Ein unerwarteter Abfall des Blutzuckerspiegels (Hypoglykämie) kann für den Betroffenen eine lebensbedrohliche Situation darstellen. Im Straßenverkehr stellt diese mögliche Komplikation bei Diabetes auch eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer dar. Daneben können sehr hohe Blutzuckerwerte sowie Begleit- und Folgekrankheiten wie Netzhautkrankheiten die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen.

Durch diese Faktoren ist die Unfallhäufigkeit bei Diabetikern gegenüber Gesunden um zehn Prozent erhöht. Manche Stimmen forderten deshalb bereits, zum Beispiel Erkrankten mit dauerhaft zu hohen Blutzuckerwerten den Führerschein zu verweigern oder Bus- und LKW-Fahrer mit Diabetes ein Berufsverbot zu erteilen. 

Neue Leitlinie bewertet Fahrtauglichkeit

Da die Unfallhäufigkeit bei vielen anderen Erkrankungen vielfach höher liegt und die Fahrtauglichkeit nur bei einem Teil der Menschen mit Diabetes tatsächlich beeinträchtigt ist, veröffentlichte die Deutsche-Diabetes-Gesellschaft (DDG) nun die Leitlinie "Diabetes und Straßenverkehr". Sie soll unter anderem Medizinern, Behörden und Patienten dabei helfen, die individuelle Fahrtauglichkeit von Diabetikern fundiert zu bewerten.

Die Leitlinie nennt auch Umstände, die es Ärzten ermöglicht, Fahrverbote zu erteilen. Die Fahrerlaubnis können Zuckerkranke zum Beispiel dann verlieren, wenn sie in wachem Zustand zwei oder mehr starke Hypoglykämien pro Jahr erleben oder wenn sie an unbehandelten nächtlichen Atemaussetzern, der Schlafapnoe, leiden. Auch Krankheitskomplikationen wie der diabetischer Fuß oder eine eingeschränkte Sehfähigkeit im Rahmen der diabetischen Retinopathie müssen Ärzte berücksichtigen, um die Fahrtauglichkeit zu beurteilen.

Praktische Tipps für mehr Sicherheit

Eine veränderte Medikation oder kontinuierliche Blutzuckermessungen mit Warnfunktion können helfen, die Fahrtauglichkeit von Menschen mit Diabetes zu verbessern. Darüber hinaus enthält die Leitlinie auch praktische Tipps, die zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr bei Diabetes beitragen können. 

Betroffene können außerdem an Schulungen teilnehmen, in denen sie mehr über mögliche Einschränkungen der Fahrsicherheit erfahren. Außerdem sind Schulungen hilfreich, die eigene Fahrtauglichkeit besser einzuschätzen und den Teilnehmern praktische Tipps und Maßnahmen an die Hand zu geben, das individuelle Unfallrisiko gezielt zu senken. 

Im Zweifel lieber nicht ans Steuer setzen

Praktisch kommt es in Deutschland eher selten zu Fahrverboten durch den Diabetes, in 2014 zum Beispiel nur in 2,5 % der Fälle. Doch auch wenn der Arzt Ihnen die Fahrtauglichkeit bescheinigt, ist wichtig, verantwortungsbewusst mit ihrer Krankheit umgehen. Das bedeutet auch, sich jeden Tag kritisch die Frage zu stellen, ob man sicher am Straßenverkehr teilnehmen kann. An manchen Tagen kann es im Zweifel besser sein, sich lieber nicht selbst ans Steuer zu setzen, um sich und andere keinen unnötigen Gefahren auszusetzen.