Den Blutdruck ohne Medikamente zu senken, ist nicht einfach. Denn nicht jeder kann seine Lebensgewohnheiten ändern. Nicht zuletzt gibt es Menschen, die sich ausgewogen ernähren und Sport treiben und trotzdem Bluthochdruck haben.  

Es gibt mehrere Gruppen von blutdrucksenkenden Arzneimitteln, die alleine oder in Kombination eingenommen werden. Damit erhalten Bluthochdruckpatienten eine individuell zugeschnittene Therapie.

ACE-Hemmer

ACE-Hemmer beeinflussen die Hormonbildung im Körper. Sie blockieren ein Enzym, das an der Bildung des blutdrucksteigernden Hormons Angiotensin beteiligt ist. Die häufigste Nebenwirkung von ACE-Hemmern ist ein trockener Reizhusten. In der Schwangerschaft dürfen ACE-Hemmer nicht genommen werden, da sie dem ungeborenen Kind schaden.

Beta-Blocker

Betablocker verlangsamen den Herzschlag und schirmen das Herz gegen die Wirkung von Stresshormonen ab. So senken sie den Blutdruck. Es gibt unterschiedliche Betablocker – welcher geeignet ist, hängt davon ab, ob man noch andere Erkrankungen hat. Wichtig ist: Wer bereits Betablocker nimmt und die Behandlung beenden möchte, sollte die Medikamente nicht plötzlich absetzen, sondern die Dosis nach Absprache mit dem Arzt schrittweise verringern. Sonst steigt der Blutdruck plötzlich und unerwartet an. Durch die Einnahme von Betablockern können sich die unteren Atemwege verengen. Dies kann zu Kurzatmigkeit führen. Für Menschen mit Asthma sind Betablocker daher nicht geeignet.

Diuretika

Diuretika entwässern und beeinflussen die Nierenfunktion. Sie senken langfristig den Druck in den Blutgefäßen. Patienten verspüren in den ersten Tagen der Therapie einen gesteigerten Harndrang und eine erhöhte Urinmenge. Verliert der Körper zu viel Wasser, leiden Betroffene unter Mundtrockenheit, Muskelschwäche oder Verwirrtheit. Diuretika werden heute nur in Kombination mit anderen Arzneimittel zur Blutdrucksenkung verordnet, da sie Fett- und Blutzuckerwerte negativ beeinflussen.  

Kalzium-Antagonisten

Kalziumantagonisten weiten die Gefäße und verlangsamen zusätzlich den Herzschlag. Zu den Nebenwirkungen von Kalziumantagonisten gehören Wassereinlagerungen an den Knöcheln, Hautrötungen, Kopfschmerzen und Herzklopfen. 

Angiotensin-Antagonisten (Sartane)

Sartane heben die Wirkung des blutdrucksteigernden Hormons Angiotensin auf. Die Nebenwirkungen ähneln denen von ACE-Hemmern. Sartane lösen selten Hustenreize aus, deshalb gelten sie als verträgliche Alternative zu ACE-Hemmern.

Renin-Hemmer

Renin-Hemmer greifen wie ein ACE-Hemmer in die Hormonproduktion von Angiotensin ein, das gefäßverengend und blutdrucksteigernd wirkt. Häufige Nebenwirkung sind Durchfall und Hautausschlag. In der Schwangerschaft dürfen Renin-Hemmer nicht eingenommen werden.

Wichtig zu wissen:

Die Auflistung der Nebenwirkungen ist nicht vollständig und kann sich bei den einzelnen Medikamenten unterscheiden. Genannt sind nur die häufigsten Beschwerden. Häufig heißt, dass bei weniger als einer von zehn Personen, aber bei mehr als einer von 100 Personen diese Nebenwirkungen auftreten können.

Wie senken Medikamente den Blutdruck?

Der behandelnde Arzt setzt Medikamente ein, die den Blutdruck langsam über mehrerer Wochen normalisieren. Bei hohen Werten besteht die Gefahr einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, daher müssen die Werte sofort sinken. Besonders langsam sollte die Therapie des Bluthochdrucks bei älteren Patienten erfolgen.

"Die Behandlung hoher Blutdruckwerte ist eine Dauertherapie", sagt Petra Rudnick, Allgemeinmedizinerin im TK-Ärztezentrum und ergänzt: "Jede Unterbrechung und Verringerung der Dosis, ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt, kann gefährlich sein. Deshalb sollten Sie Ihre Medikamente in der verordneten Dosierung regelmäßig einnehmen."

Tipps und Tricks für die Behandlung

Medikamente dauerhaft richtig einzunehmen, fällt vielen Menschen schwer. Integrieren Sie die Einnahme der Medikamente deshalb in Ihren Tagesablauf. Es gibt verschiedene Hilfen, die dabei unterstützen:

  • Erstellen Sie einen Einnahmeplan!
  • Verwenden Sie eine Medikamentendose mit Fächern für jeden Tag. So sehen Sie sofort, wenn Sie eine Tablette vergessen haben.
  • Vereinbaren Sie regelmäßige Arzttermine, um die Behandlung und mögliche Probleme zu besprechen.
  • Schulungsprogramme für Menschen mit Bluthochdruck unterstützen im Umgang mit der Erkrankung.

So wenig wie möglich, so viel wie nötig

Die Behandlung des Bluthochdrucks wird mit einem einzigen Medikament in einer niedrigen Dosierung oder mit einem Kombinationspräparat begonnen. Damit es für den Patienten einfacher ist, bevorzugt der Arzt Medikamente mit 24-stündiger Wirkung. Ist die Wirkung ungenügend, steigert er die Dosis oder setzt ein anderes Medikament ein. Auch bei der Hochdruckbehandlung gilt: so wenig wie möglich und so viel wie nötig.

Die Kombination zweier Hochdruckmittel mit verschiedenen Angriffspunkten hat den Vorteil, dass der Arzt die einzelnen Substanzen niedriger dosieren kann. Dadurch treten weniger Nebenwirkungen auf. Bei schwer beeinflussbarem Bluthochdruck kombiniert der Arzt mehrerer Wirkstoffe miteinander. 

Wie wichtig ist Therapietreue?

Obwohl Medikamente den Blutdruck erfolgreich senken und sie als sehr sicher gelten, sind einige Patienten verunsichert. Die Angst vor den chemischen Substanzen, die möglicherweise abhängig machen und Nebenwirkungen hervorrufen, erschwert eine erfolgreiche Behandlung. Etwa 60 von 100 Hochdruckpatienten vernachlässigen die Tabletteneinnahme oder verringern die Dosis, ohne Rücksprache mit ihrem Arzt.

"Wissenschaftliche Studien zeigen, der Therapieerfolg hängt von der Therapietreue des Patienten ab", weiß Petra Rudnick vom TK-Ärztezentrum. "Hochdruckpatienten, die konsequent ihre Medikamente in der verordneten Form einnehmen, haben ein deutlich geringeres Risiko, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden", so Rudnick. 

Welche Therapiehürden gibt es?

In der Bluthochdrucktherapie heiß es: Hürden überwinden!

"Gesundfühlfalle"

Bluthochdruckpatienten haben oft keine Beschwerden und halten die Behandlung der Blutdruckwerte für unnötig. Ein hohes Risiko, denn sie unterschätzen die lauernde Gefahr der Erkrankung: Schlaganfall und Herzinfarkt!

"Wo bleibt die Wirkung?"

Blutdrucksenkende Medikamente wirken selten so spürbar wie eine Schmerztablette. Die Wirkung der Therapie erkennt der Patient erst an den langsam sinkenden Blutdruckwerten.

"Ich bin geheilt"

Viele Patienten setzen ihre Medikamente ab oder verringern die Dosis, wenn der Blutdruck sinkt. Sie denken: „Ich bin gesund!“  Tatsache ist, dass die meisten Bluthochdruck-Patienten ein Leben lang Tabletten nehmen müssen, da sonst der Blutdruck erneut steigt.

"Ein Leben lang"

Der Gedanke, ein Leben lang Medikamente einnehmen zu müssen, hat für viele Patienten etwas Bedrohliches. Sie können jedoch davon ausgehen, dass die vom Arzt empfohlenen Medikamente schon seit vielen Jahren zugelassen sind und eine große Zahl von Patienten diese erfolgreich einnehmen. Auch bei einer Langzeittherapie bieten sie ein hohes Maß an Sicherheit.

"Die Einnahme vergessen"

Die regelmäßige Einnahme der Tabletten ist wichtig. Medikamente gelegentlich auszulassen heißt, hypertensive Krisen mit hohen Blutdruckspitzen zu riskieren.

"Angst vor Nebenwirkungen"

Nebenwirkungen lassen viele Patienten daran zweifeln, dass sie den richtigen Weg gehen. Sprechen Sie daher regelmäßig mit Ihrem Arzt über die Wirkung der Medikamente und Ihre Sorgen. Er kann bei unerwünschter Wirkung der Medikamente, alternative Behandlungsmaßnahmen vorschlagen und die Therapie verändern. 

Welche anderen Verfahren zur Blutdrucksenkung gibt es?

Inzwischen haben Wissenschaftler auch minimalinvasive Verfahren zur Blutdrucksenkung entwickelt. Bei der renalen Denervierung verödet der Arzt in der Niere bestimmte Nervenfasern, die an der Entstehung von Bluthochdruck beteiligt sind. Dazu verwendet er einen Katheter, den er an der Leiste in ein Gefäß einführt und bis zur Niere vorschiebt. An der Spitze des Katheters befindet sich eine Elektrode, die Hochfrequenzstrom abgibt und so die Nerven durchtrennen kann.

Eine weitere neue Methode ist die Barorezeptorstimulation. Dabei implantiert der Arzt Elektroden an der Halsschlagader. Dort befinden sich Sensoren (Barorezeptoren), die den Blutdruck registrieren und die Herzfrequenz und den Blutdruck regulieren. Über einen implantierten Schrittmacher ist es möglich, die Barorezeptoren zu stimulieren und damit eine Blutdrucksenkung zu erzielen.

"Bisher gibt es  noch keine ausreichenden Daten zur langfristigen Sicherheit und Wirksamkeit dieser beiden Verfahren", sagt Rudnick. "Sie kommen nur dann infrage, wenn auch Mehrfachkombinationen der Medikamente den Blutdruck nicht senken oder sekundäre Ursachen des Bluthochdrucks ausgeschlossen sind", sagt die Allgemeinmedizinerin und ergänzt: "Die Anwendung dieser Verfahren erfolgt bisher nur in spezialisierten Zentren."