Eine Gelenkentzündung kann akut sein, also plötzlich auftreten, oder langsam entstehen. Sie kann einen anhaltenden (chronischen) Verlauf nehmen und über lange Zeit bestehen wie es zum Beispiel bei der rheumatoiden Arthritis der Fall ist.

Die Entzündung eines einzelnen Gelenkes wird als Monoarthritis, von zwei oder drei Gelenken als Oligoarthritis bezeichnet. Sind mehr als drei Gelenke betroffen, spricht man von einer Polyarthritis.

Was sind die Ursachen einer Gelenkentzündung?

Eine Arthritis kann verschiedene Ursachen haben. Häufig sind Infektionen mit Bakterien oder anderen Erregern für eine Gelenkentzündung verantwortlich. Sie können direkt am Gelenk eine Entzündung verursachen. Typische Erreger einer Arthritis sind zum Beispiel Staphylokokken und Streptokokken. 

Die Arthritis kann auch infolge einer Infektion außerhalb von Gelenken entstehen. Eine Entzündung kann von einem Infektionsherd im Körper über das Blut in das Gelenk weitergeleitet werden - das geschieht zum Beispiel im Rahmen einer Borreliose im Falle der sogenannten Lyme-Arthritis.

Solche Immunreaktionen sind etwa von bestimmten Infektionen des Magen-Darm-Traktes oder der Geschlechtsorgane bekannt. Im Rahmen der Bekämpfung der Krankheitserreger bildet der Körper Antikörper, die dann unter Umständen zu einer Gelenkentzündung führen.

Weitere mögliche Ursachen für Gelenkentzündungen sind unter anderem die rheumatoide Arthritis, Schuppenflechte (Psoriasis) oder Stoffwechselerkrankungen, wie zum Beispiel Gicht. Dabei wird die Arthritis durch eine Harnsäureerhöhung verursacht. Ein Gichtanfall ist äußerst schmerzhaft. Oft ist das Großzehengrundgelenk betroffen.

Welche Formen der Arthritis gibt es?

Man unterscheidet infektiös von nicht infektiös bedingten Gelenkentzündungen.

Infektiös bedingte Arthritiden

Dabei werden folgende Formen unterschieden:

  • Eitrige Arthritis (Gelenkinfektion durch Bakterien. Die Bakterien können entweder direkt, zum Beispiel durch eine offene Verletzung oder medizinische Maßnahmen (wie Spritze ins Gelenk), oder über die Blutbahn in das betroffene Gelenk gelangen. Letzteres kommt gelegentlich im Rahmen einer Infektionskrankheit an anderer Stelle (zum Beispiel Tuberkulose, Mittelohr- oder Gehirnhautentzündung) vor. Es bildet sich ein trüb-eitriger Erguss im Gelenk. Die eitrige Arthritis muss sofort behandelt werden.)
  • Lyme-Arthritis (Ursache sind von Zecken übertragene Krankheitserreger, die Borrelien. Nach einer Infektion entsteht im ersten Stadium meist eine flächenhafte Rötung um die Bissstelle (Wanderröte, Erythema migrans). Bleibt die Infektion unbehandelt, treten in circa 50 Prozent der Fälle im Verlauf Entzündungen an einem oder mehreren großen Gelenken, bevorzugt am Kniegelenk, auf.)
  • Rheumatisches Fieber (Nach Rachenentzündungen durch bestimmte Bakterien (Streptokokken) kann es im Rahmen einer Immunreaktion zu hohem Fieber und einer Entzündung mehrerer Gelenke kommen, häufig begleitet von einer Entzündung des Herzens.)
  • Virusbedingte Arthritis (Begleitende Gelenkentzündung bei einer Virusinfektion, zum Beispiel bei Röteln, Hepatitis B, Mumps oder HIV.)
  • Reaktive Arthritis (Diese kann nach einer Infektion mit bestimmten Erregern, die ursprünglich nicht die Gelenke betraf, auftreten. Zu den auslösenden Keimen gehören vor allem Bakterien wie zum Beispiel Chlamydien, Salmonellen oder Shigellen. Die reaktive Arthritis tritt meist einige Wochen nach der ursprünglichen Infektion auf.)
  • Eine Sonderform ist das Reiter-Syndrom (Im Anschluss an eine bakterielle Infektion des Darmes oder der ableitenden Harnwege entsteht eine Arthritis begleitet von einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) und Harnröhrenentzündung (Urethritis). Zusätzlich kann es zu Haut- und Schleimhautveränderungen kommen.) 

Nicht infektiöse Gelenkentzündungen

Zu den nicht infektiösen akuten Gelenkentzündungen gehören:

  • Gichtanfall: Durch eine Erhöhung von Harnsäure im Blut bilden sich Harnsäurekristalle, die sehr schmerzhafte Gelenkentzündungen auslösen. Betroffen ist oft das Großzehengrundgelenk.
  • Akuter Schub einer chronisch-rheumatischen Erkrankung, wie zum Beispiel rheumatoide Arthritis.

Zu den nicht infektiösen chronischen Erkrankungen zählt man unter anderem:

  • Rheumatoide Arthritis (Sie wird auch als chronische Polyarthritis oder Gelenkrheuma bezeichnet und ist die häufigste chronische Gelenkentzündung. Sie zählt zu den rheumatischen Erkrankungen.)
  • Morbus Bechterew (auch: Spondylitis ankylosans, chronisch entzündliche Erkrankung mit schmerzhaften Gelenkentzündungen vor allem im Bereich der Wirbelsäule und des Kreuzbeins. Sie kann zur Versteifung der Wirbelsäule führen.)
  • Psoriasis-Arthritis (begleitende Gelenkentzündung bei der Schuppenflechte mit dem Befall mehrerer Gelenke)
  • Enteropathische Arthritis (Begleitarthritis bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) 

Welche Beschwerden macht eine Gelenkentzündung?

Typisch für eine Arthritis sind Gelenkschmerzen. Diese gehen insbesondere bei einer akuten Entzündung mit Rötung, Schwellung und Überwärmung einher. Die Schwellung kann erheblich sein, häufig besteht ein Gelenkerguss (Flüssigkeit im Gelenk). Bei Gelenkentzündungen durch Bakterien kann sich Eiter im Gelenk bilden – man spricht dann von einem Gelenkempyem – bei anderen Entzündungsformen ist der Gelenkerguss auf eine Reizung des Gelenkes zurückzuführen. Die Beschwerden bestehen spontan, in Ruhe und bei Bewegung und die Beweglichkeit im Gelenk ist eingeschränkt.

Je nach Ursache der Arthritis kommt es zu spezifischen Beschwerden.Besteht eine Arthritis über einen langen Zeitraum oder entzündet sich das gleiche Gelenk wiederholt und mehrfach, handelt es sich um eine chronische Arthritis. Die chronische Arthritis kann mit der Zeit zu einer Zerstörung des Gelenkes mit Funktionsverlust und Verformung führen. Dann treten die Schmerzen oft morgens, Rötung und Überwärmung nur zeitweise auf.

Verschiedene Arthritisformen betreffen unterschiedliche, oft für die Erkrankung typische Gelenke. So ist beim Morbus Bechterew typischerweise der untere Rücken betroffen, die rheumatoide Arthritis betrifft die kleinen und großen Gelenke, bakterielle Arthritiden spielen sich meist in einem oder wenigen der großen Gelenke wie den Kniegelenken ab.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?

Zu Beginn der Diagnostik stehen immer eine ausführliche Befragung und eine gründliche körperliche Untersuchung durch den Arzt. Damit werden oft schon die Weichen für die Diagnose gestellt. Es folgt in der Regel eine Laboruntersuchung des Blutes, um bestimmte Entzündungswerte oder spezifische Entzündungsphänomene wie die sogenannten Rheumafaktoren oder bakterielle Antikörper zu ermitteln. Bei einigen Arthritisformen lässt sich auch eine genetische Veranlagung (HLA-B27-Gen) nachweisen.

In bestimmten Fällen ist eine Gelenkpunktion nötig, um Flüssigkeit aus dem Gelenk zu gewinnen und diese im Labor zu untersuchen. Mithilfe einer Röntgenuntersuchung lassen sich entzündliche oder chronische Veränderungen an den Gelenken bildlich darstellen. Weiterführende diagnostische Maßnahmen sind Schichtröntgenaufnahmen, Gelenksspiegelung und Entnahme einer Gewebeprobe (Biopsie)

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Das entzündete Gelenk sollte geschont, hochgelagert und gekühlt werden. Die eigentliche Therapie richtet sich nach der Ursache der Erkrankung.

Akute, bakteriell ausgelöste Gelenkentzündungen (eitrige Arthritis, Lyme-Arthritis, rheumatisches Fieber) müssen mit Antibiotika behandelt werden, um Gelenkschäden zu verhindern. Antibiotika töten die Bakterien ab oder hemmen deren Vermehrung und damit weitere Ausbreitung im Körper.

Bei der eitrigen Arthritis werden zusätzlich Gelenkerguss und abgestorbene Zellen oder Zellreste entfernt. Das geschieht zum Beispiel durch eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) oder auch eine Operation am offenen Gelenk.

Oft ist die Einnahme von Schmerzmitteln notwendig, die zudem entzündungshemmend wirken. Dazu gehören die sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR), wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure. Andere entzündungshemmende Medikamente sind Steroide (Kortison). Welche Arzneimittel eingesetzt werden, hängt unter anderem von der Erkrankung, Schweregrad und Stadium ab.

Zur Dauertherapie von chronisch verlaufenden Gelenkerkrankungen stehen spezielle Rheumamedikamente (Basistherapeutika) sowie Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen, zur Verfügung. Weitere wichtige Maßnahmen sind Krankengymnastik, physikalische Therapie oder Ergotherapie.

Bei schweren Verläufen können auch Operationen einzelner Gelenke notwendig sein. Wenn durch die Erkrankung eine schwere Funktionseinschränkung entsteht, können Hilfsmittel verordnet werden, die alltägliche Verrichtungen erleichtern, wie zum Beispiel Geh- oder Anziehhilfen, arthritisgerechte Stift- und Essbesteckhalterungen.

Wie ist der Verlauf einer Arthritis?

Der Verlauf ist abhängig von der Ursache der Gelenkentzündung. So kann die Lyme-Arthritis unbehandelt zu immer wiederkehrenden Beschwerden führen, nach antibiotischer Therapie heilt sie in den meisten Fällen aus. Das rheumatische Fieber hinterlässt selten dauerhafte Gelenkschädigungen. Für den Verlauf der Erkrankung ist die Herzbeteiligung maßgeblich.

Eine reaktive Arthritis führt häufig zu über mehrere Monate bestehenden Beschwerden. Aber auch länger anhaltende und immer wiederkehrende Symptome sind möglich.

Chronisch entzündliche Gelenkerkrankungen weisen individuell sehr unterschiedliche Verläufe auf. Die rheumatoide Arthritis kann mit einer zunehmenden Funktionseinschränkung der Gelenke einhergehen. Auch die Psoriasis-Arthritis hinterlässt womöglich bleibende Gelenkschäden. Der Verlauf des Morbus Bechterew ist individuell sehr unterschiedlich. Durch spezielle therapeutische Maßnahmen kann die Beweglichkeit der Wirbelsäule in vielen Fällen erhalten werden.