Die Nebenschilddrüse besteht aus vier einzelnen, etwa erdnussgroßen Drüsen, den Epithelkörperchen. Sie liegen unmittelbar hinter der Schilddrüse im Halsbereich. Die Nebenschilddrüse produziert das Parathormon, das die Kalzium- und Phosphatkonzentration im Körper einstellt.

Parathormon senkt die Menge an Phosphat und erhöht die Menge an Kalzium im Blut. Die beiden Mineralien sind am Knochenaufbau und -abbau beteiligt. Wenn die Nebenschilddrüse normal funktioniert, halten sich der Aufbau und der Abbau des Knochens die Waage.

Was sind die Ursachen einer Überfunktion der Nebenschilddrüse?

Die Ursache des primären Hyperparathyreoidismus findet sich in einer Erkrankung der Nebenschilddrüse selbst, während der sekundäre Hyperparathyreoidismus durch eine Reaktion der Nebenschilddrüse auf andere Erkrankungen hervorgerufen wird.

Bei den meisten Patienten ist ein gutartiger Tumor in der Nebenschilddrüse die Ursache der Überproduktion von Parathormon (primärer Hyperparathyreoidismus).

Auch Nierenerkrankungen oder entzündliche Darmerkrankungen können über Umwege zu einer vermehrten Produktion des Parathormons führen. Ursache hierfür ist ein krankheitsbedingter Verlust von Kalzium, der die Nebenschilddrüse zu einer erhöhten Hormonproduktion anregt (sekundärer Hyperparathyreoidismus).

Besteht ein sekundärer Hyperparathyreoidismus über längere Zeit, kann es passieren, dass sich die Funktion der Nebenschilddrüsen verselbstständigt, sodass ständig zu viel Parathormon entsteht (tertiärer Hyperparathyreoidismus).

Wie äußert sich eine Überfunktion der Nebenschilddrüse?

Die meisten Betroffenen haben keine Beschwerden, weil die Erkrankung heute meist in einem frühen Stadium erkannt wird. Die frühere Diagnose ist auf die häufiger durchgeführten Blutuntersuchungen zurückzuführen. Einige Patienten leiden unter unspezifischen Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Muskelschwäche, Blutdruckerhöhung, gesteigertes Durstgefühl, häufiges Wasserlassen, Nierensteine, Knochenschmerzen, Verstopfung, Appetitlosigkeit, Magersucht.

Die klassische Symptom-Kombination Nierensteine - vermehrt einzelne Nierensteine oder auch eine über die ganze Niere verteilte körnige Verkalkung (diffuse Nephrokalzinose) -, Knochenentzündung und Magengeschwüre ("Stein-, Bein- und Magenpein") tritt vor allem bei einer fortgeschrittenen Nebenschilddrüsenüberfunktion zutage und kommt daher heute nur noch selten vor.

Durch die veränderten Kalzium- und Phosphatkonzentrationen im Blut können sich Mineraliensteine bilden, die manchmal heftige, krampfartige Schmerzen verursachen (Steinpein).

Der Überschuss an Parathormon sorgt für einen vermehrten Abbau von Knochensubstanz. Meist äußert sich das in erster Linie durch Wirbelsäulen- und Gliederschmerzen (Beinpein), aber auch in vermehrten Knochenbrüchen.

Auch am Magen-Darm-Trakt macht sich der Kalziumüberschuss bemerkbar. Die Patienten leiden unter Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust und sie bekommen schneller Magengeschwüre (Magenpein).

Bei Patienten mit sekundärem Hyperparathyreoidismus sind häufig Beschwerden wie Knochenschmerzen, Juckreiz, Knochenbrüche, Gewebeverkalkungen und Muskelerkrankungen zu finden.

Wie wird die Nebenschilddrüsen-Überfunktion diagnostiziert?

Die Überfunktion der Nebenschilddrüsen entdeckt der Arzt oft rein zufällig bei einer Kontrolle des Kalzium- und des Phosphatspiegels im Blut. Typisch für einen primären Hyperparathyreoidismus sind ein erhöhter Kalziumwert, ein erniedrigter Phosphatwert und ein hoher Parathormonspiegel. Aufgabe des Arztes ist es nun, andere Ursachen für erhöhte Kalziumspiegel, zum Beispiel einen Tumor, auszuschließen. Beim sekundärem Hyperparathyreoidismus ist der Kalziumspiegel oftmals erniedrigt und die Parathormonspiegel sehr hoch.

Steht fest, dass eine Nebenschilddrüsen-Überfunktion vorliegt, muss der Arzt die Ursache hierfür finden. Hierbei sind Ultraschalluntersuchung und eine Schilddrüsen-Szintigrafie hilfreich. Computertomografie und Magnetresonanztomografie sind nur selten notwendig. Eine Prüfung der Nierenfunktion dient zur Unterscheidung zwischen primärem und sekundärem Hyperparathyreoidismus.

Wie wird die Überfunktion behandelt?

Die Therapie der Nebenschilddrüsen-Überfunktion hat zum Ziel, den Kalziumspiegel im Blut wieder zu normalisieren.

Bei einem primären Hyperparathyreoidismus besteht die Therapie häufig aus einer Operation. So erfolgt bei Patienten, deren Nebenschilddrüse zum Beispiel aufgrund eines gutartigen Tumors zu viel Parathormon produziert, eine operative Entfernung des Tumors.

Oft müssen die Patienten eine Zeit lang nach der Operation Kalzium und eventuell Vitamin D einnehmen. Um sicher zu gehen, dass keine Tumorreste mehr vorhanden sind, kontrolliert der Arzt in regelmäßigen Abständen den Kalziumspiegel im Blut.

Kommt eine Operation nicht infrage, kann der Arzt Medikamente verordnen. Zur Behandlung eignen sich Medikamente, die den Knochenabbau hemmen (zum Beispiel Bisphosphonate oder selektive Östrogenrezeptormodulatoren) sowie Kalzimimetika. Letztere signalisieren der Nebenschilddrüse, dass die Kalziumkonzentration bereits ausreichend hoch ist. Daraufhin drosselt die Nebenschilddrüse die Parathormonsynthese. Die Betroffenen sollten außerdem auf eine kalziumarme und Vitamin-D-reiche Kost achten.

Nebenschilddrüsen-Überfunktion bei chronischer Grunderkrankung

Ist die Nebenschilddrüsen-Überfunktion auf dem Boden einer anderen Krankheit entstanden, ist die Therapie etwas komplizierter. In diesen Fällen ist es erforderlich, die Grunderkrankung zu behandeln und den Kalziumspiegel im Blut zu regulieren.

Die Heilungschancen hängen davon ab, wie gut sich die Grunderkrankung therapieren lässt. Auch wenn es zunächst unsinnig erscheint: Gerade hier nützt die Gabe von Kalziumpräparaten und Vitamin-D, um Folgeerscheinungen der Überfunktion zu verhindern. Auch beim sekundären Hyperparathyreoidismus kann ein Kalzimimetikum helfen.