Jeder einzelne Wirbel besteht aus einem kompakten Wirbelkörper, der hinten in einem Bogen in einem Dornfortsatz ausläuft. Dieser Bogen hat an den Seiten zwei flügelartige Querfortsätze. Mit weiteren Fortsätzen an den Wirbelbögen, die sich dachziegelartig überlappen, berühren sich jeweils benachbarte Wirbel im hinteren Bereich. Diese kleinen Gelenke werden auch Facetten genannt. Zwischen den Wirbelkörpern befinden sich die Bandscheiben.

Zwischen den Wirbelbögen verlaufen Bandverbindungen und Muskeln, sodass die Wirbelsäule im Ganzen ein funktionelles System mit statischen und dynamischen Elementen bildet. Die Wirbelbögen bilden einen Kanal (Spinalkanal), in dem das Rückenmark verläuft. Die Nervenäste, die das Rückenmark abgibt, verlaufen zwischen den Querfortsätzen.

Was ist ein Wirbelbruch?

Man kann verschiedene Formen von Wirbelbrüchen unterscheiden: Brüche des Wirbelkörpers, des Wirbelbogens oder der Fortsätze. Am Wirbelkörper gibt es

  • Kompressionsbrüche (der Wirbelkörper ist zusammengedrückt)
  • Berstungsbrüche (zerborstene Wirbelkörper)
  • Kantenabbrüche (an der Vorder- oder Hinterkante)

Besonders Kompressionsbrüche können so eingestaucht sein, dass sich die Bruchstücke der Knochen miteinander verkeilen und nicht verschieblich sind. Diese Brüche werden als stabil bezeichnet.

Frakturen der Wirbel machen zwei Prozent aller Knochenbrüche aus.

Wie kommt es zu einer Wirbelfraktur?

Wirbelbrüche setzen die Einwirkung großer Kräfte voraus, es sei denn, die Wirbel sind durch eine Minderung der Knochendichte (Osteoporose) oder durch andere Erkrankungen (zum Beispiel Tumorleiden mit Tochtergeschwülsten in den Wirbeln) vorgeschädigt.

Die Frakturen entstehen beim Sturz aus der Höhe auf Kopf, Gesäß oder ausgestreckte Beine durch Stauchung oder sie werden durch Überbiegung der Wirbelsäule beispielsweise beim Verkehrsunfall mit Lenkradanprall verursacht. Bei den Stauchungsverletzungen kommt es eher zu Wirbelkörperkompressions- oder Wirbelkörperberstungsbrüchen, beim Überbiegen treten eher Bogen- oder Gelenkfortsatzfrakturen auf.

Bei 20 Prozent der Patienten mit Wirbelbrüchen sind zwei oder mehr Wirbelkörper betroffen.

Welche Symptome können auftreten?

In der Regel besteht in dem betroffenen Abschnitt der Wirbelsäule ein Druck-, Klopf- und Stauchungsschmerz. Seltener sind Buckelbildung oder tastbare Lücken in der Dornfortsatzreihe. Schmerzbedingt ist häufig die Beweglichkeit der Wirbelsäule eingeschränkt, was sich in einer Schonhaltung und Verhärtung der Muskulatur ausdrücken kann.

Ist auch das Rückenmark betroffen, treten unterhalb der Verletzung entsprechende Störungen oder auch neurologische Ausfälle auf. Dies können Empfindungsstörungen, unnatürliche Reflexe oder Lähmungen sowie Harn- und Stuhlinkontinenz sein. Dann muss möglichst schnell operiert werden. Je nach Lokalisation des Wirbelbruchs und Ausmaß der Rückenmarksschädigung kann es in schweren Fällen zu einer kompletten Querschnittslähmung kommen.

Stabile Verletzungen, bei denen es zu einer Verkeilung der Knochenstücke kommt, gehen gelegentlich aber auch völlig ohne Beschwerden einher.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Bei Hinweisen auf eine Verletzung des Rückgrates sind stets Röntgenbilder in zwei Ebenen (von vorne und von der Seite) erforderlich, häufig noch zusätzliche Schräg- oder Schichtaufnahmen.

Ist der Patient bewusstlos, röntgt der Arzt die ganze Wirbelsäule, damit er alle Wirbelkörper beurteilen kann.

Um die Weite des Spinalkanals und die Stabilität der Hinterkante des Wirbelkörpers sowie der Wirbelbögen besser beurteilen zu können, wird eine Computertomografie durchgeführt. Besteht Verdacht auf eine Beteiligung des Rückenmarks, sind in der Kernspintomografie Einblutungen in den Spinalkanal und ins Rückenmark sowie Bandscheibenvorfälle und dadurch weitere Hinweise auf die Ursache der Beschwerden zu erkennen. Gegebenenfalls sind noch weitere Untersuchungen nötig.

Bei Verdacht auf eine Mitbeteiligung des Rückenmarks erfolgt immer eine gründliche neurologische Untersuchung.

Wie sieht die Behandlung aus?

Die am besten geeignete Behandlung hängt zum Beispiel davon ab, wie stabil der gebrochene Wirbel noch ist und ob weitere Verletzungen vorliegen.

Zu unterscheiden sind konservative Behandlungen ohne Operation und operative Therapiemaßnahmen. Welches Verfahren geeignet ist, ist abhängig von der Lokalisation des Wirbelbruchs bezogen auf die Höhe der Wirbelsäule sowie von Begleitverletzungen und dem Allgemeinzustand des Verletzten.
Bei einer krankheitsbedingten Wirbelkörperfraktur (beispielsweise durch Osteoporose oder Krebs) bezieht der Arzt auch die Grunderkrankung in die Therapie mit ein.

Nicht operative (konservative) Therapie

Die konservative funktionelle Behandlung ist für Brüche geeignet, die nach Abklingen akuter Schmerzen belastbar sind. Dies trifft für stabile Brüche zu. Im Vordergrund stehen physiotherapeutische Maßnahmen mit Übungen von Körperhaltung und rückenschonendem Verhalten. Äußere Stützen in Form von Stützkorsetten oder -miedern sind manchmal nötig.

Operative Therapie

Die Operation ist bei instabilen Brüchen nötig, um die Stellung des Wirbels zu korrigieren und zu stabilisieren. Die Operation dient auch der Entlastung komprimierter Nerven. Manchmal sind Knochenverpflanzungen notwendig, um die aufgerichteten Wirbel aufzufüllen. Heute sind viele Operationen durch minimal-invasive Verfahren patientenschonend möglich. Dies gilt auch für Brüche bei Osteoporose. Gute Ergebnisse sind hier mit der Ballonaufdehnung der Wirbelkörper und der Knochenzementfüllung zu erreichen.

Wie bei jeder Operation können bei der chirurgischen Behandlung eines Wirbelbruchs Komplikationen auftreten. Es besteht die bei erfahrenen Operateuren sehr geringe Gefahr, dass das Rückenmark verletzt wird und dadurch bleibende, neurologische Schäden wie Gefühlsstörungen oder Lähmungen auftreten.

Wirbelverletzung beim Kind

Durch die große Elastizität von Knochen, Bandscheiben und Bändern sind Wirbelverletzungen im Kindesalter sehr selten. Kompressionsbrüche mit weniger als 50 Prozent Höhenminderung werden in der Regel konservativ behandelt. Je nachdem, wie stark die Schmerzen sind, wird eine möglichst frühe Aufhebung der Bettruhe angestrebt. Bestehen Verformungen in beiden Ebenen, wird ein Gipskorsett angelegt. Erst bei starken Formveränderungen der Wirbel muss operiert werden.

Wird ein Wirbelbruch nicht behandelt, können lange Zeit Beschwerden bestehen. Handelt es sich um einen instabilen Bruch, kann es zu Schädigungen des Rückenmarks bis hin zur Querschnittslähmung kommen.

Welche Komplikationen sind möglich?

Bei zehn Prozent aller Patienten mit Wirbelsäulenverletzungen ist mit Nerven- und Rückenmarksschäden zu rechnen. Im schlimmsten Fall entsteht das typische Bild eines hohen Querschnitts: Beide Arme und Beine, Brustkorb-, Bauch- und Rückenmuskulatur, die Blasen-, Mastdarm- und Sexualfunktion sind betroffen. Liegt die Schädigung unterhalb der Halswirbelsäule, sind die Arme nicht betroffen.

Entscheidend ist es, bereits am Unfallort eine Verletzung der Wirbelsäule zu erkennen. Größte Vorsicht ist bei der Umlagerung und beim Transport geboten. Die Behandlung von Patienten mit einer Querschnittslähmung sollte in speziellen Zentren erfolgen. In etwa zwanzig Prozent der Fälle bildet sich ein zunächst kompletter Querschnitt zurück.

Heilt ein Wirbelbruch mit einer Höhenminderung oder Deformierung aus, kann es zu Veränderungen der Wirbelsäulenachse kommen. Das kann dazu führen, dass Bandscheiben oder Wirbelgelenke schneller verschleißen und die Muskulatur des Rückens stark beansprucht wird. In einigen Fällen verursachen solche Veränderungen dauerhafte Rückenschmerzen. Meist ist dann ein konstantes Training der Rückenmuskulatur, zunächst unter krankengymnastischer Anleitung, erforderlich.