Gutartige Tumoren nennt man benigne Hodentumoren, eine Krebsgeschwulst im Hoden ist ein bösartiges (malignes) Hodenkarzinom.

Insgesamt betrachtet gehören Hodenkarzinome zu den eher seltenen Tumorerkrankungen. Etwa 6,5 von 100.000 Männern erkranken derzeit in Deutschland pro Jahr an Hodenkrebs. Bösartige Hodentumoren sind die häufigsten Tumoren bei jungen Männern. Hodenkarzinome treten typischerweise in bestimmten Lebensjahren vermehrt auf: In der Kindheit (Geburt bis zehn Jahre), im jungen Erwachsenenalter (20 bis 40 Jahre) und bei älteren Männern (über 60 Jahre).

Die Heilungschancen von Hodenkrebs sind gut. Das gilt vor allem, wenn er frühzeitig entdeckt wird. Im Frühstadium wird Hodenkrebs praktisch immer geheilt. Selbst in fortgeschrittenen Stadien besteht eine gute Heilungschance. Es ist deshalb wichtig, dass Männer ihre Hoden regelmäßig selbst untersuchen.

In über 90 Prozent der Fälle besteht der Tumor aus Gewebe, das sich aus den Keimzellen des Hodens gebildet hat, also aus den Zellen, die Samen produzieren. Diese Neubildungen bezeichnet man als Keimzelltumoren.

Was sind die Ursachen und die Risikofaktoren?

Welche Ursachen die Entstehung von Hodenkrebs hat, ist nach wie vor ungeklärt. Allerdings kennt man einige Risikofaktoren, die Hodentumoren begünstigen. Hierzu gehören zum Beispiel Entwicklungsstörungen des Hodens.

Vor allem ein sogenannter Hodenhochstand birgt ein erhöhtes Risiko für einen bösartigen Hodentumor. Hodenhochstand ist ein Oberbegriff für alle in der Entwicklung unvollständig aus der Bauchhöhle herabgewanderten Hoden (ein- oder doppelseitig). Beim männlichen Fetus werden die Hoden zuerst in der Bauchhöhle ausgebildet. Normalerweise wandern sie während der Entwicklung im Mutterleib, manchmal aber auch erst nach der Geburt abwärts in den Hodensack.

Es gibt auch gewichtige Hinweise darauf, dass die sogenannte Hypospadie, eine Fehlanlage der Harnröhrenmündung, einen Risikofaktor darstellt.

Weitere Risikofaktoren sind: Die Hodenatrophie, also eine Unterentwicklung des Hodens, Unfruchtbarkeit sowie ein zurückliegender Hodentumor auf der Gegenseite.

Eine erbliche Veranlagung, das heißt genetische Faktoren, scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen. Diese Ansicht wird durch die Beobachtung gestützt, dass es Familien gibt, in denen dieser Tumor gehäuft auftritt. Ist etwa in einer Familie mit mehreren Söhnen einer an Hodenkrebs erkrankt, so besteht für die Brüder ein statistisch etwa zwölffach erhöhtes Risiko, auch an einem solchen Tumor zu erkranken. Das Hodenkrebsrisiko steigt für den Sohn auch, wenn der Vater einen Hodenkrebs hatte.

Wie machen sich Hodentumoren bemerkbar?

Typisch für einen Hodentumor ist eine derbe einseitige Hodenschwellung, die meist keine Schmerzen verursacht. Manchmal sammelt sich zusätzlich Flüssigkeit im Hoden an (Hydrozele). Einige Hodentumoren, vor allem die Leydig-Zelltumoren, können zu Impotenz und Sterilität führen. Bei manchen betroffenen Männern kommt es zu einem Wachstum der Brustdrüsen.

Die bösartigen Hodentumoren verursachen weitere Beschwerden, die zumeist Zeichen eines fortgeschrittenen Krebsleidens sind. Hodenkarzinome streuen früh über die Lymphbahnen in die umgebenden Lymphknoten und in andere Organe, wo sie Tochtergeschwülste (Metastasen) absiedeln. Manchmal kann man befallene und vergrößerte Lymphknoten tasten. Metastasen in der Lunge können zu Luftnot führen, Tochtergeschwülste in den Knochen machen sich unter Umständen durch Schmerzen bemerkbar.

Zu den allgemeinen und unspezifischen Beschwerden, die im Rahmen einer bösartigen Tumorerkrankung auftreten, zählen Schwäche und Abgeschlagenheit, Müdigkeit und ein plötzlicher Leistungsknick. Hinzu können Fieber, eine erhöhte Schweißneigung oder nächtliches Schwitzen, eine ungewollte rasche Gewichtsabnahme oder Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Die meisten Menschen bemerken die ersten Anzeichen von Hodenkrebs selbst, manchmal auch zufällig. Am besten ist es, in regelmäßigen Abständen in entspannter Stellung (zum Beispiel unter der Dusche oder in der Badewanne) beide Hoden vorsichtig abzutasten.

Typische Beschwerden im Anfangsstadium der Erkrankung sind:

  • Schwellung oder ein Knoten im Hoden (kann schmerzlos oder auch schmerzhaft sein)
  • Schweregefühl oder ein Ziehen im Hoden
  • Schweregefühl oder ein Ziehen in der Leiste 

Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?

Zunächst untersucht der Arzt den Hoden. Wenn man Veränderungen am Hoden bemerkt, wie beispielsweise Schwellungen, ist es ratsam, einen Facharzt für Urologie aufzusuchen. Der Arzt tastet den Hoden ab und versucht, ihn gegen den Nebenhoden abzugrenzen. Ein Hodentumor fühlt sich oft derb an. Mittels einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) lässt sich der Hoden sehr genau darstellen.

Manchmal sind weitere Untersuchungen sinnvoll, wie eine Kernspintomografie des Hodens.

Um herauszufinden, ob es sich um einen gut- oder einen bösartigen Tumor handelt, muss der Hoden von der Leiste aus freigelegt und eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen werden. Unter dem Mikroskop kann der Pathologe anschließend beurteilen, um welche Art von Tumor es sich handelt. Alle weiteren Untersuchungen sowie die Therapie richten sich danach.

Bestätigt sich der Verdacht auf einen bösartigen Tumor, sind weitere Untersuchungen notwendig. Das Ausmaß der Tumorerkrankung, zum Beispiel ob er schon Metastasen in Lymphknoten oder anderen Organen gebildet hat, beurteilt der Arzt mit Hilfe der Computertomografie, mittels Röntgen- und weiteren Ultraschalluntersuchungen. Um einen beidseitigen Befall auszuschließen, wird stets auch der gegenüberliegende Hoden untersucht, oft auch mit einer Biopsie.

Außerdem gibt es bei Hodenkrebs verschiedene Tumormarker. Das sind Proteine, die sich im Blut nachweisen lassen. Sie erlauben Aussagen über das Vorliegen und den Verlauf der Erkrankung. In erster Linie dienen sie aber der Kontrolle der Therapie. Deshalb werden die Tumormarker vor Beginn der Behandlung bestimmt und während der Therapie regelmäßig überprüft.

Zwei Drittel aller Hodentumoren produzieren Tumormarker, und zwar handelt es sich dabei um alpha-Fetoprotein (AFP) und beta-humanes Choriongonadotropin (ß-HCG). AFP ist ein Eiweißstoff, der sonst nur in der Schwangerschaft im Ungeborenen erzeugt wird. Erst wenn es dazu kommt, dass die Keimzellen entarten, die die Spermien produzieren, wie zum Beispiel bei einem Hodentumor, können AFP-Werte wieder ansteigen.

ß-HCG ist ein Hormon, das sich während der Schwangerschaft im Mutterkuchen bildet. Kann man dieses Hormon bei einem Mann nachweisen, kann es ein Hinweis auf einen Hodentumor sein. Das Vorhandensein von ß-HCG bei einem Mann kann dazu führen, dass die Brustdrüsen anschwellen.

Wenn man erhöhte Werte für diese beiden Tumormarker nachweisen kann, erhärtet dies den Verdacht, dass ein bösartiger Hodentumor vorliegt.

Wird ein Hodentumor vermutet oder festgestellt, bestimmt man noch einen weiteren Laborwert bei der Blutuntersuchung, die Lactatdehydrogenase (LDH). Diese ist kein für den Hodenkrebs spezifischer Tumormarker. Aber man kann über diesen Wert die Größe der Geschwulst abschätzen. Und der Arzt kann daraus auch indirekt darauf schließen, wie weit sich die Erkrankung bereits ausgebreitet hat. Damit dient die LDH als Tumormarker.

Wie sieht die Behandlung aus?

Die Therapie richtet sich nach der Art und dem Stadium des Tumors. So werden gutartige Tumoren und gegebenenfalls auch sehr frühe Stadien des Hodenkrebses zunächst nicht behandelt, sondern nur sehr gründlich und regelmäßig kontrolliert.

Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten der Behandlung von bösartigen Hodentumoren, die einzeln oder kombiniert zum Einsatz kommen. Die chirurgische Entfernung des Hodens ist die Basis der Behandlung. Eine unterstützende Chemo- und/oder Strahlentherapie ergänzt die Operation und richtet sich vor allem gegen die Metastasen. Die Wahl der Therapieverfahren hängt von dem Tumortyp (Histologie: Seminom, Nichtseminomatöser Hodentumor) und dem Stadium des Tumors ab. Dafür gibt es verschiedene Klassifikationen.

Vereinfacht unterscheidet man bei der sogenannten Lugano-Klassifikation drei Tumorstadien:
Im Stadium I beschränkt sich der Tumor auf den Hoden beziehungsweise das umliegende Gewebe.
Im Stadium II sind Lymphknotenmetastasen unterhalb des Zwerchfells festzustellen (A: < 2 cm; B: 2-5 cm; C: > 5 cm).
Im Stadium III finden sich Organmetastasen oder Lymphknotenmetastasen oberhalb des Zwerchfells.

Operation

Der Operateur entfernt von der Leiste aus den vom Tumor befallenen Hoden, den Nebenhoden und den Samenstrang bis zum inneren Leistenring. Der Arzt bezeichnet die Entfernung des Hodens als Ablatio testis oder Orchiektomie. Bei fortgeschrittenen Tumorstadien müssen zusätzlich noch alle erreichbaren Lymphknoten im Abflussgebiet des Hodens mit entfernt werden, da sie von Metastasen befallen sein könnten. Allerdings geht die Tendenz zunehmend in die Richtung, die Metastasen durch unterstützende Chemo- oder Strahlentherapie zu behandeln.

Jede Operation beinhaltet Risiken und Komplikationen. Als Grundsatz gilt: Je umfangreicher die Operation und je mehr Gewebe und Organe vom Krebs befallen sind, desto mehr Komplikationen und Beschwerden können auftreten. Auch hier muss vor und während der Operation der Nutzen, also die Heilung des Betroffenen, im Vordergrund stehen.

Auch mit nur einem Hoden ist ein Mann voll erektionsfähig und fruchtbar. Dem verbliebenen Hoden gelingt es ohne Mühe, die erforderliche Menge an Spermien und männlichem Sexualhormon Testosteron zu produzieren. Wurden auch die nächstgelegenen Lymphknoten entfernt, kann es allerdings zu Störungen des Samenergusses kommen. Möchte der Mann noch Kinder zeugen, ist es daher überlegenswert, vor der Operation seinen Samen auf Fruchtbarkeit testen zu lassen und eventuell bei einer Samenbank zu deponieren.

Darüber nachzudenken empfiehlt sich auch deshalb, weil bei etwa einem Drittel der erkrankten Männer innerhalb der ersten zwei Jahre erneut eine Krebserkrankung auftritt, für die jedoch wieder gleich hohe Heilungschancen bestehen.

Verletzungen bestimmter Nerven oder der Samenleiter auf beiden Seiten können Ejakulationsstörungen, Impotenz und Sterilität zur Folge haben. Die operative Entfernung beider Hoden führt zwangsläufig zur Unfruchtbarkeit.

Strahlentherapie

Ionisierende, hochenergetische Strahlung in bestimmter Dosierung verursacht Zellschäden, von denen sich gesunde Zellen schneller erholen, da sie über bessere Reparaturmechanismen verfügen. Tumorzellen, die primitiver und anfälliger sind, sterben dagegen ab. Nicht alle Hodentumoren sind gleich strahlensensibel. In einigen Fällen werden nur der betroffene Hoden und die Lymphknoten in der Umgebung bestrahlt (örtliche Strahlentherapie), in anderen Fällen ist die Bestrahlung ausgedehnter.

Da auch gesundes Gewebe in Mitleidenschaft gezogen wird, bleiben Nebenwirkungen nicht aus. Man unterscheidet frühe und späte Strahlenschäden. Der Strahlenkater ist eine typische Reaktion des Körpers auf die plötzliche Strahlenbelastung, die sich mit Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen äußert. Diese Beschwerden verschwinden in der Regel schnell wieder. Die Strahlen reizen die Haut und die Schleimhäute und es kann zu Entzündungen des Zahnfleischs, der Speiseröhre, des Magen-Darm-Trakts und der Harnblase kommen.

Die Strahlentherapie, auch Radiotherapie genannt, kann außerdem Impotenz und Sterilität zur Folge haben.

Chemotherapie

Medikamente, die bei einer Chemotherapie zur Behandlung einer Krebserkrankung eingesetzt werden, nennt man Zytostatika. Dabei handelt es sich um Zellgifte, die Krebszellen eher angreifen als gesunde Zellen. Sie wirken vor allem auf sich teilende Zellen. Da sich Krebszellen sehr rasch und häufig teilen, werden sie bevorzugt zerstört.

Bei Hodentumoren ist das Medikament Cisplatin besonders wirksam. Häufig wird es mit anderen Zytostatika (Polychemotherapie) kombiniert.

Vor allem, wenn sich nach der Operation herausstellt, dass der Hodentumor Lymphknotenmetastasen gebildet hat, wird zusätzlich zur Operation die Chemotherapie gewählt.

Die Zellgifte schädigen allerdings nicht nur bösartig entartetes, sondern auch gesundes Gewebe. Im Prinzip kann also jedes Organ mehr oder weniger in Mitleidenschaft gezogen werden. Übelkeit, Erbrechen und allgemeine Abgeschlagenheit sind häufige Begleiterscheinungen einer Chemotherapie, die mit entsprechenden Medikamenten aber meist gut in den Griff zu bekommen sind.

Auch kann es wegen der keimzellschädigenden Wirkung einiger Zytostatika zu Unfruchtbarkeit und Impotenz kommen. Die Zellgifte haben ihrerseits eine gewisse krebsauslösende (kanzerogene) Wirkung. So müssen Nutzen und Risiko immer abgewogen werden. Die Chemotherapie ist allerdings bei bestimmten Hodentumoren oftmals die einzige erfolgversprechende Behandlungsmethode.

Wie ist die Prognose?

Die Prognose von Hodentumoren hängt von der Art der Neubildung, ihrer Dignität (gut- oder bösartig) und - im Falle eines bösartigen Tumors - vom Stadium ab, in dem er sich zum Zeitpunkt der Diagnose befindet. Die gutartigen Tumoren haben in der Regel eine sehr gute Prognose, sollten aber regelmäßig kontrolliert werden.

Dank der heutigen Therapie besitzen auch die meisten bösartigen Hodentumoren, abhängig vom Tumorstadium, eine gute Prognose.

Um ein Wiederauftreten der Krankheit (Rezidiv) rechtzeitig zu erkennen, ist es wichtig, nach der Therapie regelmäßig (zu Beginn alle drei Monate) zu den Nachsorgeuntersuchungen zu gehen. Dabei fallen auch mögliche Begleit- oder Folgeerscheinungen der Behandlung auf.

Der Arzt erkundigt sich nach dem bisherigen Verlauf der Erkrankung und dem allgemeinen Befinden. Dann untersucht er den Hoden der Gegenseite, nimmt Blut ab und bestimmt die für die Verlaufsbeobachtung wichtigen Tumormarker. Außerdem führt er eine Ultraschalluntersuchung des Bauches und eine Röntgenaufnahme der Lunge durch.