Behandlung von Krebserkrankungen mit Medikamenten (Chemotherapie)

Ähnlich wie die Strahlentherapie wird die Behandlung mit Medikamenten (Zytostatika, Chemotherapie) häufig im Anschluss an eine operative Behandlung durchgeführt. Dies kann bei manchen Tumoren die Gefahr des Wiederauftretens (Rezidiv) sowie der Absiedelung von Tochtergeschwülsten verringern. Krebserkrankungen, die den gesamten Körper betreffen, zum Beispiel Leukämie, werden meistens alleine mit Chemotherapie oder in Kombination mit Strahlentherapie behandelt.

Chemotherapeutika sind Medikamente, die vor allem gegen sich rasch teilende Zellen wirken. Da Tumorzellen eine hohe Teilungsrate haben, sind diese Zellen empfindlicher gegen Zytostatika als viele gesunde Zellen und fallen der Wirkung der Zellgifte zum Opfer. Zytostatika werden meist als Infusion über eine Vene gegeben, seltener in Tablettenform. Über die Blutbahn verteilen sich die Medikamente dann im gesamten Körper, sodass Tumorzellen in allen Körperregionen von ihnen erfasst werden.

Eine Chemotherapie erfolgt meist in mehreren Behandlungsabschnitten (Zyklen), die jeweils von einer mehrwöchigen Erholungsphase unterbrochen werden. In diesen Behandlungspausen kann sich der Körper von der Chemotherapie erholen.

Nebenwirkungen der Chemotherapie auf gesundes Gewebe werden von der Dauer, der Dosis sowie der Art der angewendeten Medikamente bestimmt.

Die häufig auftretenden Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen kann man durch Medikamente verhindern. Bei Haarausfall werden die Kosten einer Perücke von der Krankenkasse getragen.

Andere Nebenwirkungen, zum Beispiel die Beeinträchtigung der Blutbildung, können zu einer Verminderung der Dosis, Unterbrechung der Therapie oder einem Therapieabbruch zwingen. Weitere Gründe für eine Verringerung der Dosis oder den Verzicht auf die Chemotherapie können eine Nierenfunktionseinschränkung, Herzschwäche, schwere Leberkrankheit, schlechte Knochenmarkfunktion, Infektion oder ein schlechter Allgemeinzustand sein.

Forschung und Entwicklung von neuen Medikamenten führen zu einer ständigen Verbesserung der Tumorbehandlung durch die Chemotherapie.

Neue Therapieansätze

Die Wirksamkeit neuerer Therapieformen wird zurzeit in wissenschaftlichen Studien untersucht. Einige Ansätze haben sich im Experiment als vielversprechend erwiesen und werden teilweise schon zur Ergänzung der bewährten Therapien angewendet.

Immuntherapie

Anders als bei der Chemotherapie soll bei der Immuntherapie das körpereigene Abwehrsystem (Immunsystem) gegen die Tumorzellen aktiviert werden. Dabei gibt es verschiedene Behandlungsansätze. Bei der passiven Immuntherapie kommen Stoffe zum Einsatz, die gegen die Tumorzellen gerichtet sind. In bestimmten Tumorstadien bei bestimmten Krebsarten (zum Beispiel Brustkrebs) ist diese Therapie effektiv und wird klinisch bereits eingesetzt. Der Einsatz dieser Therapie ist aber an das Vorliegen bestimmter Rezeptoren auf der Oberfläche der Krebszellen gebunden.

Bei einer aktiven Immuntherapie werden die Tumorzellen des Patienten außerhalb des Körpers speziell behandelt. Werden diese Tumorzellen dann zurückgegeben, sollen sie eine aktive starke Immunantwort des Körpers gegen Tumorzellen auslösen. Die aktiven Immuntherapien sind derzeit noch komplizierte und zeitaufwendige Verfahren und Gegenstand der weiteren Forschung.

Ein anderer Therapieansatz der Immuntherapie ist die Immunmodulation durch Interferone, also Stoffen, die das Abwehrsystem stimulieren. Sie werden bei der Therapie von Leukämien bereits erfolgreich eingesetzt. Weitere Einsatzgebiete müssen durch Studien geklärt werden.

Daneben gibt es eine Reihe alternativer Behandlungsansätze, deren Ziel es ist, den Allgemeinzustand des Betroffenen und seine körpereigenen Abwehr zu stärken. Hierzu zählen zum Beispiel Mistelextrakte oder Organextrakte. Eine Wirksamkeit dieser Substanzen konnte bislang jedoch nicht nachgewiesen werden.

Hyperthermie-Therapie

Hyperthermie ist ein Verfahren, bei dem die starke Erhitzung des Körpergewebes Tumorzellen abtöten oder ihre Versorgung mit lebensnotwendigen Substanzen verhindern soll. Dabei kann der Tumor allein, ein betroffenes Organ oder - bei vorhandenen Metastasen - der gesamte Körper mit besonderen Geräten erwärmt werden. Die Wirkung einiger Zytostatika sowie einer Strahlentherapie kann so unter Umständen erhöht werden.

Die Therapie kann Schmerzen im behandelten Bereich oder auch eine Blasenbildung verursachen. Die Wirksamkeit der Hyperthermie wird zurzeit in Kombination mit anderen Therapieverfahren wie Strahlen- oder Chemotherapie in klinischen Studien getestet.

Gentherapie

Bei der Gentherapie wird gezielt genetisches Informationsmaterial in Körperzellen gebracht, um so Tumorzellen abzutöten. Dieses gezielte Einbringen von fremdem Erbgut geschieht unter Zuhilfenahme von Viren, die Gene transportieren. Gentherapeutische Behandlungsansätze haben zurzeit nur experimentellen Charakter.