Ist der Blutzucker bei Diabetes Typ 1 dauerhaft nicht ausreichend gut eingestellt, kann das langfristig zu Schäden an Blutgefäßen, Nerven und Organen führen. Besonders häufig schädigt der erhöhte Blutzucker feine Gefäße der Netzhaut des Auges (Diabetische Retinopathie) und kleine Gefäße der Nieren (Diabetische Nephropathie). Er kann aber auch andere Gefäße angreifen und auch den Nerven zusetzen, etwa Nerven, die das Herz-Kreislaufsystem steuern (kardiale oder kardiovaskuläre autonome diabetische Neuropathie).  

Schwankungen im Tagesverlauf gefährlich?

Unklar war bislang, welche Blutzuckerwerte für das Fortschreiten von Netzhaut-, Nieren- und Nervenschäden bedeutsamer sind: die mittleren Blutzuckerwerte oder Blutzuckerschwankungen im Tagesverlauf, etwa nach den Mahlzeiten. Eine Studie mit 1.441 Menschen mit Typ-1-Diabetes widmete sich dieser Frage genauer. Dazu teilten Wissenschaftler die Studienteilnehmer in zwei gleich große Gruppen ein. Die eine Gruppe erhielt eine intensivierte Insulin-Therapie, mit der sich Blutzuckerwerte von Nicht-Diabetikern erreichen lassen. Die andere Gruppe nahm an einer Behandlung teil, die sich am Wohlbefinden orientierte - ohne Blutzuckerzielwerte. 

50 Prozent der Teilnehmer wiesen zu Beginn der Studie bereits Netzhaut- und Nierenschäden auf, die andere Hälfte nicht. Über einen Zeitraum von elf Jahren fertigten die Wissenschaftler von jedem Teilnehmer alle drei Monate ein 7-Punkte-Blutzuckertagesprofil an: nämlich vor und nach den drei Hauptmahlzeiten und vor dem Schlafengehen. Außerdem wurde die Netzhaut des Auges alle sechs Monate auf Schäden bzw. Fortschreiten bereits bestehender Schäden untersucht. 

Mittlerer Tagesblutzucker maßgeblich

Die Ergebnisse zeigen, dass für Augen-, Nieren- und Nervenschäden infolge eines Diabetes Typ 1 nur der mittlere Tagesblutzucker eine Rolle spielt, Blutzuckerschwankungen im Tagesverlauf dagegen nicht. Außerdem fanden die Forscher heraus, dass der schützende Effekt der intensivierten Insulintherapie fast vollständig aus den mittleren HbA1c-Werten abzulesen war. Der HbA1c-Wert ist ein Laborparameter, der den durchschnittlichen Zuckergehalt im Blut von Diabetikern anzeigt. In Zusammenhang mit dem Wert ist auch manchmal von Blutzuckergedächtnis die Rede, da er Rückschlüsse auf die Blutzuckerkonzentrationen eines längeren Zeitraums ermöglicht. 

Die Studienergebnisse helfen dabei, Augen-, Nieren- und Nervenschäden bei Diabetes zu erklären. Sie bedeuten aber keineswegs, dass nur der mittlere Blutzuckerwert wichtig ist. Für Menschen mit Diabetes Typ 1 gilt es nach wie vor, starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden. Sonst ist ein guter mittlerer oder sogar normaler Blutzuckerwert kaum zu erreichen.