Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung. Sie führt zu Gelenkschmerzen und -schwellungen, Einschränkungen der Beweglichkeit und Kraftlosigkeit. Allgemeine Schwäche, Abgeschlagenheit und Erschöpfung können hinzukommen. Oft sind zunächst die Finger, Handgelenke und Füße betroffen, manchmal aber auch große Gelenke wie die Knie, Hüften oder Schultern.

Gelenkschäden sind bei Rheuma ein zentrales Problem, Eine häufige Befürchtung ist deshalb, dass viel Bewegung - oder die falsche Art von Bewegung - Krankheitsschübe auslösen, die Erschöpfung verstärken oder die Gelenke noch mehr schädigen könnte. Außerdem können Schmerzen und Erschöpfung sportliche Aktivitäten erschweren. Es gibt aber eine ganze Reihe von Übungen, die auch für Menschen mit Rheuma infrage kommen. Dazu gehören insbesondere:

  • Kräftigungsübungen: Zum Beispiel Übungen mit leichten Gewichten zur Stärkung von Beinen, Armen und Rücken.
  • Ausdauertraining: Sportarten zur Stärkung von Herz und Lunge wie Walking, Radfahren, Schwimmen und Tanzen.
  • Gymnastik und Wassergymnastik
  • Tai Chi (Schattenboxen): Ursprünglich eine chinesische Kampfkunst, deren Übungen aus langsamen, fließenden Bewegungen bestehen.
  • Yoga: Körper- und Atemübungen zur Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination sowie zur Entspannung.

Grundsätzlich kommen für Menschen mit Rheuma alle Aktivitäten infrage, die die Gelenke nicht übermäßig belasten. Welche Übungen im Einzelfall geeignet sind, lässt sich am besten mit einer Ärztin oder einem Arzt klären. Wer eine Ergotherapie oder Physiotherapie macht, kann auch hier besprechen, welche Übungen über die Therapie hinaus geeignet sind. Wichtig ist, die Gelenke bei akuten Krankheitsschüben oder nach einer Operation zunächst zu schonen und die Belastung langsam zu steigern.

Was zeigt die Forschung zur Wirkung von Bewegung bei Rheuma?

Körperliche Aktivität hat insgesamt günstige Wirkungen - zum Beispiel kann sie die Fitness, Kraft und allgemeine Beweglichkeit verbessern. Eine zusammenfassende Auswertung von Studien zeigt außerdem, dass körperliche Aktivität rheumabedingte Erschöpfung lindern kann.

Kräftigungsübungen

Eine Reihe von Studien hat die Wirkung von Kräftigungsübungen untersucht, insbesondere zur Stärkung der Arm- und Beinmuskulatur. Dabei trainierten die Teilnehmenden zwei- bis dreimal pro Woche 30 bis 60 Minuten mit leichten Gewichten oder Geräten. Das Training konnte ihre Kraft verbessern und die Beeinträchtigung durch Rheuma etwas verringern. Dadurch fielen ihnen alltägliche Aktivitäten wie etwa Ankleiden, Waschen oder das Hantieren mit Besteck und Geschirr beim Essen leichter. Auf ihre Schmerzen hatte das Training jedoch keinen Einfluss.

Ausdauertraining

Andere Studien untersuchten die Wirkung von Ausdauertraining bei Rheuma. Auch hier fand das Training in der Regel zwei- bis dreimal pro Woche statt und dauerte meist zwischen 45 und 60 Minuten. Es wurden verschiedene Arten von Ausdauersport erprobt, zum Beispiel Radfahren oder Schwimmen, oft in Kombination mit anderen Übungen. Dabei handelte es sich um moderates Ausdauertraining, das den Puls nicht zu stark beschleunigen sollte. Auch das Ausdauertraining zeigte günstige Wirkungen: Es verbesserte die Lebensqualität, konnte offenbar auch Einschränkungen im alltäglichen Leben verringern sowie Schmerzen etwas lindern.

Wassergymnastik

Menschen mit Gelenkerkrankungen wird häufig Wassergymnastik empfohlen, da bei Übungen im Wasser kaum Druck auf den Gelenken lastet. Die Wirkung von Wassergymnastik wurde in einigen Studien untersucht. Die Forschungsergebnisse reichen aber bislang nicht aus, um zu beurteilen, ob Wassergymnastik rheumatische Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern kann. Die Teilnehmenden einiger Studien berichteten aber, dass ihnen die Übungen gutgetan hätten.

Tai Chi und Yoga

Die Wirkungen von Tai Chi und Yoga auf Rheuma-Beschwerden sind weniger gut untersucht als die von Ausdauertraining und Kräftigungsübungen. Daher lässt sich ihre Wirkung wissenschaftlich bislang noch nicht beurteilen.

Bei der Wahl einer Sportart spielen die eigenen Vorlieben eine wichtige Rolle. Denn um etwas bewirken zu können, muss man regelmäßig trainieren. Bewegung zu einem festen Bestandteil des Alltags zu machen, gelingt viel leichter, wenn die Sportart Freude macht und man sich danach wohl fühlt. Wenn es schwerfällt, allein zu Hause zu üben, hilft es vielleicht, sich einer Sportgruppe anzuschließen.

Bringt Sport für Menschen mit Rheuma Risiken mit sich?

In den Studien kam es nur selten vor, dass ein Training zu Gelenkschäden führte. Bei Rheuma im Frühstadium oder bei nur langsam fortschreitender Erkrankung ist es insgesamt eher unwahrscheinlich, dass körperliche Aktivität die Gelenke schädigt. Nur in einer Studie zeigten sich bei einigen Teilnehmenden, die trainierten, mehr Gelenkschäden. An dieser Studie hatten aber vor allem Menschen teilgenommen, bei denen große Gelenke wie etwa die Schulter bereits zu Studienbeginn stark geschädigt waren. Da die Studien längstens zwei Jahre dauerten, sind längerfristige Auswirkungen der untersuchten Sportarten schwer einzuschätzen.

Nur an wenigen Studien nahmen Menschen mit einer stark fortgeschrittenen Erkrankung teil. Daher lässt sich nicht sicher sagen, welche Bewegungsart für sie am besten geeignet ist. Sportarten wie Tennis oder Joggen, bei denen die Gelenke verdreht werden oder viele Stöße abbekommen, sind besonders belastend. Wassergymnastik und Schwimmen hingegen gelten als besonders gelenkschonend, da im Wasser kaum Gewicht auf den Gelenken lastet.