Zöliakie und Diabetes Typ 1 treten häufig gemeinsam auf. Experten diskutieren darüber, ob sich ursächliche Genorte beider Krankheiten räumlich überschneiden oder ob Gluten ein auslösender Faktor bei Diabetes Typ 1 sein könnte.

Gluten, auch Klebereiweiß genannt, findet sich vor allem in Weizen- und Dinkelkörnern. Aber es ist auch in Roggen, Gerste und Hafer enthalten. Für gesunde Menschen gilt Gluten als wertvoller Eiweißlieferant. Nicht so bei an Zöliakie erkrankten Menschen: Ihr Immunsystem reagiert auf den Nahrungsbestandteil mit entzündlichen Prozessen. So haben Betroffene häufig starke Magen-Darm-Beschwerden und sogar ein erhöhtes Risiko an Darmkrebs zu erkranken, wenn sie keine glutenfreie Diät einhalten. 

Überdurchschnittlich viele Typ-1-Diabetiker haben Zöliakie

In den 1960er Jahren stellten sich Medizinern erstmals die Frage nach einem ursächlichen Zusammenhang zwischen Zöliakie und Diabetes Typ 1. Die aktuelle Studienlage sagt: Zwischen 1,4 und 19,7 Prozent der Typ-1-Diabetiker leiden gleichzeitig auch an einer Glutenunverträglichkeit. Patienten, die sehr jung an Diabetes Typ 1 erkranken, entwickeln später am häufigsten eine Zöliakie. Wer beides hat, bekommt zudem eher Probleme mit der Schilddrüse und entwickelt öfter einen Vitamin-D-Mangel. 

All das werten Wissenschaftler als Hinweise, dass das Klebereiweiß Gluten eine wichtige Rolle bei der Frage spielen könnte, ob Menschen an Diabetes Typ 1 erkranken oder nicht. Doch nach wie vor sind die Zusammenhänge unklar. Liegt es nur an der räumlichen Nähe bestimmter Gene in der DNA, die als auslösende Faktoren beider Krankheiten gelten?

Gluten in der Beikost: Möglicher Einfluss auf das Diabetesrisiko

Untersuchungen an Säuglingen deuten darauf hin, dass mehr dahinterstecken könnte als nur zufällige Mutationen im Erbmaterial. So ergaben einige Studien, dass Kinder, die vor dem dritten oder erst nach dem sechsten Monat das erste Mal glutenhaltige Beikost erhalten hatten, später überdurchschnittlich häufig an Diabetes Typ 1 erkrankten. 

Klare Empfehlungen für das Zufüttern von Säuglingen lassen sich aus diesen Ergebnissen jedoch noch nicht ableiten. Zukünftige Untersuchungen könnten zeigen, ob es einen optimalen Zeitpunkt gibt, den Körper von Babys mit Gluten vertraut zu machen.

Nutzen des Glutenverzichts bleibt fraglich

Bisher ist ebenfalls unklar, ob Patienten mit Diabetes Typ 1 von einer glutenfreien Diät profitieren. Studien zeigen widersprüchliche Ergebnisse, wenn es darum geht, ob sich die Zuckerwerte Betroffener durch Glutenverzicht besser einstellen lassen. Außer Frage steht jedoch: Wer an beiden Krankheiten leidet, sollte auf das Weizeneiweiß verzichten, um Folgen der Glutenunverträglichkeit zu vermeiden.