Krebsgeschwüre des Gebärmutterkörpers gehen in der Regel nicht von der Muskelschicht des Organs, sondern von der Schleimhaut aus, die die Gebärmutter innen auskleidet. Diese Schleimhaut heißt Endometrium. Man spricht deshalb auch vom Endometriumkarzinom. Eine weitere Bezeichnung für Gebärmutterkrebs lautet Korpuskarzinom.

Vor den Wechseljahren bewirken die weiblichen Geschlechtshormone, dass sich die Gebärmutterschleimhaut jeden Monat erneuert. Die vorhergehende Schleimhautschicht wird mit der Regelblutung abgestoßen. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum Frauen vor allem nach den Wechseljahren an Gebärmutterkrebs erkranken. Die höchsten Erkrankungsraten finden sich bei Frauen zwischen 75 und 79 Jahren. Vor dem 40. Lebensjahr tritt die Krankheit extrem selten auf.

Das Endometriumkarzinom ist der häufigste Tumor der weiblichen Geschlechtsorgane und nach Brust-, Darm- und Lungenkrebs die vierthäufigste Krebserkrankung der Frau. In Deutschland erkranken jährlich etwa 11.500 Frauen an Gebärmutterkrebs. Seit Mitte der 90er Jahre nimmt die Zahl der neuen Erkrankungen pro Jahr leicht ab, ebenso sinkt die Sterberate.

Gebärmutterkörperkrebs gehört zu den Krebsarten, bei denen - wird er früh entdeckt - gute Heilungschancen bestehen.

Welche Ursachen gibt es?

Die Ursachen für Gebärmutterkrebs sind noch nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler sehen jedoch das Ungleichgewicht der weiblichen Hormone während der Wechseljahre als einen möglichen Einflussfaktor bei der Entstehung des Endometriumkarzinoms an: Der Körper stellt die Produktion von Gestagenen ein, produziert zunächst aber noch Östrogene. Östrogene wiederum regen die Zellen der Gebärmutterschleimhaut zum Wachstum an, mit den Gestagenen fehlt ein Gegenspieler.

Je nachdem, ob das Wachstum des Tumors vom weiblichen Geschlechtshormon Östrogen abhängig ist oder nicht, lassen sich zwei Krebstypen unterscheiden: Typ I ist das östrogenabhängige Karzinom, Typ II das östrogenunabhängige Karzinom.

Eine Reihe weiterer Faktoren begünstigt die Krebsentstehung, etwa:

  • Hormontherapie mit Östrogenen in den Wechseljahren, die über einen längeren Zeitraum erfolgt, ohne dass gleichzeitig Gestagene eingenommen werden
  • Übergewicht (da Fettzellen in geringen Mengen Östrogen produzieren, erhöht Übergewicht das Erkrankungsrisiko)
  • Polyzystische Ovarien (PCO-Syndrom): Hierbei ist die Funktion der Eierstöcke gestört. Dies führt zu Störungen des Zyklus und des Hormonhaushalts.
  • Eine lange Phase von Menstruationszyklen (bezogen auf die gesamte Lebenszeit): Frauen, die früh ihre erste Regelblutung hatten und spät in die Wechseljahre kommen, erkranken häufiger an einem Endometriumkarzinom.
  • Zuckerkrankheit und/oder Bluthochdruck
  • Kinderlosigkeit
  • Brustkrebs in der Vorgeschichte
  • Einnahme von Tamoxifen: Tamoxifen ist ein Medikament, das dem Östrogen entgegenwirkt und zur Nachbehandlung von Brustkrebs eingesetzt werden kann.
  • Erhöhtes familiäres Risiko für Darmkrebs
  • Eine Strahlentherapie im Bauch- oder Beckenraum aufgrund einer vorangegangenen Krebserkrankung

Das Gebärmutterkörperkarzinom tritt in manchen Familien gehäuft auf. Mediziner vermuten daher, dass auch erbliche Faktoren bei der Krankheitsentstehung eine Rolle spielen. Darüber hinaus gilt eine bestimmte Veränderung der Gebärmutterschleimhaut, die atypische Gewebshyperplasie, als Krebsvorstufe. Frauen, bei denen diese Veränderung entdeckt wurde, müssen genauso wie Frauen unter Tamoxifen-Therapie regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Dabei führt der Arzt eine Ultraschalluntersuchung von der Scheide aus durch.

Welche Beschwerden macht Gebärmutterkrebs?

Anders als bei den Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses gibt es beim Endometriumkarzinom keine Empfehlungen für routinemäßige Vorsorgeuntersuchungen.

Wichtigstes Frühwarnzeichen sind ungewöhnliche Blutungen aus der Scheide. Dazu gehören:

  • Mehrtägige Blutungen außerhalb der Regel
  • Blutiger, fleischfarbener oder blutig-eitriger Ausfluss in der Zeit zwischen den Regelblutungen
  • Eine verlängerte Menstruation
  • Plötzlich auftretende Blutungen nach den Wechseljahren

Ein fortgeschrittener Tumor macht sich später auch durch Schmerzen im Unterbauch, unerklärliche Gewichtsabnahme und eventuell durch Probleme beim Stuhlgang und Wasserlassen bemerkbar. Suchen Frauen früh den Arzt auf, ist die Chance größer, den Krebs erfolgreich zu behandeln.

Wie wird Gebärmutterkrebs diagnostiziert?

Besteht Verdacht auf Gebärmutterkrebs, können eine gynäkologische Untersuchung und eine Ultraschalluntersuchung von der Scheide aus erfolgen. Bei letzterer führt der Arzt den Schallkopf in die Scheide ein und kann am Bildschirm Unregelmäßigkeiten der Gebärmutterschleimhaut erkennen.

Die zuverlässigste Untersuchungsmethode ist die Spiegelung mit Ausschabung der Gebärmutter. Ärzte bezeichnen dieses Verfahren als Hysteroskopie mit fraktionierter Abrasio oder Kürettage. Bei dieser Methode führt der Arzt einen Schlauch mit eingebauter Kamera über die Scheide in die Gebärmutterhöhle ein, um die Schleimhaut zu begutachten. Gebärmutterhals und Gebärmutterkörper werden getrennt ausgeschabt, sodass sich Zellen aus den verschiedenen Teilen des Organs nicht vermischen. Bei der anschließenden Untersuchung des Gewebes kann der Pathologe etwaige Zellveränderungen erkennen.

Wurde ein Endometriumkarzinom entdeckt, schließen sich weitere Untersuchungen an, um die Ausdehnung der Erkrankung festzustellen. Von der Ausbreitung der Krebserkrankung hängen ihre Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen ab.

Bildgebende Verfahren wie ein Ultraschall des Oberbauchs und Röntgen-Aufnahmen des Brustkorbs zeigen, ob und wie weit der Tumor in die Umgebung eingedrungen ist und ob sich bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet haben. Ebenso kann unter Umständen eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie klären, wie weit sich die Krebserkrankung ausgedehnt hat. Eine Spiegelung von Darm und Harnblase sowie eine Kontrastmitteldarstellung der Nieren und Harnwege geben Aufschluss, ob das Karzinom diese Organe befallen hat.

Welche Stadien gibt es?

Mediziner unterscheiden:

  • Stadium I: Der Tumor hat sich noch nicht über Schleimhaut und Muskelwand des Gebärmutterkörpers ausgedehnt.
  • Stadium II: Der Tumor hat sich bereits auf den Gebärmutterhals ausgedehnt, aber noch keine anderen Organe befallen.
  • Stadium III: Der Tumor hat sich außerhalb der Gebärmutter ausgebreitet, aber nicht außerhalb des Beckens. In diesem Stadium ist der Tumor entweder in andere Organe wie Eierstöcke, Scheide oder Beckenlymphknoten eingedrungen oder er hat Metastasen im Bauchfell gebildet.
  • Stadium IV: Krebs ist in die Harnblasenwand oder den Mastdarm eingewachsen oder hat sich außerhalb des Beckens in andere Körperregionen ausgebreitet. Auch die Schleimhäute der Blase beziehungsweise des Darms sind also befallen oder es finden sich Metastasen in weit entfernten Organen wie Lunge, Leber oder Knochen.

Unregelmäßige Blutungen gelten als Warnsignal. Aus diesem Grund wird das Endometriumkarzinom meist relativ früh entdeckt, bei fast 90 Prozent der Betroffenen in den Stadien I oder II.

Wie wird die Krankheit behandelt?

Die Therapie des Gebärmutterkrebses hängt in erster Linie von der Ausbreitung der Erkrankung und von der Aggressivität der Krebszellen ab, aber auch von den Wünschen der Patientin.

Um ein Endometriumkarzinom zu behandeln, ist in der Regel eine sogenannte Totaloperation notwendig. Dabei entfernt der Operateur die Gebärmutter, die Eierstöcke und nahe Lymphknoten vollständig. Mediziner bezeichnen die Entfernung der Gebärmutter auch als Hysterektomie. Der Pathologe untersucht parallel, inwieweit das Gewebe und die Lymphknoten befallen sind. Davon hängen die weiteren Behandlungsschritte ab, zum Beispiel die Entscheidung, ob auch Teile der Scheide entfernt werden müssen.

Meistens schließt sich an die Operation eine Strahlentherapie an (adjuvante Strahlentherapie). Sie kann die Operation ergänzen und die Heilungschancen verbessern. Die Strahlentherapie senkt das Risiko, dass der Tumor wieder auftritt (Rezidiv). Wenn der allgemeine Gesundheitszustand der Patientin keine Operation zulässt oder die Krebserkrankung weit fortgeschritten ist, gilt meist die alleinige Strahlentherapie ohne Operation als Methode der Wahl.

Nach der Operation eines fortgeschrittenen Endometriumkarzinoms kann alternativ zur Strahlentherapie auch eine Chemotherapie erfolgen. Möglich ist weiterhin auch eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie.

Abhängig vom Umfang der Operation können im Anschluss weitere Behandlungen notwendig werden, beispielsweise wenn Verwachsungen im Operationsbereich vorliegen oder sich Flüssigkeit im Zwischenzellraum gesammelt hat (Lymphödeme). Ebenso wenn die Patientin an Wechseljahresbeschwerden leidet, nachdem ihr die Eierstöcke entnommen wurden.

Bei einigen Frauen mit Gebärmutterkrebs kommt anstelle von Operation und Strahlen- oder Chemotherapie eine Hormontherapie mit Gestagenen infrage, zum Beispiel bei Frauen mit Kinderwunsch, bei denen die Krebserkrankung in einem noch frühen Stadium ist. Die Hormontherapie kann in bestimmten Fällen auch zusätzlich zu den anderen Therapieoptionen erfolgen.

Was geschieht nach der Behandlung?

Nach dem Krankenhausaufenthalt für die Operation kann eine mehrwöchige Rehabilitationsbehandlung sinnvoll sein.

Im Anschluss an eine Gebärmutterkrebs-Behandlung muss die Patientin regelmäßig zur Nachsorgeuntersuchung, in den ersten zwei bis drei Jahren vierteljährlich. Hier kontrolliert der Arzt nicht nur, ob der Tumor wieder ausgebrochen ist (Rezidiv), sondern er untersucht auch auf mögliche Folgeschäden der Operation oder der Strahlentherapie. Darüber hinaus berät und betreut er die Frau in psychosozialen Fragen, auch zu Themen wie Sexualität und Partnerschaft.

Was kann man selbst zur Vorsorge tun?

Dem Gebärmutterkrebs kann man nur eingeschränkt vorbeugen. Zu den möglichen Maßnahmen gehört, sich gesund und ausgewogen zu ernähren und Übergewicht zu vermeiden.

Die wichtigste Vorsorgemaßnahme besteht darin, Blutungsunregelmäßigkeiten nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern in diesem Fall sofort einen Frauenarzt aufzusuchen.

Geregelte Früherkennungsuntersuchungen, wie den Abstrich zum Erkennen von Gebärmutterhalskrebs, gibt es bei Gebärmutterkrebs nicht. Wenn Frauen mehrere Risikofaktoren für ein Endometriumkarzinom haben, können regelmäßige Ultraschalluntersuchungen sinnvoll sein.