Sucht findet im Verborgenen statt

Viele Suchtkranke schämen sich, über ihre Sucht zu sprechen. Zudem haben sie nicht zu Unrecht Angst vor der Kündigung, wenn die Suchtkrankheit bekannt wird. Deshalb dauert es oft Jahre, bis die Suchtkrankheit offensichtlich wird.

Krankschreibungen, zum Beispiel wegen Magenbeschwerden oder Infekten, häufen sich. Der Betreffende wird unzuverlässiger und erledigt seine Arbeit fehlerhaft oder gar nicht. Um nicht über das eigentliche Problem, die Sucht, sprechen zu müssen, schiebt er körperliche Unzulänglichkeiten und allgemeine Befindlichkeitsstörungen wie Stress, Überarbeitung oder private Probleme als Gründe für die Schwierigkeiten vor.

Mitarbeiter oder Vorgesetzte, die bereits lange ahnen, dass der Kollege suchtkrank ist, wissen oft nicht weiter. Das Problem zu ignorieren, ist keine Lösung, da der Süchtige häufig sich selbst oder Dritte gefährdet.

Der Betriebsarzt: Ein erster Ansprechpartner

Vielen Suchtkranken fällt es leichter, über ihr Problem mit einem Arzt zu sprechen als mit einem Vorgesetzten. Der Arbeitgeber kann daher einem süchtigen Angestellten, der sich immer häufiger krank meldet, einen Besuch beim Betriebsarzt nahelegen. Der Betriebsarzt kann notwendige Schritte zur Therapie mit dem Arbeitnehmer besprechen und einleiten.

Offenheit und Wertschätzung sind wichtig

Eine zweite Möglichkeit ist, selbst den Kollegen offen darauf anzusprechen, dass man ihn für suchtkrank hält. Viele Süchtige sind froh, endlich jemanden zu haben, dem sie sich anvertrauen können. Wichtig dabei ist, das Problem wertfrei zu besprechen und dem Suchtkranken keine Vorwürfe zu machen. Die offene Ansprache kann der erste Schritt in die richtige Richtung sein, wenn dabei ein echtes Interesse an den Problemen des Gegenübers deutlich wird.