Informieren Sie außerdem Ihr direktes Umfeld, denn auch Hinweise Dritter oder deren beherztes Handeln können Ihnen das Leben retten.

Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Antriebslosigkeit, Schwindelzustände: Nicht wenige Betroffene machen so die erste Begegnung mit ihrer noch unerkannten Diabetes-Erkrankung. Was im Stadium der entgleisenden Stoffwechsellage mit unangenehmer Symptomatik beginnt, kann im Extremfall bis zum sogenannten Diabetischen Koma führen - einem Zustand der Bewusstlosigkeit, der lebensgefährlich sein kann. Diese bedrohliche Ausnahmesituation lässt sich vermeiden, wenn Sie die Warnsignale rechtzeitig erkennen und wissen, wie Sie handeln müssen.

Für Typ-1-Diabetiker ist das sogenannte Ketoazidotische Koma typisch, welches durch Insulinmangel entsteht. Da die Bauchspeicheldrüse in diesen Fällen kein Insulin mehr produziert, können die Zellen keinen Zucker mehr aus dem Blut aufnehmen. Ein absoluter Insulinmangel kann selbst bei bekannter Diagnose auftreten, wenn zum Beispiel Insulininjektionen unterlassen werden.

Warnsignale: Acetongeruch und Harndrang

In so einem Fall versucht der Körper Ersatzenergie durch den Abbau von Fetten und Eiweißen zu gewinnen. Dadurch werden "saure" Abbauprodukte erzeugt, unter anderem die namensgebenden Ketonkörper. Der Organismus übersäuert mit folgenden Warnsignalen:

  • Der Atem riecht deutlich nach Aceton (Geruch wie faule Äpfel oder Nagellak). Da Betroffenen diese Veränderung selbst nicht wahrnehmen können, sind sie auf Hinweise aus dem Umfeld angewiesen.
  • Gleichzeitig versucht der Körper den Säureüberschuss auszugleichen, indem er verstärkt Kohlendioxid abatmet. das führt zu auffällig häufiger, regelmäßiger tiefer Atmung (Kussmaulatmung).
  • Parallel erhöht sich Ihr Blutzuckerspiegel drastisch. Während normale Blutzuckerwerte nüchtern zwischen 60 und 110 mg/dl liegen und sich nach dem Essen höchstens auf 160 mg/dl erhöhen, steigen sie beim sich anbahnenden Ketoazidotischen Koma auf bis zu 700 mg/dl.
  • Ab 250 mg/dl kann Ihre Niere die Glukosemengen nicht mehr ausreichend resorbieren: Ein automatischer Ausgleich setzt ein, der Wasser aus dem Körper in den Harn zieht - was einen weiteren Warnhinweis erzeugt: Sie müssen auffällig häufig Wasser lassen. Der Flüssigkeitsverlust kann, auch wenn Sie mehr trinken, bis zur Austrocknung und zum Nierenversagen führen. Das kündigt sich in der Regel mit Warnhinweisen wie massiven Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und sogar Herzrhythmusstörungen an.

Verhalten bei Warnsignalen

Messen Sie schnellstmöglich Ihren Blutzuckerspiegel! Liegt dieser bereits bei 250 mg/dl oder höher, sollten Sie zur Behandlung eines drohenden Diabetischen Komas umgehend ein Krankenhaus aufsuchen. Falls Sie sich nicht sicher dazu in der Lage sehen, das Krankenhaus selbstständig aufzusuchen, sollten Sie im Zweifelsfall immer den Notdienst 112 rufen und sich befördern lassen. In der Regel wird Ihnen im Krankenhaus ein stationärer Aufenthalt angeraten, auf den Sie sich unbedingt einlassen sollten. Machen Sie Ihrem Umfeld klar, dass bei einem eingetretenen Diabetischen Koma umgehend der Notdienst alarmiert werden muss.

So können Sie grundsätzlich vorsorgen

Messen Sie regelmäßig Ihren Blutzucker. Informieren Sie Ihre Familie, Freunde und Bekannte und gegebenenfalls auch Arbeitskollegen über Ihren Diabetes, auch über die Maßnahmen, die bei einem drohenden oder bestehenden Diabetischen Koma getroffen werden müssen. Wenn diese Bescheid wissen, können sie Ihnen Warnhinweise wie zum Beispiel über Acetongeruch der Atmung geben und im Fall einer Bewusstlosigkeit die entsprechenden Rettungsmaßnahmen wie Absetzen des Notrufs und Herstellung der stabilen Seitenlage ergreifen.

Tragen Sie immer einen Diabetikerausweis oder eine SOS-Kapsel mit dem Vermerk "Diabetes" bei sich: So bekommen eintreffende Ersthelfer einen Hinweis - und auch Ihr Umfeld kann Sie notfalls erstversorgen.