• Schmerzdokumentation
  • Lebensführung
  • Zuverlässige Einnahme verordneter Medikamente zur Langzeitbehandlung 

Schmerzdokumentation

Das Führen eines Schmerztagebuches soll hier an erster Stelle beschrieben werden, weil es nicht nur für die Behandlung, sondern auch für das Herausfinden Ihrer Kopfschmerzform (der sogenannten Diagnosefindung) hilfreich ist.

Um ein Schmerztagebuch führen zu können, sollten Sie zunächst versuchen, auf bestimmte Umstände und Situationen, die mit Ihrem Kopfschmerz zu tun haben könnten, aufmerksam zu werden. Denn abgesehen von dem Schmerzcharakter, seiner Dauer, Stärke, Häufigkeit und Lokalisation (Schmerzort) sind die Umstände seines Auftretens sehr wichtig. Diese Umstände können Ihnen Hinweise auf Ihre speziellen auslösenden Faktoren geben.

Durch das Meiden von Auslösefaktoren vermindert sich oftmals die Schmerzhäufigkeit. Nehmen Sie sich jeden Tag ein paar Minuten Zeit, um die wichtigsten Punkte in Ihr Schmerztagebuch einzutragen, denn: Versucht man sich nach mehreren Tagen oder Wochen an die Schmerzphasen zu erinnern, so sind diese Erinnerungen oft ungenau und verwaschen. Deshalb lohnt es sich, jeden Tag ein paar Minuten zu investieren und die Eintragungen an irgendeiner Stelle fest in den Tagesablauf einzubauen.

Viele Kopfschmerzarten können nicht vollständig geheilt, aber doch stark vermindert werden. Das Kopfschmerztagebuch kann Ihnen helfen, Ihren Schmerz besser einzuschätzen und dadurch mit den Schmerzphasen selber, aber auch mit Medikamenten und anderen Hilfsmitteln souverän umzugehen. Wenn Sie das Tagebuch auch während der Behandlung weiterführen, können Sie die Wirkung der Behandlung regelrecht ablesen.

Ein solches Kopfschmerztagebuch bekommen Sie beim Hausarzt oder Neurologen oder Sie laden es sich aus dem Internet herunter, zum Beispiel:

Lebensführung

Bei den meisten Kopfschmerzformen ist das Vermeiden von Umständen, Situationen oder Lebensmitteln, die eine Kopfschmerzattacke auslösen, der erste Schritt zur besseren Lebensqualität. Der Verzicht auf liebgewonnene, aber für Sie schädliche Gewohnheiten fällt schwer. Sie werden jedoch für Ihre Disziplin belohnt: Die Schmerzen werden in der Regel weniger heftig oder sie treten seltener auf.

Am Wochenende kann es zum Beispiel hilfreich sein, sich morgens zur gewohnten Zeit den Wecker zu stellen, kurz aufzustehen und sich dann wieder hinzulegen. Auf diese Weise können manche Betroffene ihren Kopfschmerz "überlisten".

Betroffene sollten sich nicht überfordern und auch mal Nein sagen.

Die Reizüberflutung durch Computer und Fernseher sollte nicht zu groß werden, besonders auch bei Kindern.

Bezüglich der Ernährung gilt: Eine besondere Kopfschmerz- und Migräne-Diät gibt es nicht. Dennoch kann es für Sie nützlich sein, bestimmte Nahrungsmittel zu meiden, wenn Sie bei sich beobachten konnten, dass diese eindeutig Anfälle auslösen.

Sie müssen aber nicht nur "weglassen" und vermeiden. Sie können auch aktiv werden, um Ihre Situation zu verbessern. Dies gilt besonders, wenn Sie unter Migräne oder Spannungskopfschmerz leiden. Was Sie tun sollten:

  • Treiben Sie Sport! Am besten sind Ausdauersportarten an der frischen Luft, wie beispielsweise Jogging/Walking, aber auch Schwimmen und Fahrradfahren. Besprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt, welche Sportart und welche Trainingsintensität für Sie geeignet sind.
  • Spezielle Schmerzbewältigungstechniken und Methoden zur Stressverarbeitung können hilfreich sein. Nach stressigen Zeiten sind Entspannungsphasen wichtig. Sehr gute Erfahrungen haben Patienten gemacht, die die sogenannte progressive Muskelrelaxation (nach Jacobson) erlernt und eingesetzt haben.
  • Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus sollte eingehalten werden.
  • Auch sogenannte Biofeedbackverfahren (bewusste Wahrnehmung von Körperfunktionen) können hilfreich sein.
  • Eine Verhaltenstherapie kann Ihnen ebenfalls helfen, mit Ihren Schmerzen besser umzugehen und schmerzauslösende Situationen zu vermeiden.
  • Patientenseminare. Alles was in dieser Patientenleitlinie beschrieben wird, können Sie noch genauer in Patientenseminaren erfahren. Dort werden Ursachen, Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, Wirkungsweise von Medikamenten und anderen Hilfen und vieles mehr besprochen. Außerdem bietet sich dort die Möglichkeit, sich mit anderen engagierten Betroffenen auszutauschen und individuelle Fragen zu stellen.
  • Wichtig sind regelmäßige Mahlzeiten und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, in der Regel etwa zwei Liter täglich, zum Beispiel Tee und Mineralwasser. 

Zuverlässiges Einnehmen der Medikamente

Auch das beste Medikament kann seine Wirksamkeit nur entfalten, wenn Sie es in der abgesprochenen Menge und zu bestimmten, mit Ihrem Arzt verabredeten Zeitpunkten einnehmen. Das geht leichter, wenn Sie nachvollziehen können, was das jeweilige Medikament bewirkt und für welche Situation es geeignet ist.

Zuverlässig einnehmen heißt nämlich auch, nicht zu häufig einnehmen. Halten Sie sich an das, was Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt oder Apotheker ausgemacht haben! Nehmen Sie die Medikamente, die den Schmerzphasen vorbeugen sollen, regelmäßig ein und sorgen Sie vor Wochenenden und Feiertagen für einen entsprechenden Vorrat.

Im Gegensatz dazu sollten Medikamente, die für akute Schmerzattacken gedacht sind, auf keinen Fall regelmäßig eingesetzt werden. Aus Angst vor neuen Kopfschmerzen neigen viele Patienten dazu, schon vor dem Auftreten der Schmerzen etwas einzunehmen. Lassen Sie sich also nicht dazu verleiten, sie öfter oder regelmäßig einzunehmen. Bei zu häufiger Einnahme können Schmerzmittel sogar Kopfschmerzen auslösen. Probieren Sie neue, auch freiverkäufliche Medikamente am besten nur nach Absprache mit Ihrem Arzt aus.

Möglicherweise denken Sie jetzt: "Wenn ich mich an alle Empfehlungen halten soll, muss ich mein ganzes Leben umkrempeln." Das mag zum Teil richtig sein. Anderseits ist Ihr jetziger Rhythmus oder Tagesablauf auch der Rhythmus, in dem Ihr Kopfschmerz seinen Platz hat.

Wenn Sie ihn verändern und Dinge wie Sport, Techniken zum Stressabbau und zur Stressbewältigung sowie das regelmäßige Schmerztagbuch in Ihren Alltag einbauen, dann tun Sie nicht nur etwas gegen Ihren Kopfschmerz, auch Ihr allgemeiner gesundheitlicher Zustand wird sich verbessern.

Versuchen Sie, die Ratschläge und Empfehlungen zu beherzigen, aber lassen Sie sich dadurch nicht "stressen". Versuchen Sie eine Form zu finden, mit der Sie Ihren Kopfschmerz in den Griff bekommen und trotzdem - oder gerade dadurch - gut leben können.