwischenzeit zu einer Therapie, die möglichst individuell auf jeden Patienten zugeschnitten sein sollte.

Erhöhtes Risiko bei Diabetespatienten

Bluthochdruck kommt bei Menschen mit Diabetes etwa 1,5- bis 2-mal häufiger vor als bei Menschen mit einem gesunden Zuckerstoffwechsel. Schätzungen zufolge hat etwa ein Drittel aller Typ-1-Diabetiker gleichzeitig eine arterielle Hypertonie. Als empfohlener Richtwert für Zuckerkranke gelten derzeit ein systolischer Blutdruck von unter 140 mmHg und ein diastolischer Wert unter 90 mmHg. Alles, was darüberliegt, wird als erhöhter Blutdruck gewertet.

Eine groß angelegte US-amerikanische Untersuchung, die sogenannte SPRINT-Studie, legt nun nahe, dass ein niedrigerer Wert vorteilhaft sein kann - jedenfalls für einen Teil der Hypertoniker. Die Forscher stellten fest, dass Betroffene mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich seltener eine Herzinsuffizienz erlitten, wenn ihr Blutdruck statt auf 140 auf bis zu 120 mmHg gesenkt wurde. Zudem starben sie seltener vorzeitig.

Allerdings gilt das nur für Patienten mit einem bestimmten Krankheitsbild. Menschen mit Diabetes beispielsweise fehlten in der SPRINT-Studie. Bei ihnen wird nach wie vor an einem Wert von 140 mmHg festgehalten. Zumal eine andere Langzeituntersuchung, die ACCORD-Studie, 2010 zu dem Ergebnis gekommen war, dass eine radikale Blutdrucksenkung ihnen keine Vorteile bringt. Wie in der SPRINT- wurden auch in der ACCORD-Studie die systolischen Zielwerte 140 und 120 mmHg miteinander verglichen; die Probanden waren allesamt an Diabetes Typ 2 erkrankt. Zwar sank bei denjenigen, deren Blutdruck auf 120 mmHg gesenkt wurde, das Schlaganfallrisiko. Weitere Vorteile zeigten sich nach einer Studiendauer von knapp fünf Jahren aber nicht.

Maßgeschneiderte Therapie

ACCORD-Studienleiter William C. Cushman hat nun nachgelegt und sich die Entwicklung von einem Großteil der Studienteilnehmer noch einmal in einem Langzeitverlauf angeschaut. Dabei zeigte sich, dass sich die Ergebnisse der SPRINT-Studie - also Vorteile durch eine intensive Blutdrucksenkung auf 120 mmHg - womöglich doch auf Diabetespatienten übertragen lassen, wie Cushman im Herbst auf einer Tagung der American Heart Association berichtete. Eine entscheidende Rolle spielt dabei offenbar das Zusammenspiel zwischen Blutzucker- und Blutdruckeinstellung: Wird der Blutzucker rigoros gesenkt, profitieren Patienten nicht von einer radikalen Verringerung des Blutdrucks. Bei einer standardmäßigen Blutzuckersenkung schon.

Angesichts der neuen Erkenntnisse empfiehlt die Deutsche Hochdruckliga eine maßgeschneiderte Therapie für jeden einzelnen Hypertoniepatienten und keine überstürzte Senkung des Blutdrucks - auch wegen der Nebenwirkungen der Medikamente. Bluthochdruck lässt sich in der Regel gut behandeln, auch wenn dazu häufig eine Kombinationstherapie aus mehreren Präparaten notwendig ist. An erster Stelle stehen ohnehin immer nichtmedikamentöse Möglichkeiten; dazu gehören Gewichtsreduzierung, mehr Bewegung und der weitgehende Verzicht auf Alkohol und Zigaretten.