Nicht alle sind echt

Der Mediziner unterscheidet echte und unechte Gelenke. Echte Gelenke bestehen aus zwei Knochen, die durch einen knorpelig ausgekleideten Gelenkspalt voneinander getrennt sind und eine Gelenkkapsel besitzen. Als unechte Gelenke werden Knochenverbindungen bezeichnet, die durch Bänder, Sehnen oder Knorpel verbunden sind, keinen Gelenkspalt haben und daher auch nur eine eingeschränkte Beweglichkeit aufweisen. Solche Gelenke finden sich zum Beispiel an den Bandscheiben oder auch zwischen den Schädelknochen. Sie sind für den Körper als sogenannte Wachstumszonen wichtig, solange der Mensch noch nicht ausgewachsen ist.  

Nutzt sich der Gelenkknorpel ab, reiben irgendwann die blanken Knochen aufeinander. Da sich die Knorpelsubstanz als schützende Pufferschicht nicht regenerieren kann, werden mit der Zeit auch die  Gelenkflächen und angrenzende Knochen in Mitleidenschaft gezogen. Entzündet sich das betroffene Gewebe, spricht der Fachmann von einer Arthritis

Zunächst treten Schmerzen nur bei stärkerer, stoßartiger Belastung des Gelenks und bei sogenannten Anlaufbewegungen auf, später permanent - auch in Ruhe. Typisch für Arthrose ist es auch, dass sich die Gelenke morgens nach dem Aufstehen steif anfühlen.

Schreitet die Arthrose fort, verändern und verformen sich die betroffenen Gelenke. Ist der Knorpel vollständig abgerieben, kann das Gelenk sogar komplett versteifen. Doch nicht alle Patienten mit einer Arthrose haben auch Beschwerden. 

Zivilisationskrankheit Arthrose

Arthrose ist heute weltweit die häufigste Gelenkerkrankung. Altersbedingter Verschleiß gilt als eine der Hauptursachen. In Deutschland sind etwa 27 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer betroffen. In der Altersklasse 65 plus leiden mehr als die Hälfte der Frauen und mehr als ein Drittel der Männer an Arthrose. Es trifft aber auch zunehmend jüngere Menschen. 

Vor allem Bewegungsmangel und Übergewicht setzen der Knorpelschicht zu. Denn ohne Bewegung wird keine Schmierflüssigkeit gebildet, die den Knorpel vor Verschleiß schützt - er reibt sich dann schon bei geringer Belastung ab. Auch extreme Beanspruchungen beim Sport oder bei körperlicher Arbeit können der Knorpelschicht schaden.

Weitere mögliche Ursachen:

  • Gelenkverletzungen, zum Beispiel durch direkte Knorpelverletzung etwa bei Unfällen
  • Fehlstellungen wie zum Beispiel X- oder O-Beine
  • Bänderschwäche
  • Schonhaltung 
  • Angeborene Deformitäten wie zum Beispiel Achsenfehlstellungen oder Hüftgelenksdysplasien
  • Bakterielle Infektionen
  • Gelenkentzündungen 
  • Stoffwechselerkrankungen wie etwa Gicht

Bei andauernden Beschwerden: auf zum Arzt

Ihr Arzt befragt Sie zunächst genau nach Ihren Symptomen und untersucht die betreffenden Gelenke. Dabei prüft er zum Beispiel, wie drucksensibel einzelne Bereiche sind und ob sich der Bewegungsradius des betroffenen Gelenks verringert hat. Sind Knie- oder Hüftgelenke von Arthrose betroffen, ist das Gangbild auffällig verändert.

Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, Kernspintomografie und Computertomografie helfen, typische Gelenkveränderungen zu erkennen. Laboruntersuchungen von Blut oder der Gelenkflüssigkeit können weitere wichtige Informationen liefern. 

Mit Arthrose leben: Therapiemöglichkeiten 

Arthrose ist bisher nicht heilbar. Das Ziel jeder Behandlung besteht darin, das betroffene Gelenk zu entlasten und wieder beweglicher zu machen sowie Schmerzen zu lindern. Dabei gilt der Grundsatz: konservativ - also beispielsweise mit Medikamenten und physikalischer Therapie - vor operativ. 

Die Gelenke entlasten

Gelenkschädigende Sportarten oder Arbeiten sollten zumindest zeitweilig vermieden werden. Da Übergewicht die Gelenke enorm belastet, kann es hilfreich sein, Gewicht zu reduzieren. Orthopädisch-technische Hilfsmittel wie zum Beispiel Arthroseschienen, Einlagen, Pufferabsatz, Keilsohlen oder auch Abrollhilfen können akut schmerzende Gelenke entlasten.

Physikalische Therapie

Mit Krankengymnastik kräftigen Sie die Muskulatur, die das Gelenk umgibt, und reduzieren so den punktuellen Druck auf die Gelenkflächen. Hier lernen Sie auch ergonomische Bewegungen, die vor allem Fehl- oder Schonhaltungen korrigieren und so weiterem Verschleiß vorbeugen können.

Wärme-, Kälte- und Elektrotherapie können Schmerzen lindern. Kältebehandlungen helfen bei entzündeten Gelenken, Wärme entspannt die Muskeln und fördert die Durchblutung. Auch Akupunktur wird seit Jahren erfolgreich bei Kniegelenksarthrose eingesetzt.

Medikamentöse Therapie

Schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente kann der behandelnde Arzt in Tablettenform verordnen oder direkt in das Gelenk spritzen. Eingesetzt werden: 

  • Schmerzmittel, sogenannte Analgetika, beispielsweise mit dem Wirkstoff Paracetamol
  • Entzündungshemmer ohne Kortison, die nicht-steroidalen Antirheumatika - kurz NSAR - als Tabletten oder als Salbe beziehungsweise Gel etwa mit den Wirkstoffen Diclofenac oder Ibuprofen
  • Gelenkinjektionen und Spülungen des Gelenks mit Kortisonpräparaten in Phasen der Entzündung oder mit örtlichen Betäubungsmitteln bei akuten Schmerzen
  • Opioide bei sehr starken Schmerzen 

Besonders bei Kniegelenksarthrose - medizinisch Gonarthrose - werden oft Hyaluronsäure-Injektionen als individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL, angeboten. Diese Leistungen gehören nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen und müssen daher vom Patienten selbst gezahlt werden. Der sogenannte IGeL-Monitor, initiiert und in Auftrag gegeben vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e. V. (MDS), nimmt regelmäßig medizinische Selbstzahlerleistungen unter die Lupe. Den Nutzen von Hyaluronsäure-Injektionen bewertet der IGeL-Monitor derzeit als tendenziell negativ. 

Verschiedene Operationsmethoden

Ob und wann eine Operation sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie stark die Arthrose Ihre Lebensqualität beeinträchtigt. Berücksichtigt werden dabei Ihr Alter und mögliche Begleiterkrankungen.

Bei einer Gelenkspiegelung, medizinisch Arthroskopie, kann geschädigtes Gewebe schonend entfernt werden. Vor allem die großen Gelenke wie Schulter, Ellenbogen-, Hüft- und Kniegelenke werden häufig so versorgt. 

Bei manchen Fehlstellungen, zum Beispiel bei O- oder X-Beinen, kann eine Achsenkorrektur, eine sogenannte Umstellungsosteotomie, die mechanische Beanspruchung des Gelenks verringern und damit eine Arthrose verhindern oder zumindest deren Fortschreiten verzögern. 

Vor allem an Knie- und Hüftgelenken können die zerstörten Gelenke oder Gelenkteile durch eine sogenannte Endoprothese, also ein künstliches Gelenk oder Gelenkteil, ersetzt werden. 

Operationen, die das Gelenk versteifen, kommen vor allem bei älteren Patienten mit starken Schmerzen zum Einsatz. 

Bei einer "autologen Chondrozyten-Transplantation" - also einer Transplantation von Knorpelzellen - entnimmt der Arzt im Rahmen einer Gelenkspiegelung Gelenkknorpelzellen. Diese werden im Labor vermehrt und in einer zweiten Operation wieder ins Gelenk eingebracht. Voraussetzung für diese Methode: Das Gelenk darf noch nicht zu sehr geschädigt sein.  

Aktiv gegen Arthrose - das können Sie tun

  • Bewegen Sie sich möglichst viel. Treiben Sie regelmäßig Sport, der die betroffenen Gelenke nicht zu stark belastet, zum Beispiel Radfahren, Schwimmen oder Walking. Wenn Sie beruflich den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen, hilft es, zwischendurch immer mal aufzustehen und sich zu bewegen. Gehen Sie zum Beispiel beim Kollegen im anderen Büro vorbei, statt ihn anzurufen. 
  • Streben Sie unbedingt Normalgewicht an. Jedes Pfund weniger entlastet Ihre Gelenke. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Arthrosepatienten eine antientzündliche Ernährung, die viel Gemüse sowie gesunde Fette und wenig Fleisch beinhaltet. 
  • Trinken Sie ausreichend und über den Tag verteilt. Knorpel verhält sich wie ein Schwamm: Er braucht regelmäßig Flüssigkeit, damit er geschmeidig bleibt.