Die Nägel bestehen aus der Nagelplatte, dem aus Keratin bestehenden eigentlichen Nagel, dem Nagelbett, dem Nagelfalz und dem Nagelwall. Die Nagelplatte ist fest mit dem darunterliegenden Nagelbett verwachsen. Das Nagelbett geht an den Nagelrändern nahtlos in die tiefen Schichten der umgebenden Haut über.

Seitlich und hinten ist der Nagel von einer Hautfalte umrahmt, die beiden Seiten bezeichnet man als Nagelfalz, den an der Nagelwurzel liegenden Abschnitt als Nagelwall. Letzterer wird vom Nagelhäutchen bedeckt. Diese Übergangsstellen zwischen Nagel und umgebender Haut sind besonders anfällig für Infektionen.

Gelangen Keime durch Verletzungen des Nagelhäutchens oder des Nagelfalzes in den Körper, vermehren sie sich rasch und breiten sich leicht auf die umliegenden Strukturen Nagelbett und Nagelwall aus.

Welche Ursachen haben Nagelentzündungen?

Ursache von Nagelentzündungen sind vor allem Infektionen mit bestimmten Bakterien, zum Beispiel Staphylokokken und Streptokokken. Infektionen mit Hautpilzen sind deutlich seltener. Auch Herpesviren können in die Haut des Nagelbetts gelangen. Kleine Verletzungen, die oft unbemerkt bleiben, dienen den Keimen als Eintrittspforte. Hautirritationen und Verletzungen erleichtern das Eindringen der Bakterien und können eine chronische Nagelbettentzündung begünstigen.

Häufig entstehen Nagelinfektionen durch Unachtsamkeit bei der Nagelpflege, trockene, rissige Hände oder Füße, Schnittwunden oder häufigen Kontakt mit aggressiven Chemikalien oder Wasser. Weitere Ursachen von Entzündungen sind größere Nagelverletzungen, etwa Quetschungen. Begünstigend sind eingewachsene Nägel und Nägelkauen sowie Durchblutungsstörungen.

Besonders gefährdet sind Diabetiker (Zuckerkranke), da sie verstärkt zu Infektionen neigen, Menschen, die sehr viel mit Wasser und Reinigungsmitteln hantieren und Personen mit einem geschwächten oder durch Medikamente unterdrückten Immunsystem.

Manchmal treten Nagelentzündungen als Nebenwirkungen einiger Medikamente auf. Chemotherapeutika zur Behandlung von Krebs oder Vitamin A-Abkömmlinge (= Retinoide) zur innerlichen Behandlung von Schuppenflechte zählen beispielsweise dazu. Besonders häufig kommt es bei den Menschen zu Nagelbettentzündungen, die zur Behandlung einer Krebserkrankung neuartige Medikamente, die sogenannten Tyrosinkinase-Hemmer, erhalten: Als typische Nebenwirkung dieser Wirkstoffe bekommen fast alle dieser Patienten in der Nagelumgebung trockene und rissige Haut. Dadurch wird das Eindringen von Bakterien und Hefepilzen in den Nagel und damit die Entstehung einer Nagelbettentzündung begünstigt.

Welche Beschwerden verursacht die Entzündung?

Bei akuten Nagelbett- oder Nagelwallentzündungen zeigen Nagelfalz und Nagelwall rasch Zeichen der Entzündung:

  • Schwellung
  • Rötung
  • Überwärmung
  • Schmerzen mit pulsierendem Pochen

Bei einer eitrigen Infektion (Panaritium) ist neben der Rötung gelblicher Eiter zu erkennen. Durch die akute Entzündung können die Lymphknoten in der Achselregion vergrößert und leicht schmerzhaft sein. Manchmal leiden die Betroffenen auch unter Fieber und Schüttelfrost.

Die chronische Entzündung, die oft mehrere Finger gleichzeitig betrifft, bereitet weniger Schmerzen, sodass die Betroffenen diese oft nicht erkennen. Meist äußert sie sich nur durch eine rot-bläuliche Verfärbung des Nagelfalzes.

Das Panaritium, die häufigste Nagelentzündung

Per Definition versteht man unter dem Panaritium eine eitrige und damit bakteriell bedingte Infektion im Bereich der Finger oder der Zehen. Die dortigen anatomischen Strukturen erschweren den Abfluss des Eiters nach außen und begünstigen die Ausbreitung der Infektion in umgebende Weichteilstrukturen, aber auch in Knochen, Gelenke und Sehnenscheiden. Wegen dieser Gefahr einer fortschreitenden Infektion ist bei Panaritien unbedingt eine ärztliche Behandlung erforderlich.

Man unterscheidet:

  • Panaritium paraunguale (Paronychie): Die auch als Umlauf bezeichnete Entzündung breitet sich sehr rasch auf den gesamten Nagelwall und Nagelfalz aus. Erkrankt ist die gesamte Umgebung des Nagelbetts.
  • Panaritium subunguale: Das Nagelbett selbst ist betroffen und unter dem Nagel sammelt sich Eiter. Der Nagel ist sehr druckschmerzhaft und kann sich aufgrund der Schwellung und Eiteransammlung verformen oder gar ganz ablösen. 

Wie wird eine Nagelentzündung diagnostiziert?

Die Diagnose stellt der Arzt oft bereits per Blickdiagnose und anhand der typischen Symptome.

Eine Bestimmung des auslösenden Erregers im Labor durch einen Abstrich ist in der Regel nur dann notwendig, wenn es sich nicht um eine eitrige und damit bakteriell bedingte Nagelinfektion handelt. Vor der Operation eines Panaritiums macht der Arzt oft eine Röntgenaufnahme der Hand. Sie klärt, ob auch Knochen und Sehnen von der Entzündung betroffen sind.

Bei chronischen Formen sind zur Ursachenforschung gelegentlich weitere Untersuchungen, zum Beispiel die Bestimmung des Blutzuckers, notwendig.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Wenn sich noch kein Eiter gebildet hat, kommen gegen die akute Entzündung zunächst entzündungshemmende Salben, kühlende Umschläge und Seifenbäder zum Einsatz. Grundsätzlich sollte bei jeder Nagelinfektion eine Behandlung durch den Arzt erfolgen. Eigenmächtige Behandlungsversuche können die Situation verschlimmern.

Die Wahl der Behandlung einer Nagelentzündung richtet sich danach, ob die Infektion durch Bakterien, Hefepilze oder Viren ausgelöst wurde. Es kommen dann unterschiedliche Arzneimittel zum Einsatz. Bei einer Hefepilzinfektion werden beispielsweise sogenannte antifungale Salben verschrieben. Herpesviren hingegen können gut mit Virostatika (die Vermehrung von Viren hemmende Mittel), die als Salben aufgetragen werden, behandelt werden.

Verläuft die Nagelentzündung komplizierter, beispielweise mit einer eitrigen Einschmelzung von Gewebe, können auch operative Eingriffe erforderlich sein. So erfordern eitrige Entzündungen (Panaritien) oft die operative Eröffnung der Eiterhöhle, damit der Eiter nach außen abfließen kann. Meist reicht eine örtliche Betäubung aus. Bei einem oberflächlichen Panaritium paraunguale genügt meist ein kleiner Hautschnitt entlang des Nagelwalls beziehungsweise des Nagelfalzes.

Tiefere Infektionen erfordern das Freilegen des Nagelrandes im Infektionsgebiet. Bei Nagelbettentzündungen ist es erforderlich, den Nagel zu öffnen oder zu entfernen, damit der Eiter abfließen kann. Nach dem oft nur wenige Minuten dauernden Eingriff bessert sich die Entzündung meist sofort und die Beschwerden klingen ab.

Auch bei fortgeschrittenen Infektionen mit Beteiligung von Sehnen oder Knochen ist eine chirurgische Behandlung notwendig. Nach der Operation erfolgt einige Tage lang eine Ruhigstellung der Finger in einer Schiene.

Wenn der Erreger der Nagelentzündung bekannt ist, kann zusätzlich zur Operation oder als Alternative eine Antibiotikatherapie erfolgen, um den Erreger abzutöten.

Bei einer chronischen Nagelentzündung besteht die Therapie zusätzlich darin, auslösende Ursachen zu beseitigen. Die Betroffenen sollten Arbeiten mit Wasser und den verantwortlichen Reizstoffen, etwa Reinigungsmitteln meiden. Insbesondere Diabetiker, aber auch andere Patienten, die häufig Entzündungen der Fußnägel aufweisen, sollten auf ihr Schuhwerk achten. Bequeme Schuhe sind oft die beste Behandlung. Bei der Pflege von Finger- und Fußnägeln ist besondere Vorsicht geboten.

Wie sind die Heilungsaussichten und welche Komplikationen drohen?

Rechtzeitig erkannte und behandelte akute Nagelinfektionen heilen so gut wie immer ohne Folgeschäden ab. Manchmal bleiben kleine Verformungen des Nagels zurück, die kosmetisch störend sind. Die Operation ist ein risikoarmer Eingriff, Blutungen oder Nervenverletzungen sind selten. Nach der Entfernung eines Nagels (ohne Nagelbett) wächst binnen längstens drei Monaten ein neuer nach.

Wird allerdings mit der chirurgischen Behandlung eines Panaritiums zu lange gewartet, besteht aufgrund der anatomischen Verhältnisse die Gefahr, dass sich die Infektion auf benachbarte Strukturen wie Knochen, Nerven und Sehnen ausdehnt und diese schädigt oder zerstört.

Chronische Nagelentzündungen heilen meist aus, wenn die Betroffenen auslösende Ursachen wie zum Beispiel hautreizende Reinigungsmittel meiden.

Was kann man selbst tun?

Patienten mit einer chronischen Nagelentzündung sollten möglichst die Auslöser meiden. Dies gelingt durch entsprechende Schutzmaßnahmen, etwa dem Tragen baumwollgefütterter Handschuhe beim Putzen oder bequemes Schuhwerk.

Bei trockener und rissiger Haut ist es wichtig, die Hände und insbesondere die Nagelhäutchen nach jedem Händewaschen mit einer fetthaltigen Creme gut einzucremen. Auch regelmäßige Hand- und Fußbäder halten die Haut geschmeidig.

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung ist, bei der Pflege der Fuß- und Fingernägel Vorsicht walten zu lassen. Regelmäßiges Schneiden verhindert, dass die Nägel seitlich in den Nagelfalz einwachsen. Dabei sollte man darauf achten, weder Nagelfalz noch Nagelhäutchen zu verletzen. Nagelhäutchen sollte man nicht mit der Schere entfernen, sondern mit einem abgerundeten Schieber. Beim Feilen sollte nicht zu tief in den seitlichen Wall vorgegangen werden. Kommt es doch zu einer Nagelentzündung, ist der schnelle Weg zum Arzt der beste Schutz vor schwerwiegenden Folgen.