Die meisten Blutschwämmchen bilden sich von allein zurück. Es kommt nur selten vor, dass ältere Kinder aufs Neue ein Blutschwämmchen bekommen. Erwachsene sind ebenfalls nur in seltenen Fällen betroffen.

Diese relativ häufigen, gutartigen Gefäßtumoren entstehen durch unterschiedliche, teilweise unbekannte Ursachen. Ausgangspunkt der Neubildung ist das Endothel, also die Zellschicht, die alle Blutgefäße innen auskleidet. Hämangiome können überall entstehen, wo Blutgefäße sind. Sie können im ganzen Körper auftreten, zum Beispiel in der Leber oder anderen inneren Organen. Am häufigsten sind sie an Kopf und Hals. Kommen mehrere Blutschwämmchen zugleich vor, spricht man von Hämangiomatose.

Merkmal dieser Gefäßneubildung ist, dass sie in drei Phasen verläuft: ein meistens über sechs bis neun Monate dauerndes Wachstum, anschließend Stillstand und Rückbildung. Die Rückbildungsphase verläuft je nach Größe und Lokalisation des Hämangioms unterschiedlich rasch und ist meist bis zum neunten Lebensjahr abgeschlossen.

Von Hämangiomen zu unterscheiden sind Fehlbildungen der Blut- und Lymphgefäße. Sie sind bereits bei der Geburt vorhanden und bilden sich nicht mehr zurück.

Wie äußert sich ein Hämangiom?

Die erhabenen, hell- bis dunkelroten, weichen Hämangiome verursachen in der Regel keine Beschwerden. Komplikationen können auftreten, wenn Hämangiome das Wachstum, die Entwicklung oder andere Funktionen behindern. Dies kann der Fall sein bei Hämangiomen 

am oder im Auge: Behinderung der Augenöffnung mit möglicherweise nicht rückbildungsfähiger Sehschwäche, Druck auf den Augapfel mit Auswirkungen auf die Brechkraft und die Sehfähigkeit des Auges, Erblindung;

  • am Mund: Behinderung der Nahrungsaufnahme, Deformierung der Lippen, Fehlstellungen von Kiefer und Zähnen;
  • an der Nase: Anomalien des Nasenskeletts, Behinderung der Nasenatmung;
  • am Ohr: Beeinflussung des Ohrwachstums, Knorpeldeformierungen;
  • im Anal- und Genitalbereich: Tendenz zu Blutungen, Infektionen, Schmerzen und Hautentzündungen. 

Sehr große, ausgedehnte Hämangiome können außerdem zu Kreislauf-, Blutungs- und Blutgerinnungsproblemen führen.

In der Rückbildungsphase gehen kleine Hämangiome meist vollständig zurück, sodass nichts mehr davon zu sehen ist. Größere Hämangiome können auch nach Abheilung als ästhetisch störend empfunden werden, da sichtbare Hautveränderungen zurückbleiben, zum Beispiel mit bloßem Auge sichtbare Kapillargefäße (Teleangiektasien), Narben, eine veränderte Pigmentierung oder andere Hautveränderungen.

Wie werden Hämangiome festgestellt?

Die Hautveränderungen bei Hämangiomen und Gefäßfehlbildungen sind auf den ersten Blick nicht voneinander zu unterscheiden. Daher muss der Arzt klären, ob es sich bei der Hautveränderung tatsächlich um ein Hämangiom handelt oder um eine Gefäßfehlbildung. Wichtig ist auch die Identifikation der Phase, in der sich das Hämangiom befindet. Hierzu können der Arzt und die Eltern die Hautveränderung in regelmäßigen Abständen fotografieren und die Aufnahmen miteinander vergleichen.

Anhand von Ultraschallaufnahmen kann der Arzt feststellen, wie tief sich die Hautveränderung ausdehnt. Bei klarer klinischer Diagnose "kindliches (infantiles) Hämangiom" ist es nicht nötig, die Diagnose histologisch zu sichern.

Bei bestimmten Hämangiomen ist eine weitergehende Diagnostik nötig, zum Beispiel eine Kernspintomografie unter anderem bei Verdacht auf Beteiligung von inneren Organen, Augen oder Nerven.

Bei ausgedehnten oder vielen Hämangiomen ist daran zu denken, dass weitere Fehlbildungen oder Krankheiten vorliegen könnten.

Wie werden Hämangiome behandelt?

Die Behandlung von Hämangiomen richtet sich nach Art, Lokalisation, Ausdehnung und Verlauf und einigen anderen Kriterien. Bei Hämangiomen in sogenannten Problemzonen (zum Beispiel am Auge oder an den Atemwegen) ist eine frühzeitige Behandlung sinnvoll, um Komplikationen zu vermeiden. Gleiches gilt für ausgedehnte, stark wachsende oder komplizierte Hämangiome.

Bei kleinen Hämangiomen am Körperstamm, an den Armen oder an den Beinen kann eine Behandlung in der Wachstumsphase sinnvoll sein, wenn durch Größenwachstum des Kindes Komplikationen auftreten könnten. Man kann diese aber auch zunächst nur beobachten.

Bei unkomplizierten Hämangiomen, die keine Beschwerden verursachen und nicht mehr wachsen oder sich bereits zurückbilden, sollte keine Behandlung erfolgen, da ein Behandlungsergebnis nicht besser ist als das Ergebnis nach Spontanheilung. Der Arzt sollte das Hämangiom aber regelmäßig kontrollieren. Sind akute Komplikationen, Entzündungen, Infektionen, Blutungen oder Schmerzen während der Spontanheilung zu erwarten, ist natürlich eine Behandlung erforderlich.

Es stehen vielfältige Möglichkeiten der Therapie zur Verfügung; welche Behandlungsform im Einzelfall am besten geeignet ist, beurteilen die behandelnden Ärzte. Behandlungsmöglichkeiten sind: 

  • Kryotherapie (Vereisung mit flüssigem Stickstoff): Narben sind selten, eine Blasen- und Krustenbildung ist möglich. Die Ergebnisse der Kryotherapie lassen sich mit denen nach einer Lasertherapie vergleichen.
  • Lasertherapie (Farbstofflaser, Argonlaser, YAG-Laser): Nebenwirkungen treten sehr selten auf. Die Blauschwarzverfärbung der Haut verschwindet innerhalb von zwei Wochen, zu Narben kommt es in weniger als einem Prozent der Fälle. Mit der Lasertherapie kann zum Beispiel ein sehr großer Blutschwamm verkleinert und danach operativ entfernt werden.
  • Chirurgische Entfernung. Eine Operation wird aufgrund der Erfolge der frühzeitigen Kryo- und Lasertherapie nur noch in Einzelfällen durchgeführt. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Komplikationen zu befürchten sind, die sich mit den anderen Therapien nicht beherrschen lassen oder wenn ein Funktionsverlust von Auge oder Lippen droht.
  • Medikamente (Propranolol, Kortisonpräparate): Bei großen, schnellwachsenden und/oder komplizierten Hämangiomen sowie bei wachsenden Hämangiomen im Gesicht können auch Medikamente, gegebenenfalls ergänzend zu anderen Therapien, zum Einsatz kommen.