Die Zahl der Opfer illegaler Rauschgifte ist im vergangenen Jahr bundesweit wieder angestiegen. Besorgniserregend ist gleichzeitig die hohe Verbreitung der Alltagsdrogen Alkohol und Tabak.

Der Anteil rauchender Jugendlicher zwischen zwölf und 17 Jahren sank zwar im Jahr 2011 auf den niedrigsten Wert seit 30 Jahren, liegt aber immerhin noch bei 11,7 Prozent. Bei den zwölf- bis 17-Jährigen tranken 2011 - im Vergleich zu 17,9 Prozent in 2001 - 14,2 Prozent regelmäßig, das heißt mindestens wöchentlich, Alkohol. Das geht aus einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hervor. Der Trend zum exzessiven Trinken, dem sogenannten "Binge Drinking“, ist bis heute ungebrochen.

Laut BZgA konsumieren circa 9,5 Millionen Deutsche zwischen 18 und 64 Jahren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form - rund 1,3 Millionen gelten als alkoholabhängig. Jedes Jahr sterben circa 74.000 Menschen direkt durch Alkoholmissbrauch oder indirekt, etwa durch alkoholbedingte Unfälle, an den Folgen des Alkoholkonsums. Der Spitzenwert des altersspezifischen Raucheranteils in der Bevölkerung liegt bei den Männern bei den 25- bis 30-Jährigen, bei den Frauen bei den 20- bis 25-Jährigen.

Die Ursachen für die hohe Verbreitung der Alltagsdrogen Alkohol und Tabak unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind nicht nur im Gruppenverhalten unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu suchen. Oftmals orientieren sich junge Menschen auch an ihren Eltern, die die legalen Drogen vielleicht selbst als Problemlöser einsetzen.

Ein Gläschen Wein am Abend zur Entspannung, ein Bier zum Abendbrot: Sobald sich eine gewisse Routine in dieses Ritual einschleicht, muss man reagieren und den Konsum einschränken. Den meisten Menschen gelingt dies auch. Eltern sollten nicht vergessen, dass ihr Verhalten für ihre Kinder eine Vorbild-Funktion hat.

Vom Genuss zur Abhängigkeit

Viele Menschen konsumieren potenzielle Suchtstoffe als Genussmittel, ohne davon abhängig zu sein. Sobald jedoch nicht mehr der Genuss im Vordergrund steht, sondern die Wirkung, besteht die Gefahr der Abhängigkeit.

Genuss

Raucher, die sich nur einmal pro Woche eine Zigarre gönnen, gehören ebenso zu den Genießern wie Menschen, die Alkohol nur auf Feiern und dann in Maßen trinken. Genuss setzt voraus, dass man sich Zeit für den Akt des Genießens nimmt und dass der Konsum etwas Besonderes, das heißt etwas Nichtalltägliches ist. Genusstrinker zum Beispiel trinken in der Regel nicht irgendeinen Wein, sondern suchen sich Wein aus besonderen Anbaugebieten und von bestimmten Winzern aus.

Gewohnheit

Gewohnheit und Genuss sind nur schwer vereinbar. Sobald sich Routine in den Konsum einschleicht, das heißt, sobald man zum Beispiel nahezu täglich Alkohol trinkt oder einen Joint (= cannabishaltige Zigarette) raucht, stellt sich der Körper auf die Droge ein und die Wirkung lässt nach. Ärzte sprechen dann von Toleranzentwicklung oder eben von Gewöhnung. Um die gleiche Rauschwirkung zu erzielen wie früher, muss der Betreffende die Dosis immer weiter erhöhen oder zu härteren Suchtmitteln greifen.

Sucht

Zur Sucht ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Der Biertrinker trinkt auch schon morgens Bier oder greift vielleicht zum Schnaps, der Kiffer (= Cannabis-Raucher) zu LSD oder Heroin, der Ecstasykonsument zu Amphetaminen oder zu Kokain. Eine massive Abhängigkeitserkrankung droht.

So weit kommt es zum Glück viel seltener als befürchtet. Die meisten Menschen, die merken, dass sie aus Gewohnheit zu viel konsumieren, reagieren richtig und reduzieren ihren Konsum wieder.