Das kennt jeder: Private und berufliche Enttäuschungen, einen lieben Menschen zu verlieren oder andere belastende Lebensereignisse. Es gibt vieles, das auf das Gemüt schlagen kann. Meist wird das Leben dann aber auch wieder farbenfroher und schöner. Wenn jemand traurig ist, ist er nicht immer gleich depressiv.

Wer aus einem "normalen" Stimmungstief aber nicht wieder herauskommt, weiß oft selbst gar nicht, warum.

Depressionen können jeden treffen!

Fast jeder Fünfte ist zumindest einmal im Leben depressiv. Frauen sind annähernd doppelt so häufig betroffen wie Männer. Früher ging man davon aus, dass sich Männer erst später in Behandlung begeben, neuere Studien zeigen aber, dass es bei der Schilderung der Symptome und bei der Inanspruchnahme von Therapien keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Wie eine Depression entsteht, ist individuell unterschiedlich. Verschiedene Faktoren können eine Rolle spielen:

  • Familiäre Neigung: Depressionen werden nicht einfach vererbt. Aber das Risiko dafür ist erhöht, wenn Familienmitglieder erkrankt sind oder waren. 
  • Aktuelle psychische Belastungen: berufliche oder private Probleme, finanzieller Stress oder Einsamkeit 
  • Chronischer Stress ist einer der wichtigsten Faktoren. Depressive Patienten hatten in ihrer Kindheit im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen zwei- bis dreimal so häufig Verlusterlebnisse.
  • Körperliche Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Schlaganfall oder Herzinfarkt erhöhen das Depressionsrisiko.

Wer mindestens zwei Wochen durchgehend unter mindestens zwei Haupt- und Zusatzsymptomen leidet, könnte depressiv sein. "Manchmal stehen aber auch körperliche Beschwerden, Erschöpfung und Schmerzen im Vordergrund und verdecken die typisch depressive Symptomatik", so Dr. Bernd Ahrens vom TK-Ärztezentrum. "Doch lässt sich dafür dann oftmals keine körperliche Ursache finden."

Depressionen erkennen

Es gibt Beschwerden, die aufmerksam machen sollten. Wochen- oder monatelang bestehende Hauptbeschwerden weisen auf die Diagnose hin. Die Hauptsymptome lauten: depressive, gedrückte Stimmung, Interessensverlust und Freudlosigkeit, Verminderung des Antriebs mit erhöhter Ermüdbarkeit (selbst nach kleinen Anstrengungen) und Aktivitätseinschränkung.

Zusatzsymptome können sein: verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven, Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen, Schlafstörungen und verminderter Appetit.

Die richtige Diagnose finden

Wer Beschwerden einer Depression hat und sich Hilfe sucht, ist schon ein ganzes Stück weiter. Dabei kann ein Familienmitglied oder Freund unterstützend wirken. Zunächst werden körperliche Ursachen, zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion, ausgeschlossen. Mit einer gezielten Anamnese und psychologischen Tests gelingt es dann, die richtige Diagnose zu finden.

Für die richtige Behandlung ist die Einteilung in den Schweregrad wichtig: Ist die Depression leicht, mittelschwer oder schwer? Wie lange bestehen die Symptome schon? Vielleicht gab es schon mehrere frühere depressive Episoden. All diese Informationen spielen für die Diagnose und Behandlung eine Rolle.

Psychotherapie und Medikamente helfen

Medikamente und verschiedene Formen der Psychotherapie helfen depressiven Menschen. Leichte Depressionen lassen sich oftmals auch ohne diese Hilfsmittel überwinden. Oft reicht es, mit dem Arzt in Kontakt zu bleiben, abzuwarten und zu beobachten. Gegebenenfalls kann im Anschluss eine Therapie eingeleitet werden.

Depressionen können auch mit anderen Krankheiten zusammenhängen. Schwere Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall und viele andere können Depressionen auslösen. Dann ist es natürlich wichtig, sich auch um diese Erkrankung zu kümmern.

Man weiß, dass bei Depressionen ein Ungleichgewicht von Nervenbotenstoffen im Gehirn vorliegt. Antidepressiva heben unter anderem die Aktivität der beiden Nervenbotenstoffe Serotonin und Noradrenalin an. Schon nach wenigen Wochen können sich Stimmung und Antrieb verbessern. Auch körperliche Beschwerden können sich bessern. Dabei kommt es auf den Schweregrad der Depression an.

Nervenbotenstoffe: Gleichgewicht herstellen

Nervenbotenstoffe (Neurotransmitter) steuern die Aktivität von Nervenzellen. Sie sorgen auch dafür, dass die Zellen gut und richtig miteinander kommunizieren. Serotonin, Noradrenalin und Dopamin sind bei manchen psychischen Krankheiten bedeutsam. Sind sie im Ungleichgewicht, kann sich dies sowohl auf körperliche Funktionen, wie auch auf die Gedanken- und Gefühlswelt auswirken.

Welche Psychotherapie hilft?

In der Psychotherapie geht es darum, den individuellen biografischen und psychologischen Ursachen der Depression auf die Spur zu kommen. Wichtig ist, Konflikte zu erkennen und zu bearbeiten. Dann lassen sich auch ganz neue Verhaltensweisen entwickeln. Positive Erfahrungen stärken das Selbstbewusstsein. Eine große Zahl von Studien belegt die psychotherapeutische Behandlung depressiver Störungen als generell wirksam, wobei jedoch die  Effektivität mit Schweregrad, Chronizität und Symptomausgestaltung der Depression variiert.

Verschiedene Formen der Psychotherapie kommen infrage. Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierte Therapie sind bei Depressionen die am häufigsten durchgeführten Therapieformen. 

Für andere Arten der Psychotherapie fehlen oft die wissenschaftlichen Belege, dass sie auch wirklich helfen.

Verhaltenstherapie

Negatives Denken und daraus resultierendes nicht zielführendes Verhalten kann erlernt sein. Das ist die theoretische Annahme in der Verhaltenstherapie. Es gilt, alternative Denk- und Verhaltensweisen einzuüben und zu erlernen. Wichtig dabei ist, positives und aktives Verhalten aufzubauen, das mit angenehmen Empfindungen verknüpft ist. Denken, Fühlen und Handeln werden hiermit wieder in Einklang gebracht.

Bevor die Behandlung beginnt, analysiert der Therapeut die Verhaltensmuster. Er hilft herauszufinden, was das problematische Verhalten, Denken und Erleben aufrecht erhält. Gemeinsam mit dem Patienten wird ein Behandlungsziel und ein Behandlungsplan erarbeitet.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Auf die Lösung unbewusster innerer Konflikte zielt die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ab. Manchen Gefühlen und Verhaltensweisen liegen unbewusste innere Konflikte zugrunde. Sie können in der Kindheit oder jüngeren Entwicklung entstanden sein. Manchmal wiederholen sich Situationen im Leben eines Patienten, die er "immer wieder" erlebt.

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie kann das Dunkel erhellen. Studien belegen, dass sie am besten bei leichten bis mittelschweren Depressionen wirkt.

Was auch helfen kann

Bewegungstherapie

Wichtig für den depressiven Patienten ist die Tagesstrukturierung. So lernt er, dass er wieder Kontrolle über sein Leben hat. Bewegung und Sport können sehr hilfreich sein. Körperliche Aktivität hat positive Effekte auf die Gesundheit und wird von der WHO für alle gesunden Personen empfohlen. Die optimale Dauer und Intensität für die Behandlung der Depression ist noch nicht wissenschaftlich ausreichend belegt. Die NICE-Leitlinie "Depression" (2009) empfiehlt als Intervention für leichte bis mittelschwere Depressionen  strukturierte, begleitete Bewegungsprogramme dreimal pro Woche für die Dauer von je 45 bis 60 Minuten über 10 bis 14 Wochen. Unklar bleibt, welche Art von körperlichem Training am effektivsten ist. Die meisten Untersuchungen liegen zu aerobem Ausdauertraining vor. Patienten können von einer Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining, Thai Chi oder Qigong verbunden mit Entspannungsübungen profitieren.

Wachtherapie (Schlafentzugstherapie)

Partieller Schlafentzug in der zweiten Nachthälfte beziehungsweise vollständiger Schlafentzug ist die einzige antidepressive Intervention mit ausgeprägten und sichtbar positiven Wirkungen noch am gleichen Tag. Der antidepressive Effekt ist jedoch gewöhnlich nicht anhaltend, so dass die meisten Patienten sogar nach einer Nacht des Schlafens (der so genannten  Erholungsnacht) wieder einen Rückfall erleiden. Üblicherweise führt man einen partiellen Schlafentzug in der zweiten Nachthälfte einmal wöchentlich unter stationären Bedingungen durch, bis eine deutliche Remission eingetreten ist.

Lichttherapie: Die Behandlung mit Licht hilft oft bei saisonal auftretenden Depressionen in den Herbst- und Wintermonaten. Bestimmte Lampen, auch "Lichtduschen" genannt, erzeugen Licht einer bestimmten Helligkeit - ähnlich dem Sonnenlicht im Frühling. 

Werden Sie gesund!

"Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser und schneller wirkt sie!", weiß Dr. Ahrens. Aber auch, wenn es schon mehrere depressive Episoden gab, ist mit guten Erfolgen zu rechnen. Die Chancen auf gesunde Zeiten stehen für zwei Drittel der Betroffenen gut - auch wenn es einmal länger dauert, bis sich der Zustand spürbar verbessert.

Hilfe für Angehörige

Einen nahestehenden Menschen, der an einer Depression erkrankt ist, zu begleiten und im Alltag zu unterstützen, kann zu einer echten Herausforderung werden. Viele fühlen sich dabei ratlos und manchmal auch überfordert. Psychiatrische Kliniken, Beratungsstellen und auch Selbsthilfegruppen haben daher spezielle Angebote für Angehörige von psychisch Erkrankten entwickelt. In Angehörigenseminaren können Sie mehr über die Erkrankung lernen und erhalten Expertentipps, wie Sie gezielte Unterstützung geben können und auch, was Sie für Ihre Selbstfürsorge tun können.

Auf der Website der Stiftung "Deutsche Depressionshilfe" finden Sie die Kontaktdaten von Kliniken, Krisendiensten, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und aktuelle Onlineangebote rund um das Thema Depression: www.deutsche-depressionshilfe.de unter dem Punkt "Wo finde ich Hilfe?".