Amerikanische Wissenschaftler veröffentlichten vor einigen Jahren eine Studie, in der sie zu dem Ergebnis kamen, Menschen mit leichtem Übergewicht hätten ein sechsmal niedrigeres Sterberisiko als Normalgewichtige. Das Ergebnis der Studie bezeichneten Mediziner als sogenanntes "Adipositas-Paradoxon". Kann also Übergewicht für das Herz gesund sein?

Die aktuell größte Untersuchung hierzu, durchgeführt von Forschern um Dr. Stamatina Iliodromiti der Universität Glasgow und veröffentlicht im European Heart Journal, widerlegt die These nun. Demnach ist ein normales Körpergewicht für Herz und Kreislauf am gesündesten.

Jedes Pfund geht aufs Herz

In der neuen Studie berücksichtigten die Wissenschaftler die Daten von knapp 300.000 Menschen europäischer Herkunft. Zu Beginn der Untersuchung zwischen 2006 und 2010 waren die 40- bis 69-jährigen Studienteilnehmer herzgesund. Es zeigte sich, dass sowohl ein niedriger Body Mass Index (BMI < 18,5) als auch ein erhöhter BMI (>24,9) das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen. Das geringste Risiko für einen Herzinfarkt wiesen demnach Menschen auf, deren BMI 22 bis 23 betrug und die damit im mittleren Bereich des Normalgewichts rangierten. Ab dem Wert von 25 gilt eine Person als übergewichtig. Der BMI ist eine errechnete Maßzahl zur Abschätzung des Körpergewichts im Verhältnis zur Körpergröße (kg/m²). Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig: Stieg der BMI von Frauen um 5,2 Punkte, war ihr Herzinfarktrisiko um 13 Prozent erhöht. Die gleiche Risikoerhöhung wiesen Männer auf, wenn ihr BMI um 4,3 Punkte anstieg.

Noch aussagekräftiger ist aber der Taillenumfang, denn er sagt etwas über die Fettverteilung aus. Bauchfett gilt als entzündungsfördernd und ist deshalb besonders ungesund für Herz und Kreislauf. In der Untersuchung zeigten schlanke Frauen mit einem Taillenumfang von 74 cm und Männer mit 83 cm Taillenumfang die besten gesundheitlichen Ergebnisse.

Krankheitsrisiken durch Übergewicht

Dass mehr Körpergewicht mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden ist - Mediziner bezeichnen das auch als "Adipositas-Paradoxon"- lässt sich den Studienautoren zufolge also nicht allgemein bestätigen. Zumindest bei Herzpatienten scheint sich jedes Kilogramm über dem Normalgewicht eher nachteilig auszuwirken. Bei anderen Patienten, wie etwa Krebspatienten, könnte allerdings anderes gelten, so die Studienautoren. 

Der Anteil an Übergewichtigen an der Gesamtbevölkerung steigt in der westlichen Welt rasant. In Europa ist mehr als jeder Zweite zu dick. Folgen eines erhöhten Körperfettanteils sind zum Beispiel auch Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck, die zu Schäden am Gefäßsystem führen. Außerdem kann Übergewicht den weiteren Verlauf einer bestehenden Herzschwäche verschlechtern. 

Herzkranke Menschen sollten deshalb auch bei leichtem Übergewicht ihren Lebensstil überdenken. Eine Reduktion des Body Mass Index auf Normalgewicht-Werte senkt das Risiko an Komplikationen durch die Herzkrankheit zu sterben. Ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und dem Gesundheitszustand angepasster Ernährung schützt und stärkt zudem Herz und Gefäße.