Seit einem Urteil des Bundessozialgerichtes aus dem Jahr 1968 ist Sucht als Krankheit anerkannt. Die Gleichstellung mit anderen Krankheiten hatte weitreichende Folgen. 

Unter anderem wird seitdem der Lohn im Krankheitsfall weiter gezahlt und der Suchtkranke hat Anspruch auf eine angemessene Behandlung. Inhaltlich unterscheiden Ärzte bei der Sucht eine körperliche und eine psychische Abhängigkeit.

Körperliche Abhängigkeit

Körperliche Abhängigkeit entsteht, weil der Körper sich auf die ständige "Vergiftung" durch die konsumierte Droge einstellt. Alkohol zum Beispiel macht müde und senkt die Aufmerksamkeit. Bei jemandem, der ständig trinkt, steuert der Körper gegen und erhöht Wachheit und Aufmerksamkeit. Wird der Alkohol nun abgesetzt, kommt es zu Unruhe, Nervosität, erhöhter Empfindlichkeit für Außenreize und Schlafstörungen. Diese Entzugserscheinungen sind ein typisches Zeichen für die körperliche Abhängigkeit vom Alkohol.

Psychische Abhängigkeit

Als psychische Abhängigkeit bezeichnen Mediziner den nicht kontrollierbaren und häufigen Wunsch, die entsprechende Droge einzunehmen. Sie ist genauso stark wie die körperliche Abhängigkeit, weil sie ebenfalls dazu führt, dass der Konsum mit allen Konsequenzen fortgesetzt wird. Das starke Verlangen nach einer bestimmten Droge bezeichnen Fachleute auch mit dem englischen Begriff "Craving".

Internationale Definition der Abhängigkeit

Zur Einteilung von Krankheitsbildern gibt es ein von der Weltgesundheitsorganisation WHO herausgegebenes Diagnoseschema, die sogenannte "International Classification of Diseases", ICD 10. Dort taucht der Begriff Sucht nicht auf, man spricht stattdessen von Abhängigkeitssyndrom.

Kennzeichnend für ein Abhängigkeitssyndrom ist nach ICD 10 der oft starke, gelegentlich übermächtige Wunsch, Alkohol, Drogen oder Medikamente mit Suchtpotenzial zu konsumieren. Der Abhängigkeitskranke kann typischerweise seinen Suchtmittelkonsum nicht kontrollieren und muss bereits größere Mengen als ein Nichtsüchtiger konsumieren, um einen Rausch zu erzeugen. Setzt er die Droge ab, bekommt er Entzugserscheinungen. Sein Leben kreist um die Drogeneinnahme, andere Interessen vernachlässigt er. Charakteristisch für das Abhängigkeitssyndrom ist zudem, dass der Konsum auch dann fortgesetzt wird, wenn bereits erhebliche Folgeerscheinungen auftreten.

Schädlicher Gebrauch

Schädlicher Gebrauch ist laut ICD 10 ein Alkoholkonsum, der bereits zu Schäden geführt hat, bei dem der Trinker aber noch Kontrolle über das Trinkverhalten hat. Dazu gehört auch das Gewohnheitstrinken.