Nach dem Ort der Schädigung unterscheidet man die zentrale Fazialisparese, bei der sich die Schädigung im Gehirn (zentral) befindet, und die periphere Fazialisparese, bei der die Schädigung den Gesichtsnerv selbst betrifft.

Der Fazialisnerv ist für die Bewegung von Augen- und Stirnmuskulatur sowie für die Muskulatur von Wangen, Nase und Mund zuständig. Speichel- und Tränensekretion sowie die Geschmacksempfindung eines großen Teils der Zunge gehören ebenso zum Aufgabenbereich dieses Gesichtsnervs. Auch am Hörvorgang ist der Fazialisnerv durch Versorgung eines Muskels der Gehörknöchelchenkette beteiligt.

Wie äußert sich eine Fazialisparese?

Je nach Lokalisation der Schädigung des Fazialisnervs (zentral oder peripher) kommt es zu Lähmungen im Bereich verschiedener Gesichtsmuskeln sowie zu weiteren neurologischen Ausfällen. Meist ist nur eine Gesichtshälfte von der Lähmung betroffen.

Beim peripheren Lähmungstyp ist die Stirnpartie der betroffenen Seite glatt und faltenarm, die Augenbraue hängt leicht, das Runzeln von Stirn und Nase ist gestört, das Heben der Mundwinkel und das Spitzen des Munds sind eingeschränkt. Manchmal kann zum Beispiel ein Mundwinkel schlaff an einer Seite herabhängen oder ein Auge nicht vollständig geöffnet werden. Die Tränensekretion am Auge und die Geschmacksempfindung eines großen Teils der Zunge können beeinträchtigt sein. Beim Versuch, das Auge zu schließen, weicht der Augapfel unter Umständen nach oben außen ab (sogenanntes Bellsches oder Bell-Phänomen). Oft haben die Betroffenen zu Beginn im Bereich der Ohrmuschel, im Gehörgang oder im Gebiet hinter den Ohren Empfindungsstörungen oder auch Schmerzen.

Der zentrale Lähmungstyp betrifft vorwiegend die Mund- und Wangenmuskulatur, die Stirnmuskeln hingegen bleiben intakt, sodass sich beispielsweise die Stirn runzeln lässt. Dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zwischen einer peripheren und einer zentralen Störung, aber nicht immer lassen sich beide Formen damit sicher unterscheiden.

Je nach Schädigungsort kann eine Hörstörung auftreten. Eventuell ist der Betroffene extrem geräuschempfindlich.

Welche Ursachen kann eine Fazialisparese haben?

Die Fazialisparese tritt mit einer Häufigkeit von sieben bis 32 pro 100.000 Personen auf. Es gibt eine Reihe von Ursachen für die Lähmung des Fazialisnervs, die Männer und Frauen etwa gleich häufig betrifft. Allerdings haben Schwangere ein dreimal so hohes Risiko.

In den meisten Fällen, etwa bei 60 bis 75 Prozent, lässt sich der Auslöser der Fazialisparese nicht bestimmen. Dann sprechen Mediziner von einer idiopathischen Fazialisparese, die immer einseitig ist. Experten vermuten, dass mehrere Faktoren bei der Entstehung dieser Form eine Rolle spielen.

Bei etwa 25 bis 40 Prozent sind die Ursachen bekannt. Dabei kommen zum Beispiel Entzündungen, Durchblutungsstörungen und mechanische Schäden des Nervs infrage.

So kann eine Lähmung des Gesichtsnervs Folge einer Herpesinfektion des Ohrs (Zoster oticus), einer Mittelohrentzündung oder anderer erregerbedingter Entzündungen sein, zum Beispiel der Borreliose oder der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

Zu weiteren Ursachen zählen unter anderem Diabetes mellitus, Hirntumoren und Entzündungen beziehungsweise Tumoren im Bereich der Ohrspeicheldrüse. Auch im Rahmen schwerer Hirnschäden wie nach einem Schlaganfall sind Fazialisparesen möglich. Aber auch Verletzungen des Schädels wie Felsenbeinbruch kommen als Auslöser infrage.

Welche Untersuchungen sind notwendig?

Zunächst ist es wichtig, den Betroffenen sehr genau zu befragen. Dabei erkundigt sich der Arzt beispielsweise nach weiteren Beschwerden, vorausgegangenen Unfällen, Infektionen oder Ähnlichem. Auch andere Erkrankungen, zum Beispiel Bluthochdruck oder Diabetes mellitus, sind in diesem Zusammenhang von Bedeutung.

Es folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Der Arzt versucht exakt zu definieren, welche Muskeln gelähmt sind. Dazu fordert er den Patienten beispielsweise auf, die Stirn zu runzeln, die Augen zuzukneifen, die Backen aufzublasen, die Zähne zu zeigen oder zu pfeifen. Ist zum Beispiel das Stirnrunzeln bei Ausfall aller anderen Gesichtsmuskeln noch möglich, so spricht dies für eine zentrale Fazialisparese.

Des Weiteren können eine Geschmacksprüfung und/oder eine Kontrolle der Tränendrüsenfunktion erfolgen. Darüber hinaus kommen von Fall zu Fall elektrische Nervenuntersuchungen, Blutuntersuchungen und/oder bildgebende Verfahren wie zum Beispiel Röntgenaufnahmen des Schädels, Computertomografie oder Magnetresonanztomografie und/oder eine Nervenwasseruntersuchung infrage. Ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt kann bestimmte Erkrankungen wie etwa eine Herpesinfektion des Ohrs (Zoster oticus) als Auslöser der Fazialisparese erkennen oder ausschließen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung orientiert sich am Schweregrad der Fazialisparese, an den einzelnen Symptomen und an möglicherweise erfassbaren Ursachen.

Da die Ursache der Fazialisparese meist unklar bleibt, zielen therapeutische Maßnahmen vor allem darauf ab, Komplikationen zu verhindern. Ein durch die Lähmung bedingtes unvollständig schließendes Auge sollte zum Beispiel mit künstlichen Tränen und Salben versorgt werden, um es vor weiteren Schäden durch Austrocknung oder äußere Reize zu schützen.

Zudem kann eine Behandlung mit Kortison erfolgen. Je nach Auslöser kommen auch Antibiotika oder virushemmende Wirkstoffe (Virustatika) infrage. Arzt und Patient sollten die Therapieoptionen gemeinsam besprechen, um die optimale medikamentöse Behandlung im individuellen Fall herauszufinden.

Daneben ist auch die Behandlung zugrunde liegender Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Durchblutungsstörungen wichtig, um weitere Schäden zu vermeiden.

Unter Umständen können Gesichtsmassagen und Bewegungsübungen der Gesichtsmimik vor dem Spiegel hilfreich sein.

Verbleiben schwere Gesichtsmuskellähmungen, gibt es die Möglichkeit, dass Arzt und Patient chirurgische Maßnahmen erwägen.

Wie ist die Prognose der Fazialisparese?

Die Prognose einer Fazialisparese hängt entscheidend von ihrer Ursache und der Grunderkrankung ab.

Die häufig auftretende Fazialisparese unbekannter Ursache hat eine sehr gute Prognose. Sie verschwindet oft innerhalb von drei Wochen bis sechs Monaten.