Ab einem Blutdruck von 140 mmHg bei angespannten, pumpenden Herzkammern (systolisch) und einem Wert von 90 mmHg bei entspannten Herzkammern (diastolisch) sprechen Mediziner von Bluthochdruck oder Hypertonie. Bei Werten bis zu 159 mmHg beziehungsweise 99 mmHg gilt der Bluthochdruck als leicht, er wird dann auch als "Hypertonie ersten Grades" oder "milde Hypertonie" bezeichnet. Der Ausdruck "mild" ist in diesem Zusammenhang allerdings verharmlosend, denn auch eine "milde Hypertonie" erhöht das Risiko für Folgeerkrankungen und einen frühen Tod.

Das belegen die Ergebnisse von gleich drei Studien, die 2015 veröffentlicht wurden. Anfang 2015 erschien im "British Medical Journal" eine Auswertung der Daten von rund 89.000 Patienten, die die erheblichen Gefahren eines Blutdruckanstiegs auf mehr als 150 mmHg belegt. Eine andere, ungefähr gleichzeitig veröffentlichte Analyse in einer amerikanischen Fachzeitschrift zeigt, dass auch bei "milder Hypertonie" eine Behandlung mit Medikamenten das Risiko für Schlaganfälle und einen frühen Tod senken kann.

Ähnliche Ergebnisse lieferte nur einige Monate später die "SPRINT"-Studie (Systolic Blood Pressure Intervention Trial). Ihr zufolge sind das Sterberisiko für bestimmte Hypertoniepatienten und die Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich niedriger, wenn ihr Blutdruck auf 120 mmHg (systolisch) gesenkt wird. Bisher waren weniger als 140 mmHg das Standardziel. Allerdings gelten die Ergebnisse der SPRINT-Studie für wichtige Patientengruppen nicht - unter anderem waren Patienten mit Diabetes mellitus nicht untersucht worden.

Bluthochdruck ohne Medikamente senken

Grundsätzlich zeigt aber auch die SPRINT-Studie, dass es sinnvoll ist, eine „milde Hypertonie“ zu behandeln. Nach Expertenmeinung sollten hierzu jedoch nicht in erster Linie Medikamente verwendet werden, weil alle derzeit verfügbaren Blutdrucksenker Nebenwirkungen, etwa Schwindel, Magen-Darm-Probleme oder Allergien, verursachen können. Bei ansonsten gesunden Patienten ist die Änderung des Lebensstils in der Regel ausreichend. Das heißt: runter mit überflüssigen Pfunden, gesunde Ernährung und Bewegung.

Das können Sie tun

Ihr Herz dankt Ihnen eine gesunde Lebensweise. Essen Sie reichlich Obst und Gemüse, sparen Sie aber gleichzeitig an Salz. Zu viel Salz steigert die Blutmenge im Körper und verengt die Blutgefäße - beides kann den Blutdruck erhöhen. Auch Alkohol sollten Sie nur in Maßen genießen. Er hat nämlich nicht nur eine blutdrucksteigernde Wirkung, sondern auch viele Kalorien. Damit begünstigt er die Gewichtszunahme, was indirekt zu einer Hypertonie führen kann. Halten Sie zudem Maß beim Kaffeetrinken: Bis zu drei Tassen am Tag gelten als unbedenklich. Auf Nikotin sollten Sie am besten ganz verzichten. Zwar führt Rauchen direkt nicht zu Bluthochdruck, es ist aber sehr schädlich für die Gefäße und damit ein eigener Risikofaktor für Arterienverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Bringen Sie Bewegung in Ihr Leben. Besonders gut ist eine mäßige Ausdauerbelastung, die Sie mit Jogging, Nordic Walking, Wandern, Radfahren oder Schwimmen erreichen. Auch Ballsportarten wie Tennis können sinnvoll sein, wenn Sie diese nicht mit zu viel Ehrgeiz und entsprechenden Belastungsspitzen ausüben. Zusätzlich kann Ihnen moderates Krafttraining helfen, weil eine größere Muskelmasse unter anderem den Stoffwechsel verbessert.

Grundsätzlich gilt, dass sowohl die Art der Bewegung als auch die Art der Ernährung auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden sollten. Wird nach der Diagnose einer milden Hypertonie auf eine gesunde Ernährung und auf genügend Bewegung geachtet, sinkt der Blutdruck in der Regel in nur drei Monaten so stark, dass Medikamente nicht notwendig sind. Werden in dieser Zeit jedoch keine unbedenklichen Werte erreicht, sollte mit einer medikamentösen Therapie nicht mehr lange gewartet werden.