Wer als Kind körperlich misshandelt, sexuell missbraucht oder emotional vernachlässigt wird, trägt ein höheres Risiko im weiteren Leben an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Kommen in jungen Jahren mehrere belastende Faktoren zusammen, so kann das Diabetes-Risiko um bis zu 60 Prozent steigen. 

Der Grund: Seelische und körperliche Verletzungen in der Kindheit stören die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls und behindern einen adäquaten Umgang mit Gefühlen wie Wut, Hass oder Trauer. Das kann sich auch auf den Lebenswandel betroffener Menschen auswirken. Sie versuchen möglicherweise, belastende Gefühle durch Rauchen, vermehrtes Essen oder übermäßigen Alkoholkonsum zu lindern und zu bewältigen. 

Möglich ist daneben, dass sich Menschen mit frühen Gewalterfahrungen aus ihrem Familien- und Freundeskreis zurückziehen, weniger an sozialen Aktivitäten und damit auch körperlicher Aktivität teilnehmen. Vor allem Übergewicht kombiniert mit Bewegungsmangel gelten als Hauptrisikofaktoren für Typ-2-Diabetes.

Stresshormon Kortisol mit Schlüsselrolle

Extreme seelische und körperliche Belastungen wirken sich zudem direkt auf den Körper aus - etwa auf das Immunsystem und den Darm. Hierbei spielt das Stresshormon Cortisol eine Schlüsselrolle. Menschen mit traumatischen Kindheitserfahrungen schütten das in der Nebenniere gebildete Cortisol verstärkt aus. Sie reagieren deshalb besonders heftig auf Stress und ihr Körper befindet sich unterschwellig im Dauerstress. In der Folge produziert das Immunsystem mehr entzündungsfördernde Stoffe, die die Diabetes-Entstehung begünstigen.

Fünf bis zehn Prozent Opfer von sexuellem Missbrauch

Traumatische Kindheitserfahrungen sind weit verbreitet: Nach offiziellen Angaben der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie müssen fünf bis zehn Prozent aller Kinder in Deutschland etwa sexuellen Missbrauch erdulden. Mehr als zehn Prozent der Heranwachsenden erleben Gewalt. Die Dunkelziffer dürfte diese Zahlen überschreiten.

Menschen mit Typ-2-Diabetikes und Gewalterfahrungen können eventuell von einer psychotherapeutischen Therapie profitieren. Sie zielt nicht nur darauf ab, das psychische Befinden zu verbessern, sondern auch die Stressreaktion wieder auf ein gesundes Niveau zu senken. Und sie kann helfen, aus dem Teufelskreis eines ungesunden Lebensstils wie Rauchen, fett- und zuckerreicher Ernährung sowie mangelnder Bewegung auszubrechen. 

Gesunde Ernährung und viel Bewegung

Ein gesunder Lebenswandel bedarf keiner speziellen Diät. Stattdessen ist auf eine ausgewogene, fett- sowie zuckerarme Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollwertprodukten zu achten. Da Übergewicht die Entstehung von Diabetes Typ 2 fördert, ist oftmals eine Gewichtsreduktion empfehlenswert - am besten durch Kombination von gesunder Ernährung und regelmäßigem Sport. 

Verschiedene Maßnahmen helfen also, den Blutzuckerspiegel zu senken - mitunter deutlich. Sie tragen auch dazu bei, die Dosis blutzuckersenkender Medikamente in Absprache mit dem behandelnden Arzt zu reduzieren. Manchmal lässt die Beobachtung der Blutzuckerwerte sogar ein Absetzen der medikamentösen Behandlung zu.