Arbeitssucht ist keine allgemein anerkannte Erkrankung. Bislang existiert keine wissenschaftliche Abgrenzung des Begriffs Arbeitssucht. Auch gibt es keine einheitlich definierten Diagnosekriterien. Dies mag daran liegen, dass in unserer Gesellschaft die Leistungsfähigkeit des Einzelnen als hoher moralischer Wert gilt. Arbeit als Sucht mit Krankheitswert wird wahrscheinlich deshalb häufig verdrängt und verneint.

Doch kann unkontrolliertes Arbeiten mit allen Konsequenzen die Kriterien einer Sucht erfüllen. Nach einer möglichen Definition von Experten äußert sich Arbeitssucht in einem übermäßigen und unkontrollierten Verlangen nach Arbeit. Arbeit nimmt im täglichen Leben des Betroffenen zunehmend mehr Raum ein. Wie bei allen Abhängigkeitserkrankungen bleibt das nicht ohne Folgen. Neben körperlichen und seelischen Beschwerden berichten Betroffene daher oft auch von suchtbedingten Konflikten mit wichtigen Bezugspersonen.

In Deutschland soll es zwischen 200.000 und 300.000 Arbeitssüchtige geben, fast jeder siebte Berufstätige sei gefährdet, so schätzen Experten.

Wichtige Merkmale der Arbeitssucht sind unter anderem: 

  • "Nicht mehr abschalten können“ - selbst in der Freizeit kreisen die eigenen Gedanken vorwiegend um die Arbeit.
  • "Kontrollverlust“ - Ausmaß und Dauer des eigenen Arbeitens entgleiten zunehmend der eigenen Kontrolle.
  • "Eine Pause? Unmöglich!“ - über einen kürzeren oder längeren Zeitraum nicht zu arbeiten, erscheint Betroffenen plötzlich als unmöglich.
  • "Entzugssymptome“ - sobald Betroffene freiwillig oder unfreiwillig auf die Arbeit verzichten, reagieren sie mit Unruhe, Ängsten bis hin zu Schweißausbrüchen und weiteren Beschwerden.
  • "Toleranzentwicklung“ - um bestimmte psychische Zustände zu erreichen, müssen erkrankte Menschen immer mehr arbeiten. Gewöhnungseffekte treten auf.  

Arbeit nimmt eine wichtige Position in unserer Gesellschaft ein. Fleißig und tüchtig zu sein, Erfolg zu haben sind Eigenschaften, die nicht nur hierzulande besonders hohes Ansehen genießen. Der Begriff der Arbeitssucht löst deshalb schnell Abwehrreaktionen aus.

Neben dem persönlichen Leid, das Betroffene und deren Angehörige erfahren, betrifft die Erkrankung auch den Betrieb. Denn Arbeitssüchtige arbeiten im Vergleich mit Gesunden oft ineffektiver oder sind häufiger krank. Selbst plötzliche Todesfälle sind möglich. Ein Phänomen, das in Japan bereits seit vielen Jahren einen Namen hat. Mit dem Begriff "Karoshi“ wird dort nämlich der Tod durch Überarbeitung beschrieben, zum Beispiel aufgrund von Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Selbstmord.