Welche Funktion haben die Nieren?

Die Nieren erfüllen im Organismus eine Vielzahl von Aufgaben. Insbesondere sind sie für die Ausscheidung von Stoffwechselabbauprodukten und Abfallstoffen zuständig, die der Körper nicht benötigt und die ihn gegebenenfalls sogar vergiften würden. Man spricht von harnpflichtigen Substanzen.

Über die Nieren reguliert der Körper auch seinen Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt. Je nach Bedarf werden hierzu bestimmte Stoffe von der Niere vermehrt in den Urin abgegeben oder im Blut zurückgehalten.

Überschüssige Flüssigkeit wird als Urin ausgeschieden. Auf diese Weise erfolgt auch ein wesentlicher Beitrag zur Steuerung des Blutdrucks. Daneben produziert die Niere Stoffe, die für die Blutbildung (Erythropoetin) und den Knochenstoffwechsel (Vitamin D) wichtig sind.

Ein Versagen der Nieren hat dementsprechend weitreichende Folgen für den gesamten Organismus. Oft ist das akute Nierenversagen nur vorübergehend; das heißt, die Nieren erholen sich und es bleiben keine dauerhaften Schäden zurück.

Wodurch wird ein akutes Nierenversagen verursacht?

Die häufigsten Auslöser eines akuten Nierenversagens sind eine Minderdurchblutung der Nieren oder eine direkte Schädigung der Nieren. Seltener sind Harnabflussstörungen der Grund für das Nierenversagen. Man unterscheidet die Ursachen nach dem Ort ihrer Entstehung:

  • Vor der Niere (prärenal): Ursache ist eine verminderte Nierendurchblutung, die zum Beispiel durch Verbrennungen, schwere Entzündungen, Lungenembolien, Herzerkrankungen oder starke Blutverluste nach größeren Operationen oder Unfällen entstehen kann.
  • In der Niere (intrarenal): Nicht selten tritt ein Versagen der Nieren auch im Rahmen entzündlicher Nierenerkrankungen (Glomerulonephritis) auf. Bestimmte Medikamente können, insbesondere in zu hoher Dosis, eine Nierenschädigung bis hin zum Nierenversagen verursachen. Dazu zählen bestimmte Antibiotika, Schmerzmittel und Zellgifte (Zytostatika). Auch einige Schwermetalle, Alkohol oder Röntgenkontrastmittel besitzen das Potenzial, die Nieren so zu schädigen, dass ihre Funktion zum Erliegen kommt. Außerdem kommen Infektionen als Ursache infrage.
  • In den ableitenden Harnwegen (postrenal): Finden sich in den ableitenden Harnwegen Verengungen oder Verstopfungen, kann es durch den Rückstau und Rückfluss des Urins zur Nierenschädigung und zum Nierenversagen kommen. Mögliche Gründe für solche Verengungen sind Nieren-, Blasen- oder Harnsteine, Tumoren, eine vergrößerte Prostata oder eine verengte Harnröhre. 

Wie äußert sich ein Nierenversagen?

In der Frühphase nimmt zunächst die Urinproduktion ab, die Betroffenen scheiden anfangs nur noch etwa einen halben Liter am Tag, später noch weniger aus. Aber nicht immer macht sich ein akutes Nierenversagen durch eine verminderte Urinausscheidung bemerkbar. Der Urin kann vermehrt Eiweiße und Blut enthalten. Im weiteren Verlauf kommt die Urinausscheidung zum völligen Stillstand. Die Folge ist eine Überwässerung des Körpers, die sich durch Wasseransammlungen im Gewebe (vor allem Beinödeme) und in der Lunge (Lungenödem) und mitunter auch im Gehirn (Hirnödem) bemerkbar macht und zu einer Herzschwäche führen kann.

Schlimmstenfalls kommt es zu einer Harnvergiftung (Urämie). Diese äußert sich mit allgemeiner Schwäche, Konzentrations- und Bewusstseinsstörungen, Sehstörungen, Fieber, Schmerzen, Juckreiz und Ödemen. Die Harnvergiftung kann zur Entzündung des Herzbeutels, des Lungenfells und des Magen-Darm-Trakts führen. Eine Entzündung der Knochen, Blutgerinnungsstörungen und eine erhöhte Infektanfälligkeit sind weitere mögliche Folgen.

In der Spätphase des Nierenversagens, die nicht immer beobachtet wird, kann eine massive Urinausscheidung auftreten.

Wie wird das Nierenversagen diagnostiziert?

Die geschilderten Symptome lenken den Verdacht auf ein drohendes Nierenversagen. Wichtig sind dann alle Informationen über die Vor- und Grunderkrankungen des Betroffenen, die für den Nierenschaden verantwortlich sein könnten. Der Arzt sollte über alle eingenommenen Medikamente, einen möglichen Kontakt mit giftigen Substanzen, einen Unfall oder Ähnliches Bescheid wissen.

Mithilfe einer körperlichen Untersuchung kann der Arzt feststellen, ob Klopfen auf die Niere Schmerzen auslöst. Zusätzlich wird er den Blutdruck messen. Eine Ultraschalluntersuchung gibt Auskunft über die Blasenfüllung.

Es erfolgt eine Überwachung der Nierenfunktion mit verschiedenen Mitteln. Regelmäßiges Wiegen und eine genaue Bilanzierung von Flüssigkeitsaufnahme und allen Ausscheidungen des Betroffenen gibt Aufschluss über die Diurese (das heißt die Ausscheidung von Urin) und eine mögliche Wassereinlagerung im Gewebe.

Weiterhin bestimmt der Arzt regelmäßig die Konzentration der Nierenparameter im Blut. Auch der Urin liefert bezüglich der Nierenfunktion wichtige Hinweise.

Mittels Ultraschall (Sonografie) lassen sich die Nieren schmerz- und risikofrei hinsichtlich ihrer Größe, Form und einem möglichen Aufstau von Urin (Harnstau) beurteilen. Auch eine Darstellung der Nierengefäße und deren Fließeigenschaften ist mittels bestimmter Ultraschalltechniken möglich.

Eine Wasseransammlung in den Lungen ist auf einer Röntgenaufnahme des Brustkorbes zu erkennen. In einigen Fällen können auch weitere bildgebende Verfahren, zum Beispiel eine Computertomografie oder eine Kernspintomografie zusätzliche Informationen über die Erkrankung liefern.

Manchmal entnimmt der Arzt auch eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Niere, um sie auf Veränderungen zu untersuchen.

Wie behandelt man ein akutes Nierenversagen?

Das Nierenversagen ist ein sehr ernst zu nehmendes Krankheitsbild, das immer eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich macht.

Zunächst ist es wichtig, die Nierenfunktion wieder herzustellen und die Symptome und Folgen der Nierenfunktionsstörung zu verringern. Das geschieht durch Behandlung der Grunderkrankung oder Behebung der auslösenden Ursachen, zum Beispiel durch den Ausgleich von fehlender oder überschüssiger Flüssigkeit und von Störungen des Elektrolythaushalts (Natrium, Kalium), da die Nieren diese Funktionen nicht mehr oder nur eingeschränkt erfüllen.

Bei verminderter Urinausscheidung versucht man, diese mit entwässernden Medikamenten (Diuretika) anzutreiben. Unter Umständen ist es erforderlich, die Flüssigkeitszufuhr zu reduzieren. Nach Möglichkeit ist auf nierenschädigende Medikamente zu verzichten. Außerdem sollte eine Anpassung der notwendigen Medikation an die eingeschränkte Nierenfunktion erfolgen.  

Liegt eine Harnabflussstörung vor, ist es erforderlich, diese zu beheben.


Dialyse-Therapie zur Entgiftung des Blutes

Um das Blut zu entgiften, ist eine Dialyse-Therapie erforderlich, das heißt eine Blutwäsche außerhalb des Körpers mithilfe einer "künstlichen Niere". Dabei wird das Blut in eine Maschine (Dialysator) geleitet, in der sich auch Spülflüssigkeit (Dialysat) befindet.

Blut und Spülflüssigkeit sind durch eine dünne Membran, die für Schadstoffe durchlässig ist, voneinander getrennt. Während der Dialyse wandern die Giftstoffe durch die Membran hindurch aus dem Blut in die Spülflüssigkeit. Das so gereinigte Blut wird dann in den Körper zurückgeführt.

Aufgrund der heute sehr guten technischen Möglichkeiten zur Steuerung des Dialysevorgangs sowie zur Kreislaufüberwachung des Patienten ist die Dialyse ein komplikationsarmes Verfahren, das den Organismus dennoch belastet.

Insbesondere bei der Dialyse wie auch bei den anderen Therapien des akuten Nierenversagens kann es vorübergehend zu Kopfschmerzen, Schwindel, Abfall des Blutdrucks, Muskelkrämpfen und Herzrhythmusstörungen kommen.

Die Gefahr von Komplikationen sowie die Erfolgsquote der Therapie hängen vom Allgemeinzustand und der Grunderkrankung des Betroffenen sowie vom Stadium des Nierenversagens ab.

Wie ist die Prognose des akuten Nierenversagens?

Beginnt die Behandlung des Nierenversagens zu spät, also in einem fortgeschrittenen Stadium, haben meist schon zahlreiche andere lebenswichtige Organe Schaden genommen. Im Falle eines sogenannten Multiorganversagens (Funktionsverlust mehrerer Organe) hat der Betroffene nur wenig Chancen, das Nierenversagen zu überleben, die Sterblichkeit beträgt über 50 Prozent.

Unter entsprechender und frühzeitig eingeleiteter Therapie - insbesondere der zugrunde liegenden Erkrankung - ist die Prognose des akuten Nierenversagens hingegen recht günstig. In vielen Fällen bleiben keine oder nur geringe Schäden an den Nieren zurück. Die Nieren arbeiten dann wieder weitgehend normal und die Betroffenen haben keine weiteren Beschwerden.

Was ist ein chronisches Nierenversagen?

Als chronisches Nierenversagen (chronische Niereninsuffizienz) bezeichnet man einen dauerhaften, langsam fortschreitenden Funktionsverlust der Nieren, der im Gegensatz zur akuten Form nicht mehr rückgängig zu machen ist. Je nach Ausprägung, also abhängig vom Stadium der Erkrankung, stellen sich zunehmende Schäden an den Nieren und damit verbundene Beschwerden ein.

Anfangs kann die angeschlagene Niere ihre Funktionen, wie die Entgiftung des Körpers und die Regulierung des Wasserhaushalts, noch teilweise erfüllen. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zur beschriebenen Harnvergiftung, zur Überwässerung infolge einer zunehmend verminderten Ausscheidung von überflüssigem Wasser - ein Lungenödem und Lungenfell- beziehungsweise Herzbeutelergüsse sind mögliche Symptome dafür – und zum sogenannten terminalen Nierenversagen. Ohne künstliche Blutwäsche (Dialyse), welche die Aufgaben der Niere übernimmt, endet eine chronische Niereninsuffizienz tödlich.

Hauptursachen sind vor allem eine langjährige Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und eine Nierenschädigung durch Bluthochdruck. Seltener sind Nierenentzündungen (Glomerulonephritis) und wiederholte Nierenbeckenentzündungen (Pyelonephritis) sowie eine Schädigung der Nieren durch die dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln (Analgetikanephropathie) der Grund für die chronische Niereninsuffizienz.

Beim Krankheitsbild der Zystennieren sind die Nieren von zahlreichen flüssigkeitsgefüllten Tumoren (Zysten) durchsetzt und büßen im Laufe der Zeit immer mehr ihres funktionsfähigen Gewebes ein. Die Erkrankung kann ebenfalls zu einer chronischen Niereninsuffizienz führen.