Eine gesunde Schilddrüse besteht aus zwei Lappen, die schmetterlingsförmig aneinandergeschmiegt sind. Ihr Gewebe ist sehr weich und sie wiegt durchschnittlich etwa zwölf bis 20 Gramm. Mit mehr als 90 Prozent aller Schilddrüsenerkrankungen ist die Struma die häufigste Störung.

Im Jodmangelgebiet Deutschland leidet jeder dritte Erwachsene an einer behandlungsbedürftigen Schilddrüsenveränderung (Kropf, Schilddrüsenknoten). Die Jodversorgung in Deutschland hat sich inzwischen verbessert und Schilddrüsenveränderungen kommen bei den unter 35-Jährigen wesentlich seltener als bei älteren Menschen vor.

Bei einer leichten Vergrößerung der Schilddrüse treten meist keine Beschwerden auf und die Vergrößerung wird oft nur durch Zufall entdeckt. Dennoch handelt es sich um eine Erkrankung, die weiter voranschreiten kann. Selten vergrößert sich die Schilddrüse so sehr, dass sie Beschwerden wie ein Druck- und Engegefühl am Hals, Schluckbeschwerden, Missempfindungen beim Tragen hochgeschlossener Kleidung sowie Atemnot unter Belastung oder bei bestimmten Positionen des Kopfes verursacht.

In einer vergrößerten Schilddrüse können sich Gewebeinseln bilden, die keine Hormone mehr produzieren, sogenannte "kalte Knoten“. In seltenen Fällen kann sich daraus Krebs entwickeln. In anderen Gewebeteilen kann die Hormonproduktion außer Kontrolle geraten. Dann spricht man von "heißen Knoten", auf die jede zweite Schilddrüsenüberfunktion zurückgeht und die Beschwerden wie Herzrasen, Gewichtsabnahme, Nervosität und Schlaflosigkeit nach sich ziehen kann. Ist die Schilddrüse knotig vergrößert, sprechen Ärzte von Struma nodosa. Bei Vorliegen vieler Knoten liegt eine sogenannte Struma multinodosa vor. Eine Schilddrüsenvergrößerung bedarf einer genaueren Untersuchung und gegebenenfalls einer Behandlung.

Was ist die Ursache einer Struma?

Ein Kropf bildet sich meist aufgrund von Jodmangel. Die Schilddrüse benötigt Jod zur Bildung der Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Tetrajodthyronin, auch Thyroxin). Liegt in der Schilddrüse zu wenig Jod zur Hormonproduktion vor, so versucht der Körper dies auszugleichen, indem er vermehrt Schilddrüsenzellen bildet. Diese sollen so lange wie möglich die Funktion der Schilddrüse aufrechterhalten. Somit vermehrt sich das Schilddrüsengewebe langsam und es kommt zum Kropf. Ebenfalls bekannt sind erbliche Veranlagungen und Risikofaktoren wie das Rauchen. Außerdem können bösartige Veränderungen wie Schilddrüsenkrebs, eine Autoimmunerkrankung oder eine Schilddrüsenentzündung zu einer Vergrößerung der Schilddrüse führen. Schilddrüsenentzündungen können mit einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) einhergehen. Der Morbus Basedow (Basedowsche Krankheit) ist eine durch eine Autoimmunreaktion ausgelöste Form der Schilddrüsenüberfunktion.

Wie wird die Struma erkannt?

Der einfachste Weg, um die Größe und Beschaffenheit der Schilddrüse zu überprüfen, ist die Tastuntersuchung. Diese ist jedoch oft ungenau und erfasst nicht die Schilddrüsenanteile, die in der Tiefe unter das Brustbein wachsen. Zur Basisdiagnostik zählen daher die Bestimmung des TSH-Wertes (ein die Schilddrüse regulierendes Hormon der Hirnanhangsdrüse) und die Schilddrüsenhormonkonzentrationen im Blut.

Außerdem können die Symptome auf eine Störung oder Erkrankung der Schilddrüse hinweisen: So kommt es bei einer Überfunktion der Schilddrüse zu vermehrter Unruhe und Reizbarkeit, gestörtem Schlaf, Gewichtsabnahme, Schwitzen und Haarausfall. Eine Unterfunktion macht sich dagegen durch Trägheit, mangelnde Konzentrationsfähigkeit, ständige Müdigkeit und Frieren sowie schlechte Stimmung bemerkbar. Allerdings sind diese Beschwerden unspezifisch und können auch durch andere Erkrankungen entstehen. Entgegen der verbreiteten Annahme ist eine Gewichtszunahme nur sehr selten durch einen Mangel an Schilddrüsenhormonen bedingt.

Bei auffälligen Befunden und dem Verdacht auf eine Struma können sich weitere Untersuchungen des Blutes, eine Ultraschalluntersuchung, eine Schilddrüsenszintigrafie oder eine Gewebeprobenentnahme (Biopsie) aus der Schilddrüse anschließen.

Sonografie (Ultraschall) der Schilddrüse

Mithilfe des Ultraschalls kann der Arzt die Größe, die Struktur, eventuelle Knoten und sonstige Veränderungen der Schilddrüse beurteilen. Die Sonografie gehört zur Standarduntersuchung bei Schilddrüsenerkrankungen.

Schilddrüsenszintigrafie

Bei einer Szintigrafie kontrolliert der Arzt die Funktion des Organs, indem er die Jodanreicherung in der Schilddrüse misst. Bei der Untersuchung bekommt der Patient eine radioaktiv markierte Substanz in die Vene gespritzt, um die Struktur der Schilddrüse besser sichtbar zu machen. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse nehmen entweder das gesamte Organ oder einzelne Bereiche, die Knoten, die markierte Substanz verstärkt auf. Bei einer Unterfunktion nehmen die entsprechenden Areale nur wenig der markierten Substanz auf. So können sich kalte oder heiße Knoten demaskieren. Heiße Knoten speichern das radioaktive Kontrastmittel, kalte Knoten hingegen nicht.

Wie wird eine Struma behandelt?

Ein Kropf muss spätestens dann behandelt werden, wenn er so groß geworden ist, dass er sich beim Schlucken oder Atmen bemerkbar macht.

Medikamente

Mittel der Wahl ist die Zuführung von Jod, eventuell auch in Kombination mit dem Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4).

Operation

Eine Operation ist erforderlich, wenn die Schilddrüse so groß ist, dass sie auf die Luftröhre drückt oder wenn zahlreiche Knoten mit unterschiedlich starker oder fehlender Hormonproduktion nachgewiesen werden. Auch bei Verdacht auf einen bösartigen Tumor wird man sich für eine Schilddrüsenentfernung oder -verkleinerung entscheiden. Bei der Operation entfernt der Chirurg - je nach Befund - Teile der Schilddrüse oder das ganze Organ. Fehlt die vollständige Schilddrüse, müssen die Betroffenen lebenslang Schilddrüsenhormone in Form von Tabletten einnehmen.

Nachteile der Operation sind die damit verbundenen Risiken wie Blutung oder Verletzung des Stimmbandnervs und die entstehende Narbe am Hals. In wenigen Fällen kann es durch versehentliche Mitentfernung der Nebenschilddrüsen zu einem Mangel an Kalzium im Blut kommen, der dann durch Medikamente behoben werden muss.

Nach der Operation ist im Allgemeinen die Einnahme von Schilddrüsenhormonen und Jodid notwendig, um einem erneuten Wachstum des verbliebenen Schilddrüsengewebes vorzubeugen. Die Einnahme dieser Medikamente ist unter Umständen, zum Beispiel wie oben beschrieben bei Entfernung der kompletten Schilddrüse, ein Leben lang erforderlich.

Bestrahlung mit radioaktivem Jod (Radiojodtherapie)

Die Radiojodtherapie ist eine Alternative zur Operation, wenn das Risiko einer Operation zu hoch ist, der Patient keine Operation wünscht oder nach bereits erfolgter Operation erneut eine Struma aufgetreten ist.

Das Prinzip der Radiojodtherapie besteht in der Zerstörung des Schilddrüsengewebes durch radioaktive Strahlung. Dafür schluckt der Patient radioaktives Jod, das von der Schilddrüse zu fast 100 Prozent aufgenommen wird.

Da er während der Behandlung radioaktive Strahlung ausscheidet, muss der Patient für einige Tage isoliert in speziell dafür eingerichteten Krankenhausabteilungen (Nuklearmedizin) bleiben. Die Radiojodtherapie hat eine hohe Erfolgsrate.

Nachteilig sind der verzögerte Wirkungseintritt und die Gefahr einer Schilddrüsenunterfunktion, die auch noch Jahre nach der Behandlung auftreten kann und in Abhängigkeit von der verabreichten radioaktiven Dosis entsteht. Kommt es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse, müssen die Patienten lebenslang Schilddrüsenhormone in Tablettenform einnehmen. Ein vermehrtes Auftreten bösartiger Schilddrüsenerkrankungen oder anderer Tumoren ist nach einer Radiojodtherapie nicht beobachtet worden.