Metformin senkt den Blutzuckerspiegel, indem es auf verschiedene Weise in den Glukosestoffwechsel eingreift: Es hemmt die Neubildung von Glukose in der Leber. Es verbessert die Wirkung von Insulin auf die Muskeln, sodass diese mehr Glukose aus dem Blut aufnehmen und verbrauchen können, und es verzögert im Darm die Aufnahme von Glukose aus der Nahrung. Diese Wirkungen entfaltet es, ohne das Risiko für Unterzuckerungen zu erhöhen. Außerdem kann es Hungergefühle dämpfen und dadurch die Gewichtsabnahme unterstützen.

Jetzt haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Metformin sich auch auf die Darmflora positiv auswirkt. Das ist für Menschen mit Typ-2-Diabetes von Vorteil, denn bei ihnen kommt es aufgrund der Erkrankung zu ungünstigen Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmbakterien. Diese können durch eine Behandlung mit Metformin zumindest teilweise rückgängig gemacht werden. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam, zu dem auch Mitarbeiter des Europäischen Laboratoriums für Molekularbiologie in Heidelberg gehören.

Metformin schützt hilfreiche Darmbakterien

Die Untersuchung von über 700 Stuhlproben hat ergeben, dass sich im Darm von Patienten mit Typ-2-Diabetes weniger Bakterien befinden, die kurzkettige Fettsäuren wie Butter- oder Propionsäure bilden. Diese Fettsäuren werden vom Darm aufgenommen und vom Körper verwertet, was normalerweise einen günstigen Einfluss auf den Blutzucker hat. Die Wissenschaftler nehmen an, dass dieser Mangel die Blutzuckerstörung der Patienten verstärken könnte.

Gleichzeitig ergab die Analyse, dass Metformin dem Schwund gerade dieser hilfreichen Bakterien offenbar entgegenwirkt: Die im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlichte Studie zeigt, dass Patienten, die mit dem Medikament behandelt wurden, mehr dieser Organismen aufwiesen. Die Forscher nehmen an, dass diese Wirkung im Darm einen Teil der Blutzuckersenkung durch Metformin ausmacht und zu den vielfältigen positiven Wirkungen des Medikaments beiträgt.

Metformin soll in Zukunft verträglicher werden

Außer der genannten Nebenwirkungen sind bei einer Behandlung mit Metformin noch eine Reihe weiterer wichtiger Punkte zu beachten: So dürfen Menschen mit Typ-2-Diabetes das Medikament nicht einnehmen, wenn ihre Nierenfunktion eingeschränkt ist. Dann besteht die Gefahr einer Übersäuerung des Blutes mit Milchsäure. Das kann zu einem tödlichen Koma führen. Auch bei schweren Infektionen und Lebererkrankungen, Herzschwäche, Alkoholabhängigkeit oder in der Stillzeit darf Metformin nicht eingenommen werden. Das gilt auch für die Zeiten vor, während und nach einer Operation oder der Injektion eines jodhaltigen Röntgenkontrastmittels.