Bei einem Alter über 50 Jahre liegt das Risiko eine Radiusfraktur zu erleiden bei Frauen bei 15 Prozent, bei Männern bei zwei Prozent (in Europa und den USA). Aber auch bei Kindern und Erwachsenen im mittleren Lebensabschnitt tritt diese Verletzung auf, etwa beim Sport oder bei Arbeitsunfällen.

Der Unterarm wird von zwei Knochen, der Speiche (Radius) und der Elle (Ulna) gebildet. Am häufigsten tritt ein Bruch des Unterarms am körperfernen Ende der Speiche (distaler Radius) auf. Seltener bricht gleichzeitig auch das körperferne Ende der Elle, dann spricht man vom kompletten Unterarmbruch. Nur vereinzelt kommt es zu einem isolierten Bruch der Elle.

Begleitverletzungen können zum Beispiel Nervenschädigungen, Gefäßverletzungen, Risse der Bandverbindungen im Bereich des Handgelenkes oder der Knorpelscheibe zwischen Elle und Handwurzelknochen sein.

Wie entsteht ein körperferner Speichenbruch?

Fast immer ist die Ursache ein Sturz entweder auf die im Handgelenk gebeugte oder gestreckte Hand bei ausgestrecktem Arm. Im Alter handelt es sich meist um Stürze im häuslichen Umfeld. Bei älteren Menschen, vor allem wenn sie unter Osteoporose leiden, kann schon ein Sturz aus dem Stand zum Speichenbruch führen.

Bei Kindern sind fast immer Stürze beim Spielen oder beim Sport die Ursache, bei Jugendlichen am häufigsten Sportunfälle.

Wie wird ein körperferner Speichenbruch festgestellt?

Häufig deuten die Symptome nach einem Sturz bereits auf einen körperfernen Speichenbruch hin. Diese sind:

  • Intensive Schmerzen im Handgelenk, besonders bei Unterarmdrehung
  • Schwellung des Handgelenks
  • Kraftverlust
  • Funktionsverlust
  • Gefühlsstörungen
  • Sichtbare Fehlstellung

Zusätzlich untersucht der Arzt, ob Prellungen, Schürfungen, Blutergüsse oder Wunden vorliegen, ob Drücken über der Bruchstelle Schmerzen verursacht und ob Unterarm, Hand- und Fingergelenke voll beweglich und funktionsfähig sind. Außerdem muss er überprüfen, ob weitere Verletzungen vorliegen.

Mittels Röntgenaufnahmen des Handgelenkes in zwei Ebenen lässt sich die distale Radiusfraktur fast immer sicher diagnostizieren. Selten sind zusätzlich weiterführende Untersuchungen wie eine Computertomografie notwendig. In Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Verdacht auf Verletzungen des Bandapparates, können eine Magnetresonanztomografie oder eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung) nötig sein.

Wie wird ein körperferner Speichenbruch behandelt?

Ziele der Therapie sind, Schmerzen zu beseitigen und die volle Beweglichkeit des Handgelenks und des Unterarms wiederherzustellen.

Grundsätzlich ist eine konservative Behandlung durch Gipsruhigstellung oder eine operative Behandlung möglich, bei der Drahtstifte, Schrauben und/oder eine Platte die Knochen fixieren. Stellung der Bruchenden und damit der Frakturtyp, Alter, Allgemeinzustand, Funktionsanspruch, Bedürfnisse und Begleiterkrankungen der verletzten Person beeinflussen die Wahl des Behandlungsverfahrens. Erfolgt keine Operation mit Freilegung des Knochens, kann die Behandlung in der Regel ambulant erfolgen.

Konservative Behandlung

Sind die Knochenende nicht oder nur wenig verrutscht, ist meistens eine konservative Behandlung ausreichend. Falls nötig, bringt der Arzt zunächst die Knochenteile wieder in ihre ursprüngliche Position. Vor dieser sogenannten Reposition verabreicht er schmerzlindernde Medikamente. Den Erfolg der Achskorrektur kann er mithilfe einer Ultraschalluntersuchung überprüfen.

Danach stellt er den Arm mithilfe eines Gipsverbands für vier bis fünf Wochen ruhig. Konservativ mittels Unterarmgips behandelte distale Radiusfrakturen sind in der Regel nach fünf bis sechs Wochen verheilt.

Operative Behandlung

Bei stark verrutschten und instabilen Speichenbrüchen erfolgt eine Operation:

  • Verrutschte Brüche mit Fehlstellung in der Gelenkfläche muss der Arzt so schnell wie möglich wieder einrichten.
  • Lassen sich Brüche nach ihrer Einrichtung nicht halten oder besteht die Gefahr, dass die Bruchenden danach wieder verrutschen, wird das Einbringen von winkelstabilen Plattensystemen oder Schrauben empfohlen. Bei der Plattenosteosynthese fixiert eine Metallplatte den Knochen. Bei der Schraubenosteosynthese halten Schrauben die Knochenfragmente zusammen. Manchmal ist auch eine äußere, gelenkübergreifende Schienung mit Knochenstiften (Fixateur externe) erforderlich.
  • Auch Brüche mit begleitenden Verletzungen der Bänder, der Nerven oder des Handgelenks und Brüche mit freiliegenden Knochen lassen sich meist nicht ohne Operation behandeln.

Knochenbrüche erfordern häufig die Gabe von Schmerzmitteln. Kühlung und Hochlagerung lindern die Schwellung. Abhängig vom Behandlungsverfahren sind im Verlauf der Genesungsphase Röntgenkontrollaufnahmen erforderlich.

Welche Komplikationen gibt es?

Bleibt ein körperferner Speichenbruch unbehandelt, leiden die Betroffenen lange Zeit unter Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Handgelenk. Heilt der Bruch nicht, besteht die Gefahr der Ausbildung eines falschen Gelenks. Verheilt der Bruch in Fehlstellung, können bleibende Bewegungseinschränkungen, anhaltende Schmerzen oder eine Arthrose im Handgelenk resultieren.

Bei jedem Knochenbruch kann es zu Weichteilschäden, Nervenverletzungen oder Durchblutungsstörungen kommen. Diese Schäden entstehen vor allem durch eine starke Fehlstellung oder durch die Schwellung. Ein gewisses Risiko für solche Begleitverletzungen besteht auch beim Einrichten des Bruches unter starkem Zug.

Stehen die Bruchenden durch die Haut sichtbar hervor (offene Fraktur), steigt die Infektionsgefahr. Deshalb bekommen diese Patienten meist Antibiotika (Medikamente, die Bakterien abtöten oder in ihrer Vermehrung hemmen). Auch bei der operativen Freilegung besteht ein gewisses Entzündungsrisiko. Lassen sich Fehlstellungen oder kleine Stufen in der Gelenkfläche nicht ausreichend gut beseitigen, können Bewegungseinschränkung oder Arthrose resultieren.

Distale Radiusfrakturen bei Patienten mit Osteoporose stellen eine besondere Herausforderung dar. Denn diese Frakturen sind häufig instabil und verlieren die Stellung nach Reposition und Stützverband-Ruhigstellung. Zudem sind sie auch schwieriger operativ zu stabilisieren.

Eine besondere Komplikation nach einem körperfernen Handgelenkbruch ist die Reflexdystrophie, auch Morbus Sudeck genannt. Bei diesem, auf den Deutschen Chirurgen Paul Sudeck (1866-1945) zurückgehenden Krankheitsbild leiden Betroffene zunächst unter starken Schmerzen, teilweise gefolgt von Störungen der Nerven- und Muskelfunktion bis hin zur Knochenentkalkung der betroffenen Hand.

Um Komplikationen zu vermeiden, sollte man beim Auftreten von Schmerzen, Kribbelgefühlen oder Taubheit in den Fingern sofort den Arzt aufsuchen.

Was ist nach einem Handgelenkbruch zu beachten?

Während der Ruhigstellung des Handgelenkes sollte der Arm in den ersten Tagen hochgelegt werden, damit die Schwellung rasch abklingt. Alle nicht ruhiggestellten Gelenke (Finger, Ellenbogen, Schulter) können und sollten auch nach einer Operation und im Gipsverband normal bewegt werden. Nach der Ruhigstellung sind zur Rehabilitation intensive Bewegungsübungen erforderlich. Eine möglichst frühzeitige Einbeziehung der verletzten Hand in die Verrichtungen des täglichen Lebens ist wichtig.

Stabile und kaum verrutschte Speichenbrüche heilen meist folgenlos aus. Nach einigen Wochen können die Patienten ihre gewohnten Tätigkeiten zumeist wieder problemlos ausüben.

Bei stärker verrutschten Speichenbrüchen, für deren Fixierung Platten, Schrauben oder Drähte erforderlich waren, dauert der Heilungsprozess länger und es kann zum Verrutschen des Implantats, zu Achsabweichungen im Knochen, zu Wundheilungsstörungen oder zu Bewegungs- und Funktionseinschränkungen sowie zur Kraftminderung von Handgelenk und Fingern kommen. Es können Arthrose und chronische Schmerzzustände auftreten. Außerdem kann ein erhöhtes Risiko weiterer Frakturen bei alten Patienten bestehen.

Hat eine andere Erkrankung, eine Gangunsicherheit oder Schwindel zum Sturz geführt, ist weitere Abklärung und zusätzliche Behandlung erforderlich.

Wie kann ein Handgelenkbruch vermieden werden?

Wichtig sind Maßnahmen zur allgemeinen Unfallverhütung und eine ausreichende Vorbeugung gegen Knochenschwund (Osteoporoseprophylaxe). Körperliches und geistiges Training können dazu beitragen, sich im Alter im täglichen Leben sicherer zurechtzufinden. Ebenso eine altersgerechte Wohnungseinrichtung (Vermeiden von Stolperfallen), dem Wetter angepasstes Schuhwerk und Gehhilfen. Beim Sport ist entsprechende Schutzkleidung sinnvoll, zum Beispiel Handgelenksschoner beim Inline-Skating.