Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität München haben herausgefunden, dass eine überschießende Immunantwort die Heilungschancen für den geschädigten Herzmuskel verschlechtert.

Bei einem Herzinfarkt sterben Herzmuskelzellen ab. Daraufhin wandern Zellen des Immunsystems, die Neutrophilen Granulozyten, kurz auch Neutrophile genannt, in das geschädigte Gewebe. Sie sind eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen und lösen eine Entzündungsreaktion aus, durch die das abgestorbene Gewebe von Immunzellen abgebaut wird.

Ein Forscherteam um Professor Stefanie Steffens hat nun herausgefunden, dass es von der Tageszeit abhängt, wie viele Neutrophile gebildet werden. "Zu Beginn der aktiven Phase werden mehr davon freigesetzt. Beim Menschen liegt ihre aktive Phase in den frühen Morgenstunden. Ein Herzinfarkt zu dieser Zeit führt zu einer übermäßigen Entzündungsreaktion", sagt Steffens. Das verschlechtert die Heilungschancen, da sich infolge der stärkeren Entzündung auch mehr Narben im Gewebe bilden und sich der Herzmuskel ausdehnt. Das schwächt das Herz.

Darüber hinaus stellten die Forscher fest, dass der sogenannte Chemokinrezeptor CXCR2, ein Protein, das an der Zelloberfläche der Neutrophile sitzt, und sozusagen Entzündungssignale weitergibt, nach dem Aufwachen besonders aktiv ist. Die gute Nachricht: Ärzte sind in der Lage, seine Aktivität durch Medikamente zu drosseln und so die Entzündungsreaktion zu verringern. "Unsere Studie zeigt, dass der Tageszeitpunkt eine wichtige Rolle für die Behandlung eines Herzinfarkts spielt und dass CXCR2 ein interessantes therapeutisches Ziel sein kann, wenn nach einem Herzinfarkt zu viele Neutrophile in das geschädigte Muskelgewebe wandern", sagt Steffens.