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Der Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) ist ein bösartiger Tumor der Bauchspeicheldrüse, der nach dem Darm- und Magenkrebs der dritthäufigste Tumor des Verdauungstraktes ist. Er gehört zu den sehr aggressiven bösartigen Tumoren und führt in den meisten Fällen innerhalb kurzer Zeit zum Tod.

Je früher Bauchspeicheldrüsenkrebs entdeckt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungs- und Überlebenschancen.

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine relativ seltene Erkrankung, die nur etwa drei Prozent aller Krebserkrankungen in Deutschland ausmacht.

Die feingewebliche Untersuchung zeigt meist, dass der Tumor von den Drüsengängen der Bauchspeicheldrüse (sogenanntes Adenokarzinom) ausgeht. Rund 70 bis 75 Prozent der Tumoren sind im Kopf der Bauchspeicheldrüse lokalisiert. Man spricht vom Pankreaskopfkarzinom, in 20 Prozent liegt der Tumor im Pankreaskörper und in fünf bis zehn Prozent im Schwanz des Organs.

In Deutschland erkranken jährlich etwa 15.000 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Männer und Frauen sind in etwa gleich häufig betroffen. Die meisten Betroffenen erkranken im höheren Lebensalter: Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 70, für Frauen bei 76 Jahren.

Welche Aufgaben hat die Bauchspeicheldrüse?

 Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein etwa zehn bis 15 Zentimeter langes Oberbauchorgan und befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Magen, Zwölffingerdarm und der Milz. Sie wird in einen Kopf-, Körper- und einen Schwanzbereich unterteilt.

Die Bauchspeicheldrüse besteht aus zwei verschiedenen Teilen. Zum einen produziert die Verdauungsdrüse (auch exokriner Anteil genannt) täglich etwa 1,5 Liter Pankreassaft. Dieses Sekret besteht aus Wasser, Ionen und Verdauungsenzymen. Über einen Ausführungsgang gibt die Bauchspeicheldrüse das Sekret in den Dünndarm ab, der die Nahrung dann in die einzelnen Nahrungsbestandteile aufspaltet. Diese verwertet der Körper weiter.

Der zweite sogenannte endokrine Anteil der Bauchspeicheldrüse produziert verschiedene Hormone, die den Zuckerstoffwechsel regulieren. Dazu gehört vor allem das Insulin. Dieser Drüsenanteil besteht aus vielen kleinen Zellverbänden, die inselförmig in das übrige Bauchspeicheldrüsengewebe eingebettet sind.

Wodurch entsteht Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Die Entstehungsursache des Bauchspeicheldrüsenkrebses ist weitestgehend ungeklärt. Jedoch sind heute einige Faktoren bekannt, die das Krankheitsrisiko erhöhen können. Dazu zählen

  • eine über lange Zeit bestehende chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung,
  • übermäßiger Tabak- und Alkoholkonsum (bei Rauchern tritt das Pankreaskarzinom zwei- bis dreimal häufiger auf als bei Nichtrauchern),
  • Übergewicht,
  • eine Diabeteserkrankung (Typ-2-Diabetes).

Ob Ernährungsfaktoren eine Rolle spielen, ist unklar. Selten gibt es vererbte Formen des Bauchspeicheldrüsenkrebses. Sind zwei oder mehrere Angehörige ersten Grades (zum Beispiel Eltern / Geschwister) an einem Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt oder sind betroffene Angehörige zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 50 Jahre, ist das Risiko erhöht, dass weitere Familienmitglieder ebenfalls Bauchspeicheldrüsenkrebs entwickeln.

Welche Beschwerden verursacht Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Bauchspeicheldrüsenkrebs verursacht im Frühstadium meist keine oder nur sehr geringe Beschwerden. Daher wird er oft erst sehr spät entdeckt und behandelt. Erste Anzeichen können Appetitlosigkeit, Oberbauchschmerzen, Rückenschmerzen und Gelbfärbung der Haut und der Augen sein.

Symptome wie starke Schmerzen im Oberbauch oder zunehmender Gewichtsverlust sind meist Zeichen eines fortgeschrittenen Krankheitsstadiums. Sie treten oft erst auf, wenn der Tumor Nachbarorgane befallen hat, große Teile der Drüse zerstört oder das Gangsystem blockiert sind.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Eine Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Bauches und der Bauchspeicheldrüse ist meist der erste Schritt. Zur genaueren Beurteilung kann der Arzt eine Ultraschallsonde in den Magen einführen und die Drüse aus der Nähe betrachten (Endosonographie).

Weitere bildgebende Verfahren wie die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) schließen sich an. Mit diesen Untersuchungen sind auch das Gangsystem und die Blutgefäße der Bauchspeicheldrüse darstellbar. Oft wird auch eine Spiegelung des Gallen- und des Bauchspeicheldrüsengangs durchgeführt (ERCP = endoskopisch-retrograde Cholangio-Pankreatikographie). Falls Verdacht auf ein Übergreifen des Tumors auf den Magen oder Zwölffingerdarm besteht, wird eine Magenspiegelung veranlasst.

Blutuntersuchungen können eine Erhöhung des Tumormarkers Carbohydrate-Antigen 19-9 (CA 19-9) zeigen, wobei dieser Blutwert auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein kann (zum Beispiel bei Gallenerkrankungen). Es gibt aber auch Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs, bei denen dieser Wert nicht erhöht ist. Wichtig für die Prognose der Erkrankung ist sowohl der Ausgangswert als auch die Veränderung von CA 19-9 unter einer Chemotherapie.

Zur Klärung, ob eine Operation möglich ist, kann eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) nützlich sein. Mit ihr soll vor allem die Ausbreitung des Tumors im Bauchraum und auf das Bauchfell geklärt werden.

Wie wird Bauchspeicheldrüsenkrebs behandelt?

Mögliche Therapien des Pankreaskarzinoms sind die operative Entfernung, Chemotherapie, Bestrahlung und medikamentöse Therapie. Häufig erhalten Patienten eine Kombination aus diesen Behandlungen. Dies hängt von der Art, dem Stadium der Erkrankung sowie von der Ausbreitung des Tumors ab. Weitere Faktoren sind möglicherweise zu berücksichtigen. Die chirurgische Therapie ist die einzige Behandlungsmöglichkeit, die den Bauchspeicheldrüsenkrebs heilen kann. Durch alleinige Chemo- und/oder Strahlentherapie ist bei diesem Tumor keine Heilung zu erzielen.

Entscheidend für die Prognose ist deshalb die möglichst frühe Entdeckung in einem Stadium, in dem eine chirurgische Entfernung des Tumors durch eine Operation noch möglich ist. Dies gelingt heute bei etwa 15 bis 25 Prozent aller Patienten. Die Zahlenangaben sind nicht eindeutig. Die frühe Erkennung ist besonders wichtig, wenn ein erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs besteht.

Meist wird der Bauchspeicheldrüsenkrebs zu spät entdeckt - dann hat sich der Krebs schon weiter ausgedehnt und unter Umständen in anderen Körperregionen bereits Metastasen gebildet.

Operative Behandlung

Eine Operation strebt die vollständige Entfernung des Bauchspeicheldrüsentumors an. Je nachdem in welchem Teil der Drüse sich der Tumor befindet, kommen unterschiedliche Operationsmethoden zum Einsatz. Heutzutage werden meist unter Schonung des Magenausgangs nur Teile des Zwölffingerdarms und der Bauchspeicheldrüse entfernt. Zusätzlich werden angrenzende Lymphknoten des Bauchraumes mit entfernt und auf Tochtergeschwülste untersucht.

Dem Verlust des Drüsengewebes bei der Operation kann ein Mangel an Verdauungsenzymen und Insulin folgen. Verdauungsstörungen, Durchfall, Bauchschmerzen, Entzündungen der Gallenwege und Diabetes sind dann behandlungsbedürftig.

Der Erfolg einer Operation hängt in hohem Maße von der Erfahrung des Operateurs ab. Daher sollten Betroffene den Eingriff nur in Kliniken mit entsprechendem Erfahrungsschatz durchführen lassen. Lässt sich der Tumor komplett entfernen, kann eine anschließende Chemotherapie die Heilungschancen verbessern.

Chemotherapie

Ist eine Heilung durch eine Operation nicht möglich oder tritt der Tumor nach einer Operation wieder auf, erhalten die Patienten eine Chemotherapie. Eine Kombination mit einer Strahlentherapie scheint keinen Vorteil zu bringen. Bei der Chemotherapie versucht man, mit Zellgiften (Zytostatika) die Geschwulst anzugreifen. Eine Heilung kann dadurch nicht erreicht werden. Die Chemotherapie kann jedoch das Tumorwachstum aufhalten oder sogar zurückdrängen und die Überlebenszeit des Patienten verlängern und in einzelnen Studien verbesserte die Chemotherapie auch die Lebensqualität. Man spricht von einer palliativen Therapie.

Verwendet werden verschiedene Chemotherapie-Pläne, wobei heutzutage immer der Wirkstoff Gemcitabin allein oder in Kombination verabreicht werden sollte. Welche Kombination von Medikamenten die wirksamste ist, kann noch nicht abschließend beurteilt werden. Auch hierzu finden kontrollierte klinische Untersuchungen statt, zum Teil mit neuen Antikörpern, die aus der Behandlung des Darmkrebses bekannt sind.

Begleitende Therapiemaßnahmen

Jede Therapie sollte auch die Behandlung der durch den Tumor hervorgerufenen Beschwerden einschließen, um die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. An erster Stelle steht die Behandlung von Tumorschmerzen, wobei möglichst eine Schmerzfreiheit erzielt werden sollte. Dazu stehen wirksame Schmerzmittel zur Verfügung. Bei Tochtergeschwülsten in Knochen oder im hinteren Bauchraum, die oft sehr schmerzhaft sind, ist eine lindernde Bestrahlung möglich.

In vielen Fällen wächst der Tumor in den Gallengang ein oder drückt ihn ab. Durch den Gallestau kann sich eine Gelbsucht entwickeln. Mit einer Spiegelung des Gangsystems lässt sich die Engstelle aufweiten und überbrücken, sodass die Galle abfließen kann. Gelingt dies nicht, kann gegebenenfalls von außen ein durch die Bauchwand gelegter Ableitungsschlauch die Galle ableiten.

Was geschieht nach der Behandlung?

Nach einem operativen Eingriff folgen regelmäßige Kontrolluntersuchungen, um ein Wiederauftreten des Tumors frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Nach einer Operation kann unter bestimmten Umständen in Einzelfällen eine stationäre Rehabilitation in einer Tumornachsorgeklinik sinnvoll sein. Es sollte eine Abstimmung mit dem familiären Umfeld erfolgen.

Bei einem Mangel an Verdauungsenzymen können Patienten Tabletten zu den Mahlzeiten einnehmen. Bei Insulinmangel und Zuckerkrankheit erhalten Patienten Insulin.