Nach Schätzungen haben mehrere Hunderttausend Menschen in Deutschland einen Herzklappenfehler.

Jährlich erfolgen in Deutschland etwa 30.000 Herzklappenoperationen aufgrund von erworbenen Herzklappenerkrankungen. Die Zahl der Herzklappenoperationen steigt Jahr für Jahr.

Welche Warnsignale deuten auf einen Herzklappenfehler hin?

Für viele Herzklappen-Erkrankungen stehen heute wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Doch anstatt Beschwerden wie Atemnot unter leichter körperlicher Belastung, wie zum Beispiel zügiges Spazierengehen, als Warnsignal zu verstehen und einen Arzttermin zu vereinbaren, halten viele Betroffene ihre Symptome für eine normale Alterserscheinung oder glauben, sie hätten es an den Bronchien.

Herzklappenfehler bleiben so oft über Jahre unerkannt, bis schließlich irreparable Schäden am Herzmuskel entstanden sind.

Atem- oder Luftnot bereits bei leichten Belastungen kann auf eine Herzklappen-Schädigung hinweisen, weil defekte Klappen zu einer verminderten Pumpleistung des Herzens führen können. Dies macht sich unter Belastung bemerkbar.

Ihre verringerte Belastbarkeit fällt vielen Betroffenen erst relativ spät auf, weil der Krankheitsverlauf oft langsam ist und es nicht von heute auf morgen zu einem plötzlichen Leistungsknick kommt.

Wachsam sollte man jedoch nicht nur bei Leistungseinschränkungen sein. Je nach Art des Herzklappen-Defekts kann es auch zu kurzen Ohnmachtsanfällen, Schmerzen im Brustkorb, Wasseransammlungen in den Beinen oder zu starkem Pulsanstieg unter bereits geringer Belastung kommen.

Welche Ursachen haben Herzklappenfehler?

Den verschiedenen Herzklappenfehlern können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Es gibt sowohl angeborene als auch erworbene Herzklappenfehler. Bei der heutigen hohen Lebenserwartung nehmen Klappenfehler zu, die auf "Verschleiß" zurückzuführen sind. Die Herzklappen nutzen sich im Laufe eines langen Lebens ab. Dadurch können sie sich verengen oder ihre Fähigkeit, die Herzkammern zu schließen, verlieren. Eine Stenose (das heißt Verengung) der Herzklappen entsteht meist durch Verkalkung. Eine verkalkte Herzklappe ist verkleinert, wird unflexibel und verwächst häufig mit der Umgebung. Zu Verkalkungsprozessen kommt es zum Beispiel aufgrund natürlicher Alterungsprozesse, zu wenig Bewegung und falscher Ernährung.

Bei etwa zehn Prozent der Herzklappenstenosen handelt es sich um angeborene Herzklappenfehler. Dabei ist meist das Ventil aus der rechten Herzkammer in den Lungenkreislauf (Pulmonalklappe) betroffen.

Andere Herzklappenfehler entstehen als Folge einer Herzkrankheit, zum Beispiel eines Herzinfarkts. Wenn bei einem Herzklappenfehler die Klappe nicht richtig schließt, liegt eine sogenannte Herzklappeninsuffizienz vor. Die Ursache dafür ist oft ein Herzinfarkt. Dabei stirbt ein Teil des Herzmuskels ab. Es kommt zu Muskelrissen und in der Folge zur Schwächung der Herzklappenfunktion. Zudem können sich infolge von bakteriellen Infektionen eine Endokarditis oder rheumatisches Fieber entwickeln Beides kann über eine Entzündung im Bereich der Herzklappen zu Herzklappenfehlern führen. So ist selten eine durch Bakterien hervorgerufene Entzündung der Herzinnenhaut (bakterielle Endokarditis) oder eine rheumatische Entzündung derselben (rheumatische Endokarditis) für eine Herzklappenstenose ursächlich. Die Entzündungen können zur Narbenbildung und zum Gewebeabbau führen, was wiederum die Klappenfunktion einschränkt: Es kommt zu einem Herzklappenfehler mit verengter Herzklappe. Auch Erkrankungen des Abwehrsystems wie ein systemischer Lupus erythematodes können Herzklappenfehler nach sich ziehen.

Klappenfehler können ebenso im mittleren und im jungen Lebensalter auftreten. Manchmal sind Herzklappenfehler angeboren. In den Kinder- und Jugendjahren haben sie in der Regel noch keine große Bedeutung, führen aber auf Dauer zu einer schweren Veränderung der Herzklappe.

Ein angeborener Herzklappenfehler wird oft durch Zufall, zum Beispiel bei Untersuchungen bei der Schulaufnahme, beim Eintritt in den Beruf oder bei der regulären Check-up-Untersuchung beim Hausarzt entdeckt.

Wie wird eine Herzklappenerkrankung diagnostiziert?

Ob tatsächlich eine Klappen-Erkrankung für vorhandene Beschwerden verantwortlich ist, sollte man auf alle Fälle vom Hausarzt oder Kardiologen abklären lassen. Er wird zunächst den Brustkorb mit einem Stethoskop nach auffälligen Geräuschen der Herzklappen abhören, denn Klappenfehler führen zu typischen Herzgeräuschen.

Für eine weitergehende exakte Diagnose sorgt dann eine echokardiografische Untersuchung, die einen genauen Einblick in das Herz ermöglicht und ohne Röntgenstrahlen auskommt.

Wie sieht ein Leben mit Klappenfehler aus?

Schäden an den Herzklappen schreiten in der Regel langsam voran. Es gibt Fälle, in denen der Defekt über viele Jahre stabil bleibt – in anderen wiederum verschlechtert sich ein Herzklappenfehler ganz plötzlich stark. Wichtig ist deshalb, vorhandene Beschwerden genau im Auge zu behalten und – ist der Herzklappenfehler entdeckt – regelmäßige jährliche Kontrollen bei einem Herzspezialisten wahrzunehmen. Wenn Beschwerden neu oder heftiger auftreten, sollte man allerdings nicht bis zum Kontrolltermin warten, sondern gleich den Arzt aufsuchen.

Patienten mit einem Herzklappenfehler, die ein hohes Risiko für eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) haben (zum Beispiel Patienten mit Herzklappenersatz), sollten nach Zahnextraktionen und anderen Operationen im Bereich der Mundhöhle Antibiotika einnehmen, um eine Endokarditis zu verhindern.

Wir werden Herzklappenfehler behandelt?

Den Herzklappenfehler kann nur eine Operation beseitigen. Je nach Art und Stadium der Erkrankung können aber Medikamente zum Einsatz kommen, um die Beschwerden zu lindern, um Begleiterkrankungen wie Vorhofflimmern zu behandeln oder das Risiko für weitere Komplikationen zu reduzieren.

Früh genug operieren

Den Klappenfehler definitiv beseitigen kann nur ein operativer Eingriff. Dabei wird die kranke Klappe wiederhergestellt oder durch eine künstliche Klappe ersetzt. Eine Operation sollte so rechtzeitig erfolgen, dass der Eingriff eine dauerhafte Schädigung des Herzens vermeiden kann und so die Lebenserwartung erhöht. Heute operiert man generell viel früher als noch vor einigen Jahren – im Einzelfall auch dann, wenn der Patient seine Beschwerden als wenig oder gar nicht belastend empfindet.

Einige der Herzschädigungen, die durch einen Klappenfehler entstehen können, wie eine Verdickung der Herzwand (Linksherzhypertrophie) oder eine leichte Vergrößerung der linken Herzkammer, können sich nach einer Operation sogar zurückbilden.

Eine ausgeprägte Vergrößerung der linken Herzkammer oder eine Verminderung der Leistungsfähigkeit des Herzens sind ab einem gewissen Grad jedoch nicht mehr rückbildungsfähig. Dann kann eine Herzklappenoperation nur noch verhindern, dass der Krankheitsprozess sich verschlimmert.

In jedem Fall kann eine erfolgreiche Klappenoperation die Beschwerden vermindern oder beseitigen und die Lebenserwartung verbessern.

Operationsrisiko und Altersgrenzen

Das Operationsrisiko ist im Alter erhöht. Dies gilt besonders für Eingriffe, bei denen neben der Herzklappe auch eine Operation der Herzkranzgefäße notwendig ist. Das ist im Alter häufig der Fall. Trotzdem gibt es keine feste Altersgrenze. Nicht das Geburtsdatum, sondern das biologische Alter, nämlich die körperliche und geistige Vitalität eines Menschen sind entscheidend.

Wenn ein alter Patient durch die Klappenerkrankung in seinem Alltag eingeschränkt ist, muss er zusammen mit dem Arzt entscheiden, ob er ohne Operation weiterleben kann und will oder ob er das erhöhte Operationsrisiko in Kauf nimmt, um durch einen Klappenersatz seine Leistungsfähigkeit und Lebensqualität zu verbessern.

Nach einer Klappenoperation erholt man sich in der Regel langsamer als nach einer Bypassoperation. Der Herzmuskel erholt sich meist erst nach Monaten oder gar Jahren. Hinzu kommt, dass vor der Operation der Trainingszustand des Herzmuskels in der Regel schlecht war. Daher beginnt man nach einer Klappenoperation zunächst mit einem geringen Belastungstraining und steigert die Belastung nur ganz allmählich.

Je stärker die körperliche Leistungsfähigkeit vor einer Operation eingeschränkt war, desto langsamer erholt sich der Patient nach der Operation.

Inzwischen es möglich, künstliche Herzklappen auch per Katheter ins Herz zu bringen. Dieses Vorgehen ist schonender als eine offene Operation und kann daher auch bei Patienten erfolgen, bei denen klassische Operationsverfahren nicht möglich wären.

Wie ist das Leben nach der Operation?

Nach der Operation sind regelmäßige Kontrollen nötig: unmittelbar nach dem Eingriff häufiger, nach drei beziehungsweise sechs Monaten, nach einem Jahr und dann in jährlichen Abständen. Bei neu aufgetretenen kardialen Symptomen sollte eine möglichst zeitnahe Untersuchung durchgeführt werden. Eine transösophageale Echokardigrafie, ein Echokardiogramm von innen - dabei wird die Ultraschall-Untersuchung des Herzens nicht von außen, sondern durch die Speiseröhre durchgeführt - sollte vorgenommen werden, wenn neue Symptome auftreten oder Komplikationen befürchtet werden. Patienten mit einer mechanischen Herzklappe müssen dauerhaft Medikamente zur Gerinnungshemmung einnehmen, Patienten mit biologischem Herzklappenersatz für drei Monate.

Weiterhin gilt, dass auch operierte Patienten bei fieberhaften bakteriellen Infekten oder erneuten operativen Eingriffen Antibiotika nehmen müssen, um eine Endokarditis zu vermeiden. Der Patient sollte nie vergessen, dass er eine Klappenoperation hinter sich hat.

Ein gesunder Lebensstil ist für jeden wichtig: Nicht rauchen, sich gesund ernähren, Normalgewicht halten, sich regelmäßig bewegen. Das gilt aber ganz besonders für jemanden, der eine Klappenerkrankung oder einen Klappenersatz hat.

Wohldosierte Bewegung stärkt

Der Einsatz einer künstlichen Herzklappe kann die ursprüngliche körperliche Leistungsfähigkeit nicht vollständig wiederherstellen, aber viele Patienten sind nach der Operation wieder stärker belastbar als vor der Operation. Bei einer Rekonstruktion (Wiederherstellung) der geschädigten Herzklappe werden oft bessere Ergebnisse erzielt. Deswegen sollte man mit einer Kunstklappe zwar normalen Sport, aber keinesfalls Leistungssport ausüben, weil dieser das Herz zu stark beansprucht.

Ausdauersport wie Laufen, Joggen, Radfahren, Wandern oder Schwimmen ist für operierte Patienten am besten geeignet. Dagegen sind Sportarten mit hohem Sturz- oder Verletzungsrisiko wie zum Beispiel Skifahren während der Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten problematisch.

Generell gilt: Sport ja, denn regelmäßige Bewegung erhöht die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden – aber in angepasstem Tempo und ohne Stress.

Weitere Informationen zum Thema Herzklappenfehler