Auf die Partnerschaft wirkt sich das oft belastend aus. Doch die Palette an Therapiemöglichkeiten ist heutzutage breit. Patienten, die ihre Scham überwinden und sich ihrem Arzt anvertrauen, kann meistens geholfen werden.

Männer mit Diabetes sind fast dreimal so häufig von Potenzstörungen betroffen wie Gesunde. Jeder zweite Diabetiker leidet irgendwann an sexuellen Störungen, vor allem an der nachlassenden Fähigkeit, eine Erektion zu bekommen oder lange genug zu halten (erektile Dysfunktion). Auch bei Frauen können sexuelle Störungen auftreten, vor allem trockene Schleimhäute und Entzündungen der Vagina bereiten ihnen Probleme.

Bei Männern treten sexuelle Probleme meist in Form von Erektionsstörungen, Ejakulationsstörungen, sexueller Unlust und Orgasmusschwierigkeiten auf. Diese sexuellen Störungen sind beim Mann auf geschädigte Nerven oder Blutgefäße zurückzuführen. Bei Diabetes können aber auch Ablagerungen an den Wänden der Blutgefäße die Erektion negativ beeinflussen. Oft verursachen zudem Bluthochdruck und schlechte Blutfettwerte Probleme.

Medikamente verursachen oft sexuelle Störungen

Blutzuckersenkende Medikamente und Mittel gegen Bluthochdruck, Cholesterinsenker sowie Psychopharmaka können das sexuelle Verlangen, das Empfinden und auch die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen. Verdächtigen Sie ein Medikament als Ursache Ihrer Erektionsstörung, sollten Sie es keinesfalls einfach absetzen, sondern Ihre Vermutung mit dem Arzt besprechen.

Etwa ab dem 50. Lebensjahr kann der Mangel an Testosteron Ihr sexuelles Verlangen, Ihre Potenz und Fruchtbarkeit mindern. Außerdem kann sich die psychische Belastung durch eine chronische Erkrankung negativ auswirken: Ängste, Stress und Depressionen führen oft zu sexuellen Problemen.

Der Arzt kann helfen

Bei Erektionsstörungen gibt es zahlreiche Therapiemöglichkeiten: Die Einnahme von Tabletten, der Einsatz einer Vakuumpumpe, das Spritzen gefäßerweiternder Substanzen, eine Hormontherapie, eine Operation oder psychotherapeutische Hilfe. Aber Vorsicht bei der Selbstbehandlung mit Potenzmitteln: Bei Herzproblemen kann ein Infarkt auftreten.

Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Arzt. Im einfühlsamen Gespräch und mit entsprechenden Tests und Untersuchungen kann er feststellen, welche Ursachen am wahrscheinlichsten hinter Ihren Problemen stecken - und Ihnen die entsprechende Therapie empfehlen.

Frauen sind genauso häufig betroffen

Diabetesbedingte Sexualprobleme bei Frauen sind weniger erforscht als bei Männern. Sie treten aber vermutlich ebenso häufig auf: laut Umfragen bei einem Drittel aller Erkrankten. Nachlassende Lust geben rund 60 Prozent der Befragten an, jede zweite Betroffene berichtet über Orgasmusstörungen und Trockenheit. Jede Fünfte klagt zudem über Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

Auch bei Frauen schädigt hoher Blutzucker Nerven und Blutgefäße. Das kann zu verringerten Empfindungen führen. Schlechte Blutzuckerwerte begünstigen Infektionen mit Bakterien oder Pilzen, was zu schmerzhaften Entzündungen der Vagina oder der Harnwege führen kann. Unlust kann durch Medikamente ausgelöst werden, vor allem durch Blutdrucksenker. Und natürlich können auch bei Frauen die psychischen Belastungen durch einen Diabetes sexuelle Probleme auslösen. Wichtig: Lassen Sie Medikamente nicht einfach weg, sondern besprechen Sie Ihre Vermutungen mit Ihrem Arzt.

Die Therapiemöglichkeiten sind auch für Frauen vielfältig. Bei Entzündungen der Vagina helfen oft Behandlungen mit Salben, Cremes oder Zäpfchen. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr wegen trockener Schleimhäute kann ein Gleitgel mindern und auch ein Hormonmangel lässt sich therapieren. Im Falle psychischer Belastungen kann eine Psychotherapie helfen.

Für männliche wie weibliche Diabetiker mit sexuellen Problemen gilt: Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Arzt. Von Beratung und Therapie können Sie nur profitieren.