Erektionsstörungen (ED) haben viele Gründe. Psychische Probleme durch Stress oder Leistungsdruck können ebenso zu Potenzstörungen führen wie psychische Erkrankungen, etwa Depressionen - besonders bei jüngeren Männern. Ursächlich können aber auch körperliche Ursachen wie etwa Nervenschäden oder Gefäßerkrankungen sowie Hormonstörungen sein. 

Durchblutungsstörungen häufige Ursache

Besonders oft sind Durchblutungsstörungen beteiligt. Durchblutungsstörungen erhöhen zugleich das Risiko für die Koronare Herzkrankheit (KHK) oder den Schlaganfall und können Anzeichen einer Arterienverkalkung sein. Kein Wunder also, dass Erektionsstörungen und Herz-Kreislauferkrankungen häufig Hand in Hand gehen. 

Forscher aus Graz haben in ihrer Studie mit 184 KHK-Patienten festgestellt, dass fast zwei Drittel der Studienteilnehmer Erektionsstörungen aufwiesen. Die Erklärung ist einfach: KHK und ED beruhen auf Gefäßschäden und Arteriosklerose, bei der chronische Entzündungsprozesse an den Gefäßwänden eine entscheidende Rolle spielen. An entzündeten Stellen bilden sich mehr Ablagerungen, die die Gefäße verengen. Das Blut kann nicht mehr ungehindert fließen. Durchblutungsstörungen sind die Folge. Möglicherweise sind verengte Gefäße bei einer Arteriosklerose aber auch die direkte Folge einer Unterversorgung der Gefäßwand mit Blut.

Potenzschwäche bei KHK: Warnsignal für Herz, Gefäße und Gesundheit

Umgekehrt kann eine ED aber auch eine Gefahr für Herz und Kreislauf frühzeitig ankündigen. Das ergaben zwei Studien mit Herz-Kreislauf-Patienten, an der 842 Männer mit ED sowie 677 Männer teilnahmen, die zu Beginn keine Erektionsstörung hatten. Die Ergebnisse: Männer mit einer Potenzschwäche wiesen zu jeder Zeit ein doppelt so hohes Sterberisiko auf. Auch das Risiko, an den Folgen von Gefäßschäden oder durch einen Herzinfarkt zu sterben, fiel deutlich höher aus. Je schwerer die Erektionsstörung, desto höher war das Herzkreislaufrisiko. 

Risikofaktoren wie Diabetes und Rauchen sind hier maßgeblich beteiligt: 30 bis 90 Prozent der Diabetiker und mehr als die Hälfte der Raucher leiden unter Potenzstörungen, aber nur 50 Prozent der nichtrauchenden Herzpatienten. Es empfiehlt sich nicht nur deshalb, auf das Rauchen zu verzichten. Eine ausgewogene, fett- und zuckerarme Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten baut ungesundes Übergewicht ab, vor allem in Kombination mit regelmäßigem Sport. Zu viel Stress kann ebenfalls schaden. 

Gesunder Lebenswandel ist wichtig

Chronische Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck erhöhen das Herzkreislaufrisiko, vor allem wenn die Krankheiten nicht optimal behandelt werden. Diabetiker sollten ihren Blutzucker, Bluthochdruckpatienten ihren Blutdruck möglichst gut im Blick behalten. So lässt sich das Risiko für die KHK und Erektionsstörungen deutlich senken bzw. deren Fortschreiten bremsen oder sogar stoppen. 

Männer, die sich beim Geschlechtsverkehr um ihr Herz sorgen, können ihre körperliche Belastbarkeit beim Arzt prüfen lassen. Ein Belastungs-EKG hilft, das Herz-Kreislauf-Risiko zu ermitteln. Meist überfordert Sex das Herz nicht. Die Belastung für Herz und Kreislauf wird oft überschätzt. Sie entspricht in der Regel der Anstrengung durch schnelles Gehen oder Radfahren.