Wenn Diabetes zur psychi­schen Belas­tung wird

Angst ist eine normale Gefühlsreaktion auf Gefahren, die schwer abzuschätzen sind und von denen man nicht weiß, wie man sie vermeidet.

Insofern ist Angst vor Folgeerkrankungen des Diabetes verständlich und normal. In bestimmten Situationen, wie zum Beispiel bei einer Routinekontrolle beim Arzt, tritt sie eine Zeit lang mehr in den Vordergrund und nimmt dann von alleine wieder ab. Bei manchen Betroffenen aber wird die Angst dauerhaft oder so stark, dass sie ihr Leben deutlich einschränkt. In diesem Fall sollten sich Betroffene Hilfe suchen.

Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko, psychisch zu erkranken. In den meisten Fällen handelt es sich um leichte depressive Störungen. Warum Menschen mit Diabetes verstärkt dazu neigen, ist noch weitgehend ungeklärt. Einer Studie zufolge liegt bei 14 Prozent der befragten Diabetiker eine wahrscheinliche Depression vor. Zum Vergleich: Bei Stoffwechselgesunden liegt die Depressionsrate bei fünf bis acht Prozent. Depressive Störungen gehen unter anderem mit einer schlechteren Blutzuckereinstellung und gehäuftem Auftreten von Diabetes-Folgeerkrankungen einher. Deshalb ist eine Behandlung der Depression notwendig, auch um den Erfolg der Diabetestherapie nicht zu gefährden.

Hilfe suchen

Wenn Sie den Verdacht haben, an einer Depression zu leiden, sprechen Sie offen mit ihrem Arzt. Er kann abschätzen, ob eine psychotherapeutische Behandlung notwendig ist.

Die Behandlung der Depression muss in die Diabetestherapie mit eingebunden sein: Bei der Wahl der Medikamente ist zu beachten, dass einige Präparate gegen Depressionen zu Gewichtszunahme und Fettstoffwechselstörungen führen können - dies erschwert wiederum die Behandlung des Diabetes.

So sichern Sie sich eine gute Lebensqualität

Diabetes ist eine lebenslange chronische Erkrankung. Für die Lebensqualität ist es aber viel entscheidender, wie jemand mit dieser Tatsache umgeht, als der Umstand, Diabetes zu haben.

Einige Tipps, wie Sie für sich mehr Lebensqualität erreichen:

  • Menschen, die besonders gut mit dem Diabetes zurechtkommen, richten ihren Blick eher auf Dinge, die trotz Diabetes möglich sind. Im Austausch mit anderen Betroffenen - zum Beispiel über Selbsthilfegruppen - können Sie solche Strategien "abschauen".
  • Informieren Sie sich über die Krankheit. In einer Diabetesschulung wird auch über Ängste und eigene Handlungsmöglichkeiten gesprochen. Dabei lernen Sie, wie Sie durch eine gute Behandlung und Selbsttherapie die Risiken für Folgeerkrankungen erheblich mindern. Die TK übernimmt die Kosten für eine solche Schulung.
  • Gestehen Sie dem Diabetes einen bestimmten Stellenwert in Ihrem Leben zu: Diabetes muss ernst genommen werden, ohne dass er Ihren Lebensrhythmus beherrscht.
  • Sehen Sie die tägliche Behandlung Ihres Diabetes nicht als Last, sondern als notwendige Voraussetzung dafür, Ihr Leben selbstbestimmt leben zu können.
  • Lernen Sie, mit der Angst zu leben. Versuchen Sie, Ihre Ängste realistisch einzuschätzen. Ein guter Sinn für die Realität und ein aktives Leben, in dem man auch Risiken eingeht, sind der beste Schutz vor überstarken, lähmenden Ängsten.