Menschen mit Herzkrankheiten fürchten häufig den plötzlichen Herztod, besonders wenn sie sich körperlich anstrengen. Entsprechend meiden sie Situationen, in denen sie ihr Herz stärker belasten. Auch sexuellen Aktivitäten gehen sie daher möglicherweise aus dem Weg. Denn Sex beansprucht das Herzkreislaufsystem - allerdings nur leicht bis mäßig. Sexuelle Erregung und muskuläre Aktivität lassen Puls und Blutdruck ansteigen. Auf den ersten Blick also nachvollziehbar, dass das manch einem Herzpatienten Sorgen macht. Verschiedenen Untersuchungen zufolge aber ist das meist unbegründet. Das ergab unlängst auch eine US-amerikanische Studie.

Studie: Sex als allgemein geringes Risiko

Die Forscher des Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles werteten die Akten von 4.557 zwischen 2002 und 2015 an plötzlichem Herzstillstand verstorbenen erwachsenen Personen aus. Nur bei 0,7 Prozent hatte sich ein Herzstillstand in engem zeitlichem Zusammenhang mit ihrer sexuellen Aktivität ereignet. Bei dieser Gruppe handelte es sich überwiegend um Männer mittleren Alters mit einer Herzgefäßerkrankung oder Herzschwäche und entsprechender Medikamenteneinnahme. Die Autoren der Studie vermuten allerdings, dass bei einigen der betroffenen Männer potenzsteigernde Substanzen oder Alkohol mit im Spiel gewesen sein könnten. Die Häufigkeit sexueller Aktivität der Betroffenen erfasste die Studie nicht. Insgesamt schätzen die Studienleiter das Risiko eines plötzlichen Herztods durch Sex als äußerst gering ein. 

Die Studie ergab zudem, dass nur in einem Drittel der Fälle der Partner oder eine anwesende dritte Person versucht hatte, den betroffenen Menschen wiederzubeleben. Das senkt die Überlebenswahrscheinlichkeit maßgeblich. Im Falle eines Herzkreislaufstillstands ist der sofortige Beginn von Wiederbelebungsmaßnahmen oftmals entscheidend.

Sex ist gesund

Auch Forscher der Universität Ulm konnten 2015 nach Auswertung ihrer Langzeitstudie mit 536 Patienten, die kurz zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatten, Entwarnung geben. Auch in dieser Studie waren nur 0,7 Prozent der Patienten unmittelbar vor dem Herzinfarkt sexuell aktiv gewesen. Was zusätzliche Sicherheit gibt: Die Studienteilnehmer waren zehn Jahre lang beobachtet worden. Die Anzahl der Herzinfarkte, die sich in diesem Zeitraum ereigneten, hing nicht mit der Häufigkeit von Sex zusammen.

Ist der Gesundheitszustand stabil, spreche in der Regel nichts gegen sexuelle Aktivität, so die Wissenschaftler. Sex sei zudem mit verschiedenen Vorteilen verbunden. Regelmäßiger Sex kann dabei helfen, Stress abzubauen und beeinflusse die Lebensqualität positiv.

Mehr Sicherheit beim Sex - was KHK-Patienten beachten sollten:

  • Bevor Herzpatienten sexuell aktiv werden, sollte der Arzt den Gesundheitsstand als stabil beurteilen.
  • Einfache Belastungstests auf dem Ergometer helfen festzustellen, wie belastbar Herz und Kreislauf sind. 
  • Um die Herzgesundheit und allgemeine Belastbarkeit zu steigern, empfiehlt sich moderate Bewegung.
  • Auch beim Sex sind schonende Stellungen möglich und besonders für Herzpatienten geeignet, so Mediziner. Geeignet sind vor allem Positionen, bei denen der Patient nicht oben liegt.