Wird die Menge des Eiweißes PD-L1 in den Blutstammzellen erhöht, könnte das Immunsystem von Typ-1-Diabetikern aufhören, insulinproduzierende Zellen der Bauchspeicheldrüse zu attackieren und sich der Zuckerspiegel im Blut normalisieren. Das ergab eine Untersuchung eines amerikanisch-italienischen Forscherteams, die im "Science Translational Medicine" veröffentlicht wurde. 

Mangel an Protein für Immunreaktion verantwortlich

Die Wissenschaftler des Kinderkrankenhauses der Harvard Medical School in Boston fanden heraus, dass bei Menschen und Tieren mit Diabetes Typ 1 genetische Faktoren verändert sind und sie deshalb einen Mangel an dem Protein PD-L1 aufweisen. Das Eiweiß ist ihren Untersuchungen zufolge für eine gesunde Funktion des Immunsystems verantwortlich und könnte das überaktive Immunsystem bei Diabetes Typ 1 beruhigen.

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Immunzellen körpereigenes Gewebe beziehungsweise insulinbildende Zellen der Bauchspeicheldrüse angreifen und zerstören. Weil Insulin für die Verwertung von Zucker unerlässlich ist, können Menschen mit Diabetes Typ 1 und einem Mangel an Insulin Zucker nicht ausreichend in Energie umwandeln. Der Blutzucker steigt deshalb an (Hyperglykämie) und kann langfristig Gefäße, Nerven und verschiedene andere Gewebe wie zum Beispiel Augen und Nieren schädigen. Menschen mit Typ-1-Diabetes erhalten deshalb Insulin.

Forscher: Protein formt Immunsystem um

In der aktuellen Studie erhielten diabetische Mäuse per Infusion Stammzellen, die so verändert waren, dass sie größere Mengen des Proteins PD-L1 produzierten. Es zeigte sich, dass das Protein aktivierte entzündungsfördernde Zellen ausbremste. So ließ sich das Immunsystem so umformen, dass sich die Zuckerwerte im Blut innerhalb kurzer Zeit normalisierten. Langfristig blieben die Blutzuckerwerte bei einem Drittel der Tiere im Normalbereich. Der Nachweis der Wirksamkeit der Stammzellenbehandlung gelang auch an menschlichen Zellen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass das Protein geeignet ist, das Immunsystem umzuformen und den Zuckerstoffwechsel zu normalisieren. Vorteil der Behandlung sei das Ausbleiben von Nebenwirkungen, so die Studienautoren. Sie wollen ihre Methode zur Herstellung proteinbildender Stammzellen verfeinern, um dann eine klinische Studie zu starten.

Stammzellen als vielversprechende Therapieoption

In den vergangenen Jahren erzielten Wissenschaftler bei den verschiedensten Erkrankungen bereits Fortschritte in verschiedenen Behandlungsansätzen mit dem Ziel, Krankheiten ursächlich zu behandeln. 

Die Stammzellenbehandlung von Typ-1-Diabetes mit den in der Studie veränderten Stammzellen könnte ein innovativer und vielversprechender Ansatz sein.