Was ist Lungen­krebs?

Bösartige Neubildungen in der Lunge bezeichnet man als Lungenkrebs, in der Fachsprache Bronchialkarzinom. Rauchen ist die Hauptursache für die Entstehung von Lungenkrebs. Diese Tumoren sind die häufigste Krebstodesursache in Deutschland. 

Von Lungenkrebs sind Männer annähernd dreimal häufiger betroffen, doch erkranken immer mehr Frauen. In der Altersgruppe unter 40 Jahren leiden inzwischen ähnlich viele Frauen an Lungenkrebs wie Männer. Ursache ist die zunehmende Zahl der Raucherinnen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, dass sich ein Lungenkrebs entwickelt.

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 50.000 Menschen an Lungenkrebs.

Wer das Rauchen aufgibt, kann das Risiko für Lungenkrebs deutlich senken: Wer bereits im Jugendalter mit dem Rauchen beginnt, hat ein bis zu 30-fach erhöhtes Risiko für Lungenkrebs.

Auch nach vielen Jahren des Rauchens und im fortgeschrittenen Alter lohnt es sich noch aufzuhören. Der Rauchstopp wirkt sich auch günstig auf das Herz-Kreislauf-System aus und das Risiko für viele andere Krebsarten sinkt ebenfalls.

Wie entsteht Lungenkrebs?

Hauptursache für die Entstehung von Lungenkrebs ist das Rauchen. Über 90 Prozent aller Menschen mit einem bösartigen Tumor in der Lunge sind Raucher. Mit zunehmender Zahl der pro Tag gerauchten Zigaretten oder Zigarren und der Anzahl der Jahre, die man geraucht hat, steigt das Risiko für Lungenkrebs erheblich. Zum Beispiel haben männliche Raucher ein 24-fach höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, als lebenslange Nichtraucher.

Auch Passivrauchen erhöht das Lungenkrebsrisiko deutlich. Bei Nichtrauchern, die mit einem rauchenden Partner zusammenleben, steigt das Lungenkrebsrisiko um 24 bis 37 Prozent. Wer als Nichtraucher viele Jahre lang starkem Rauchen am Arbeitsplatz (zum Beispiel in Gaststätten) ausgesetzt war, hat ein zweifach erhöhtes Lungenkrebsrisiko.

Von wesentlich untergeordneter Rolle für die Entstehung von Lungenkrebs sind andere Faktoren wie das berufsbedingte Inhalieren von Stoffen wie Asbeststaub, Dieselabgasen, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, Uran, Nickel oder Chrom, darüber hinaus Umweltfaktoren wie die Luftverschmutzung und Feinstaub oder eine durchgemachte Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV) oder Epstein-Barr-Viren (EBV) sowie eine Tuberkulose.

Wie bei allen anderen Krebserkrankungen gibt es eine erbliche Veranlagung für Lungenkrebs. Zusätzlich sollen Ernährungsfaktoren eine gewisse Rolle spielen. Möglicherweise schützt der Verzehr von frischem Obst vor Lungenkrebs. Sichere Aussagen lassen sich derzeit jedoch nicht machen.

Die beste Möglichkeit, Lungenkrebs vorzubeugen, ist der konsequente Verzicht auf das Rauchen von Tabakprodukten.

Wie äußert sich die Erkrankung?

Lungenkrebs verursacht im Anfangsstadium oftmals keine oder nur wenige und uncharakteristische Beschwerden. Häufig wird er deshalb nur zufällig etwa bei einer Röntgenuntersuchung entdeckt, die aus einem anderen Grund erfolgte. Mögliche Symptome sind ein neu aufgetretener, wochenlang anhaltender oder sich verschlimmernder chronischer Husten sowie Schmerzen im Bereich des Brustkorbs. Weiterhin können Heiserkeit und Atembeschwerden bis hin zu Atemnot auftreten. Dringend abklärungsbedürftig ist ein Bluthusten. Verdächtig sind auch eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung, die trotz einer Behandlung mit Antibiotika nicht ausheilen.

Wie bei anderen Krebserkrankungen auch können beim Lungenkrebs uncharakteristische Beschwerden auftreten. Diese sind:

  • Rascher Gewichtsverlust
  • Nächtliches starkes Schwitzen
  • Fieber und allgemeiner Leistungsknick

Andere mögliche Beschwerden können auf eine Ausbreitung des Tumors im Brustkorb oder die Bildung von Tochtergeschwülsten, sogenannte Metastasen, hinweisen.

Bestimme Arten von Lungenkarzinomen sind in der Lage, Hormone zu bilden. Diese sind auch im Blut nachweisbar und beeinflussen den natürlichen Hormonhaushalt (sogenannte paraneoplastische Syndrome). Die Hormonüberproduktion führt dann möglicherweise zu Beschwerden, die den Verdacht auf Lungenkrebs lenken, zum Beispiel das Cushing-Syndrom, das durch einen erhöhten Kortisolspiegel entsteht. Symptome des Cushing-Syndroms sind unter anderem ein "Vollmondgesicht“, vermehrtes Fettgewebe am Rumpf, Muskelschwund an Armen und Beinen sowie ein erhöhter Blutzuckerspiegel.

Nur ein früh erkannter Lungenkrebs ist heilbar. Vor allem starke Raucher sollten deshalb beim geringsten Anzeichen für eine bösartige Lungenerkrankung unverzüglich den Arzt aufsuchen und die Beschwerden abklären lassen.

Wie wird Lungenkrebs diagnostiziert?

Bei Verdacht auf Lungenkrebs sind einige Untersuchungen notwendig, um herauszufinden, ob es sich wirklich um einen bösartigen Tumor handelt oder ob eine andere Erkrankung für die Beschwerden verantwortlich ist. Im Hinblick auf die Therapie und die Prognose ist es außerdem wichtig festzustellen, um welche Krebsart es sich handelt und wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.

Auf eine ausführliche Befragung (Anamnese) zu den Beschwerden, etwa Husten, blutiger Auswurf, Atemnot, Fieber und Gewichtsverlust, und der Vorgeschichte des Patienten folgt eine gründliche körperliche Untersuchung durch den Arzt. Er hört die Lungen mit dem Stethoskop ab, tastet und klopft den Brustkorb ab, um mögliche Schalländerungen festzustellen.


Die Diagnose ergibt sich unter anderem aus bildgebenden Untersuchungen wie Röntgenuntersuchungen oder einer Computertomografie (CT) der Lunge.

Zudem führt der Arzt bei Verdacht auf ein Bronchialkarzinom eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) zur Diagnose durch.

Blutuntersuchung

Die Blutwerte liefern Informationen über den Allgemeinzustand des Patienten. Im Blut findet man Hinweise auf mögliche Blutungen oder Entzündungen. Die Nierenfunktion und die Aktivität der Leber können anhand der Blutwerte ebenfalls beurteilt werden. Daneben lassen sich sogenannte Tumormarker bestimmen. Dies sind spezielle Eiweiße, die ein bösartiger Tumor in hohem Maße bildet und die im Blut nachweisbar sind.

Bronchialkarzinome produzieren vorzugsweise die Tumormarker CEA (Carcinoembryonales Antigen), NSE (Neuronenspezifische Enolase) und SCC (Squamous Cell Carcinoma). Tumormarker sind allerdings nicht sehr spezifisch, da sie zum einen auch bei Gesunden vorkommen können und andererseits ihre Abwesenheit eine Krebserkrankung keinesfalls ausschließt.

Meistens werden Tumormarker genutzt, um zu beobachten, wie die Erkrankung verläuft und wie die Therapie wirkt. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass ein Ansteigen der Werte gerade bei einer fortgeschrittenen Erkrankung nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass sich die Situation verschlechtert. Ein kurzfristiger Anstieg der Tumormarker kann auch ein Hinweis darauf sein, dass die Behandlung sehr gut wirkt. Denn dann gehen viele Tumorzellen zugrunde und „entsorgen“ ihre Bestandteile über das Blut. Tumormarker sind weder für die sichere Diagnose noch für die Kontrolle des Krankheitsverlaufs ausreichend verlässlich. Der Arzt kann die Einzelheiten erklären.

Röntgenuntersuchung

Auf Röntgenbildern des Brustkorbs beurteilt man die Lungen und das Herz. Im Röntgenbild zeigt sich ein Tumor als sogenannter Rundherd, der sich vom übrigen Lungengewebe abgrenzt. Man kann dann weitere diagnostische Untersuchungen veranlassen, um den Tumor hinsichtlich seiner Gutartigkeit oder Bösartigkeit einzustufen.

Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT)

Schichtaufnahmen des Brustkorbs inklusive Oberbauchregion lassen die genaue Beurteilung der Lage eines Tumors sowie seine Beziehung zu den Organen in der Nachbarschaft zu. Auch ein möglicher Befall von Lymphknoten sowie eine Streuung in andere Organe lassen sich so feststellen.

Lungenspiegelung

Einen großen diagnostischen Wert besitzt die Lungenspiegelung (Bronchoskopie). Unter einer leichten Betäubung wird ein biegsames Rohr, an dem eine Kamera befestigt ist, über die Nase und die Luftröhre bis in die Bronchien vorgeschoben. So hat der Arzt direkte Einsicht in das Bronchialsystem und kann dabei auch gleich Gewebeproben entnehmen (Biopsie) und diese anschließend unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersuchen (Histologie).

Mediastinoskopie

Bei dringendem Verdacht auf befallene Lymphknoten erfolgt zusätzlich eine Spiegelung des mittleren Brustraums (Mediastinum), der sich zwischen den beiden Lungenflügeln befindet (Mediastinoskopie). Dabei macht der Arzt unter Vollnarkose einen kleinen Schnitt über dem Brustbein und schiebt ein Spiegelgerät in den mittleren Brustraum vor. Dabei kann er verdächtige Lymphknoten entfernen und weiter feingeweblich untersuchen. Diese Untersuchung ist besonders dann sinnvoll, wenn aus dem Tumor selbst kein Gewebe entnommen werden kann.

Positronenemissionstomografie (PET)

Durch die Positronenemissionstomografie lassen sich Lymphknoten im Mediastinum, dem Raum zwischen den Lungenflügeln, besonders gut bildlich darstellen. Die Untersuchung ist aussagekräftiger als die CT-Untersuchung. Bei negativem PET sind mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Lymphknoten befallen, positive PET-Befunde sollten jedoch stets durch Gewebeentnahme überprüft werden.

Lungenfunktionsprüfung

Vor einer Operation ist es wichtig, die Funktion der Lunge zu testen. Sie gibt Aufschluss darüber, ob auch nach Entfernung eines Teils der Lunge oder eines ganzen Lungenflügels genügend Reserve bleibt, um eine ausreichende Atemfunktion zu gewährleisten.

Ultraschalluntersuchung

Die Ultraschalluntersuchung oder auch Sonografie dient hauptsächlich dem Nachweis von Flüssigkeit im Pleuraspalt. Der Pleuraspalt ist der Bereich, an dem die beiden Blätter des Lungenfells normalerweise dicht aneinander liegen. Dieser Spalt kann sich bei einer Lungenentzündung, aber auch bei bösartigen Erkrankungen durch Eintritt von Flüssigkeit zu einem Raum erweitern. Das sogenannte Pleurawasser lässt sich im Ultraschall gut nachweisen.

Mit der Ultraschalluntersuchung des Bauchraums lassen sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in der Leber ausschließen.

Skelettszintigrafie

Bei der Szintigrafie wird eine schwach radioaktive Substanz in die Vene gespritzt, die sich dann über das Blut im Körper verteilt und auf charakteristische Weise in den Knochen anreichert. Die Skelettszintigrafie dient dem Nachweis von Tochtergeschwülsten (Metastasen) des Lungenkrebses in den Knochen. Das knöcherne Skelett ist häufig von einer Streuung des Bronchialkarzinoms betroffen. In Ergänzung mit den Röntgenbildern kann man dann entscheiden, ob die Metastasen bestrahlt oder operiert werden müssen, damit es nicht zu einem Knochenbruch (Fraktur) kommt.

In welche Stadien und Formen wird die Erkrankung eingeteilt?

Histologie

Betrachtet man Lungenkrebsgewebe unter dem Mikroskop (Histologie), so lassen sich verschiedene Zelltypen unterscheiden. Histologisch lässt sich das kleinzellige Bronchialkarzinom vom nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom abgrenzen. Der kleinzellige Lungenkrebs macht etwa 25 Prozent der Fälle aus.

  • Nicht-kleinzellige Bronchialkarzinome unterteilt man weiter in Plattenepithelkarzinome, Adenokarzinome, das großzellige Bronchialkarzinom sowie weitere seltenere Formen. Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome sind die häufigsten Zellformen des Lungenkrebses. Das Adenokarzinom wird im Gegensatz zu den anderen Bronchialkarzinomen auch bei Nichtrauchern gehäuft beobachtet.
  • Das kleinzellige Bronchialkarzinom zeichnet sich durch eine frühe und rasche Metastasierung aus. Es streut vor allem über den Lymphweg und über die Blutbahn in die Leber, die Nebennieren, das Gehirn, die Nieren und die Knochen (vor allem in die Wirbelsäule). Eine Metastasierung zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ist wahrscheinlich.

Tumorstadium (TNM-System)

Neben dem Zelltyp bestimmen hauptsächlich der Grad der Ausbreitung und das Tumorstadium die Therapie und Prognose der Lungenkrebserkrankung. Das Stadium, in dem sich der Krebs befindet, wird international nach dem sogenannten TNM-System klassifiziert:

  • T steht als Kürzel für den Tumor, die Zahlen 0 bis 4 geben die Größe und Ausdehnung der bösartigen Geschwulst an. Ein Bronchialkarzinom im Stadium T1 ist in der größten Ausdehnung höchstens 3 Zentimeter, im Stadium T2 ist der Tumor über 3 Zentimeter groß oder er hat sich in den Hauptbronchus ausgebreitet und im Stadium T3 und T4 hat er sich bereits auf die umliegenden Strukturen wie Brustwand, Luftröhre, Herz, Speiseröhre, Haut oder die großen Blutgefäße ausgedehnt.
  • N steht für Nodulus, der lateinische Begriff für Lymphknoten. N gibt das Ausmaß der von Krebszellen befallenen Lymphknoten an. Im Stadium N0 sind keine Tumorzellen in den Lymphknoten nachweisbar, wohingegen das Stadium N3 einen ausgedehnten Lymphknotenbefall bedeutet.
  • M steht für Fernmetastasen und gibt an, ob der Krebs gestreut und Tochtergeschwülste in anderen Organen abgesiedelt hat. M0 bedeutet, dass keine Fernmetastasierung stattgefunden hat. M1 bedeutet, dass Tochtergeschwülste als weiteres Zeichen einer fortgeschrittenen Krebserkrankung vorhanden sind. 

Limited und extensive disease

Beim kleinzelligen Bronchialkarzinom unterscheidet man, ob es sich um eine begrenzte Ausbreitung des Tumors (limited disease) oder eine fortgeschrittene Erkrankung (extensive disease) handelt.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die Therapie der Lungenkrebserkrankung richtet sich nach der Art des bösartigen Tumors und seiner Ausbreitung. Kleinzellige und nicht-kleinzellige Bronchialkarzinome sprechen unterschiedlich auf die verschiedenen Behandlungsverfahren an. Das gilt besonders für die Chemotherapie. Außerdem sind der Allgemeinzustand und die Lungenfunktion des Betroffenen maßgeblich entscheidend dafür, welche Therapie sinnvoll ist. Grundsätzlich unterscheidet man ein kuratives von einem palliativen Therapieziel.

Das Hauptziel kurativer Therapien ist die Heilung des Patienten von der Erkrankung. Dazu gehört die vollständige Entfernung des Tumors ohne Hinterlassen jeglicher Tumorreste, das heißt, es dürfen nach erfolgreicher Behandlung keine Metastasen oder befallene Lymphknoten nachweisbar sein.

Eine palliative Therapie hingegen verfolgt nicht das Ziel der Heilung des Patienten, sondern vielmehr eine Verbesserung seiner Lebensqualität. Dazu gehört zum Beispiel die Linderung seiner Schmerzen. Dabei verlängert sich gelegentlich auch die Lebenszeit. Palliativ behandelt man Krebserkrankungen, bei denen zu Beginn oder im Verlauf keine Aussicht auf Heilung besteht.

Zur Behandlung des Lungenkrebses stehen grundsätzlich drei Therapieformen zur Verfügung.

Operation

Ziel der Operation mit kurativem Ansatz ist es, den Tumor und alle möglicherweise mitbefallenen Strukturen vollständig zu entfernen. Je nach Ausmaß des Tumors ist eine entsprechend radikale Operation erforderlich. Manchmal reicht die Entfernung eines Lungensegmentes (Lungenteilresektion) oder eines Lungenlappens (Lobektomie). Manchmal ist es notwendig, einen ganzen Lungenflügel zu entfernen (Pneumektomie).

Wie bei jeder Operation gibt es Risiken und Komplikationen. So kann es zu Verletzungen von anderen Organen, Nerven und Blutgefäßen kommen, die Blutungen und Nachblutungen nach sich ziehen können. Infektionen, vor allem im Bereich der Wunde, können schlimmstenfalls zu einer Blutvergiftung führen. Blutgerinnsel (Thrombosen und Embolien) kommen selten vor.

Für eine Operation kommen vor allem die nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinome infrage. Der kleinzellige Lungenkrebs tritt trotz operativer Entfernung meist rasch wieder auf und eignet sich deshalb besser für eine Chemotherapie.

Chemotherapie

Die Medikamente, die bei einer Chemotherapie zur Behandlung einer Krebserkrankung zum Einsatz kommen, nennt man Zytostatika. Es sind Zellgifte, die Krebszellen eher angreifen als gesunde Zellen. Sie wirken vor allem auf sich teilende Zellen. Da sich Krebszellen sehr rasch und häufig teilen, werden diese bevorzugt zerstört.

Zytostatika können einzeln als Monotherapie oder auch kombiniert verabreicht werden. Die Chemotherapie erfolgt in Zyklen, die aus Zeiträumen, in denen die Patienten Medikamente erhalten, und medikamentenfreien Pausen (Intervalle) bestehen.

Leider beschädigen die Zellgifte nicht nur bösartig entartetes, sondern auch gesundes Gewebe. Dies bedeutet, dass eine Chemotherapie im Prinzip jedes Organ mehr oder weniger in Mitleidenschaft ziehen kann.

Nebenwirkungen einer Chemotherapie äußern sich zum Beispiel durch Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle. Solche Nebenwirkungen lassen sich im Vorfeld häufig durch die Gabe entsprechender Medikamente verhindern oder zumindest lindern. Eine erhöhte Infektionsgefahr, Entzündungen der Schleimhäute, Haarausfall und eine allgemeine Abgeschlagenheit können als Nebenwirkungen der Chemotherapie ebenfalls auftreten.

Das kleinzellige Bronchialkarzinom spricht am besten auf eine Chemotherapie an. Bei nicht-kleinzelligen Tumoren wird die Chemotherapie häufig adjuvant, das heißt zusätzlich und unterstützend zu einer Operation oder Strahlentherapie, durchgeführt.

Strahlentherapie

Zur Behandlung des Lungenkrebses eignet sich außerdem eine Strahlentherapie.

Röntgenstrahlung in bestimmter Dosierung verursacht Zellschäden, von denen sich gesunde Zellen schneller erholen können, da sie über bessere Reparaturmechanismen verfügen. Tumorzellen, die primitiver und anfälliger sind, sterben hingegen ab.

Beim kleinzelligen Lungenkrebs kann man mit einer sogenannten Tumorvernichtungsdosis von 50 Gray eine Reduktion der Tumormasse erreichen.

Da eine Strahlentherapie auch gesundes Gewebe in Mitleidenschaft zieht, kann es zu sogenannten frühen und späten Strahlenschäden als Nebenwirkung kommen. Nebenwirkungen wie Blutbildveränderungen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen als Reaktion des Körpers auf die plötzliche hohe Strahlenbelastung erfordern regelmäßige Untersuchungen. Später beobachtet man vor allem Reizungen der Haut und Schleimhäute, die zu Entzündungen führen können.

Die Brachytherapie, die Bestrahlung von innen, kommt infrage, um tumorbedingte Verengungen der Atemwege zu lindern. Bei der Brachytherapie wird über ein Bronchoskop (ein biegsamer, dünner Schlauch, an dessen Endstück eine Kamera befestigt ist) eine radioaktive Strahlungsquelle direkt an die betroffene Stelle gebracht. Die Reichweite der eingesetzten Strahlung ist sehr gering, andere Gewebe werden weitestgehend geschont. Diese Behandlung erfordert eine kurze Narkose und erfolgt deshalb meist bei einem kurzen Krankenhausaufenthalt. Die meisten Patienten benötigen nur eine Behandlung.

Eine vorsorgliche Bestrahlung des Kopfes kann Patienten vor Metastasen im Gehirn schützen. Die Bestrahlung hilft auch, wenn schon Hirnmetastasen aufgetreten sind, sie kann Beschwerden lindern und das Fortschreiten der Erkrankung im Gehirn verlangsamen.
 

Die nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinome sprechen in der Regel weniger gut auf eine Strahlentherapie an. Deshalb erhalten eher Patienten in fortgeschrittenen Stadien unter palliativen Aspekten eine Bestrahlung.

Behandlung mit neuen Medikamenten

Für die Behandlung von Lungenkrebs gibt es seit einigen Jahren Antikörper und andere Wirkstoffe, die sich gezielt gegen bestimmte Faktoren, die für das Wachstum der Tumorzellen notwendig sind, richten. Sie verhindern also, dass sich die Tumorzellen vermehren können oder hungern den Tumor sozusagen aus. Die Behandlung mit diesen neuen Medikamenten erfolgt in der Regel in Kombination mit einer Chemotherapie.


Psychoonkologische Behandlungsmaßnahmen dienen im Gesamtkonzept der Krebstherapie dazu, physische sowie psychosoziale Krankheits- und Behandlungsfolgen zu reduzieren, die Krankheitsverarbeitung zu erleichtern und die Lebensqualität zu verbessern. Angehörige sollten einbezogen werden.

Wie ist die Prognose?

Die Prognose einer Lungenkrebserkrankung ist von zahlreichen Faktoren wie Krebsart, Ausdehnung, Allgemeinzustand und Alter abhängig. Wahrscheinlich spielt auch das Geschlecht eine Rolle, da bei Frauen bessere Therapieerfolge beobachtet werden.

Leider ist der Lungenkrebs das am häufigsten zum Tode führende Karzinom. Unbehandelt würde ein kleinzelliges Bronchialkarzinom innerhalb weniger Wochen bis Monate tödlich verlaufen. Die beste Prognose unter allen bösartigen Neubildungen der Lunge hat das Plattenepithelkarzinom in einem frühen Stadium (T1) ohne Beteiligung von Lymphknoten und ohne Nachweis von Metastasen.

Was sollte man nach der Therapie beachten?

Direkt im Anschluss an den Klinikaufenthalt ist nach abgeschlossener Therapie meist eine Anschlussheilbehandlung (AHB) sinnvoll, um sich wieder vollständig zu erholen.

Wichtig ist neben einer Umstellung der Lebensgewohnheiten vor allem der konsequente Verzicht auf das Rauchen. Dies verbessert die Prognose maßgeblich. Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen ermöglichen es, Folgeerkrankungen oder ein Wiederauftreten der Krankheit zu erkennen und eine rechtzeitige Behandlung einzuleiten.

Für viele Betroffene ist es hilfreich, sich an weitere Institutionen zu wenden, um Informationen über ihre Krankheit und Unterstützung bei der Wiedereingliederung in ihren häuslichen Alltag zu finden. Dafür eignen sich neben diversen Selbsthilfegruppen auch Einrichtungen wie die Deutsche Krebshilfe, die über ein umfangreiches Informationsmaterial zu weiterführenden ambulanten und nachsorgenden Angeboten (wie psychosoziale Krebsberatungsstellen, niedergelassene Psychotherapeuten, Sozialdienste usw.) und wichtige Adressen verfügen.